Lebensabschnitte an die ich mich nicht Erinnern kann normal?

12 Antworten

Das Gehirn löscht keine wichtigen Sachen! Alles, was wir entweder jetzt nicht brauchen, oder verdrängen, wandert ins Unterbewußtsein. Alles, womit wir in diesem Moment, zu dieser Zeit nicht umgehen können, egal aus welchem Grund. Es wird alles gespeichert an Erfahrungen,usw. im Laufe eines Lebens. Nur so kann es nämlich passieren, daß anhand von jahrelangen Verdrängungen der Mensch entweder eplodiert (in Form von Aggressionen) oder implodiert. (in Form von seelischen Krankeiten)

Alles, woran Du Dich nicht erinnern kannst,  hast Du nicht einfach nur vergessen, Du hast es verdrängt. Das ist ein Schutzmechanismus, damit wir nach Verletzungen, etc.ÜBERLEBEN können. Ich habe immer ältere Menschen "bewundert", die lückenlos aus Ihrem Leben erzählen können. Ich habe, so wie Du viele "Löcher" in meinem Leben! Ich habe an manche Lebensabschnitte nur ganz wenige Erinnerungen. Da sind dann 1,2 Geschichten, die herausragen,ansonsten fehlen mir Jahre. Das "Gerüst" ist da,meine schwere Kindheit. Nach der Geburt gleich ins anschließende Kinderheim, die 1. Erinnerung mit 2. Mein Vater holte mich mit seiner Lebensgefährtin aus dem Heim , ich stand in der Wohnung und sah das Gitterbett mit dem großen Teddybären und mein Vater sagte, das ist deiner! Von den nächsten 3 Jahren weiß ich nur mehr das Schlimmst. Wie wir auf der Straße gestanden sind und meine "Pflegemama" bettelte :"Bitte nimm mir das Kind nicht weg"! Er hatte eine andere, viel jüngere Frau kennengelernt. Und von den nächsten 2 Jahren gibt es auch nur 2 Sachen die ich noch weiß. Daß er mich an einem Sonntag spazierengeschickt hat (wollte allein mit ihr sein) und daß sie mich beim Schule schwänzen erwischt hatte . Dann die  (Freunde vom Vater) Pflegefamilie, wo beide Alkoholiker waren und ich ständig verprügelt wurde. Nach all diesen Jahren habe ich so mit 20 herum oft gesagt,mich wundert,daß ich nach allem was ich erlebt habe , so normal geblieben bin. Bis eines Tages mein Vater starb. Der war trotz allem immer der wichtigste Mensch für mich. Da war Schluß mit Verdrängen, denn nichts anderes habe ich all die Jahre getan. Es hat mir das Überleben gesichert. Aber ich hätte früher damit beginnen sollen, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ich  war so beschäftigt damit, mir einzureden, wie gut ich alles überstanden hätte, daß mich die Vergangenheit einfach nicht interessiert hat. Bis der Rucksack so voll war, daß ich beim nächsten "Ereignis", dem Tod meines Vaters, umgefallen bin. Und es hat Jahre gedauert, bis ich mir  BEWUßt war, das NICHTS in Ordnung ist! Erst da sind mir diese "Löcher" in  meinem Leben so richtig bewußt worden. An vieles erinnere ich mich auch heute noch nicht. Aber ich habe daran gearbeitet und tue es auch heute noch. Ich habe es mit der Hilfe von Therapie geschafft, wesentliches, "wieder in mein Leben zu ziehen"!  Alles, was im Unterbewußtsein gespeichert ist, ist theoretisch jederzeit abrufbar. Nur mit den verdrängten Sachen ist es schwer, die sind oftmals wie eingemauert. (während ich hier so schreibe, ist mir noch etwas eingefallen,an das ich lange Zeit nicht mehr gedacht habe. Jeden Tag bin ich am Eßtisch gesessen und habe zu Gott an dem Kreuz in der Ecke gebetet: "Bitte mach, daß er mich nicht schlägt" ) Den Pflegevater meinte ich und ich war damals ein Volksschulkind. Es hat nie etwas geholfen...! Wie hätte ich weiterleben sollen, wenn ich all diese Jahre nicht verdrängt hätte, so als hätten sie nicht existiert? Nur irgendwann, muß man sich mit allem auseinandersetzen. Verdrängen funktioniert nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gut.

Du bist aber jetzt wie gesagt auf einem sehr guten Weg! Du wirst in einer Therapie vieles über Dich erfahren. Mir selbst hat das sehr gut getan. Das ist auch bezüglich Deiner früheren Drogensucht sehr wichtig. Du mußt lernen, Dich selbst besser zu verstehen, damit so etwas nicht noch einmal passiert.   Auch wenn es sich für Dich heute noch dumm anhört, aber Depressionen kann man auch als Chance sehen, etwas in seinem Leben grundlegend zu verändern! Dabei wünsch ich Dir von Herzen Glück! Anne

Das Unterbewusstsein eines Menschen hat eine wunderbare Funktion, eine Schutzfunktion. Wenn einem Menschen etwas für ihn furchtbares passiert, etwas erschütterndes, dass durch Mark und Bein geht, was körperlich und vor allem psychisch kaum auszuhalten ist, dann wird es in der Erinnerung unterdrückt, dem Heilungsprozess zuliebe.

Das ist absolut normal, Du brauchst Dir keine Gedanken darüber machen, im ernst.

 

So ist es.

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@jennyblomma

Ok, dann mal vielen dank, mich hat das echt schockiert. Weil als ich die Chat Verläufe so durch gelesen habe kam es mir vor als würde ich die Unterhaltung zweier Fremder Menschen lesen

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Du hast wirklich Schlimmes durchgemacht und die Erinnerung verdrängt... damit es dir nicht mehr so weh tut. Einerseits ist das gut und andererseits schade. Spüre doch deiner damaligen Situation nach - nutze deine Worte (egal ob Chat oder anderes aufgeschrieben) und auch Fotos zum Erinnern. Das kann dein Leben jetzt bereichern, denn so weh wie damals wird es dir nicht mehr tun.

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