Latein, der Konjunktiv?

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3 Antworten

Der Konjunktiv im Lateinischen ist generell der Modus der Nicht-Wirklichkeit. Im Hauptsatz muss ein Konjunktiv immer übersetzt werden (meist mit Konjunktiv oder (Modal)Verben wie sollen, mögen, könnte, würde)

Im Hauptsatz kann er Folgendes ausdrücken:

a) als Optativ Wünsche (erfüllbar: Konj.Präs.; unerfüllbar: Konj.Impf.: unerfüllt: Konj.Plusq.) - oft findest du in Wunschsätzen die Wunschpartikeln: utinam, utinam ne oder vellem (letzeres nur bei Impf. + Plusq.)

Übersetzung: Konj.Präs. = Konj. I (bei 3.Sg.), mögen + Inf. oder hoffentlich + Indikativ; Konj.Impf./Konj.Plusq. = Konj. II (mit finiter Verbform am Satzanfang) oder wenn doch (nicht) + Konj. II , Konj.Impf. auch Würde(n/t/st) X doch Y tun!

b) als Jussiv Gebote (Konj.Präs., in der Regel 2. + 3. Person) - Übersetzung: sollen

c) als (Ad)Hortativ eine Aufforderung (Konj. Präs. nur in der 1.Pl.) - Übersetzung: Lass(t) uns etwas tun! , Tun wir etwas!

d) als Prohibitiv ein Verbot (verneinter Konj.Perf. in der 2.Person) - Übersetzung: verneinter Befehl = Tu(t) nicht !

Die Verneinung bei a - d ist ne, nicht (!) non.

e) als Dubitativ/Deliberativ eine zweifelnde Frage in der 1.Person (Gegenwart: Konj.Präs.; Vergangenheit: Konj.Impf.) - Übersetzung: Konj.Präs. = Soll ich ... / Sollen wir ... ? , Konj.Impf. = Hätte ich /Hätten wir ... sollen ?

f) als Potentialis eine Möglichkeit (ohne Bedeutungsunterschied Konj.Präs. oder Konj.Perf.) - Übersetzung: könnte oder vielleicht + Indikativ Präsens

g) als Irrealis etwas Unmögliches, rein Hypothetisches oder Irreales (Irrealis der Gegenwart: Konj.Impf. , Irrealis der Vergangenheit: Konj.Plusq.) - Übersetzung: Konj.Impf. = Konj. II oder würde + Infinitiv ; Konj.Plusq. = hätte / wäre + Partizip II

Die Verneinung bei e - g ist non !

Andere Formen des Konjunktivs im Hauptsatz musst du in der Regel nicht kennen und sie werden dir beim Übersetzen meist als (Vokabel)hilfe angegeben. Wichtig: Mit Ausnahme der Wunschpartikeln findest du im Hauptsatz in der Regel keinen Hinweis auf einen Konjunktiv. Du musst also unbedingt die konjunktivische Verbform erkennen, daher: Wiederhol gut die Bildung der Konjunktive!

Im Nebensatz (Nebensätze erkennst du an ihren Einleitungswörtern!) drückt der Konjunktiv in sogenannten innerlich abhängigen Gliedsätzen im weitesten Sinne ein Begehren, etwas Irreales oder als Obliquus eine subjektive Meinung aus.

Die wichtigsten konjunktivischen Nebensätze sind:

a) abhängige Begehrsätze: ut / ne - Übersetzung: dass (nicht) oder (erweiterter) zu-Infinitiv.

Hin und wieder kann ut ausfallen, dann erkennst du einen Begehrsatz an der Bedeutung des Verbs im Hauptsatzes, von dem er als Gliedsatz abhängt. Nach Verben des Fürchtens und Ähnlichem, bezeichnet der Begehrsatz, dass ich will, dass etwas nicht geschieht, daher setzt der Lateiner konsequent ne, das im Deutschen ohne Verneinung mit dass bzw. zu-Infinitiv wiedergegeben wird.

b) Finalsätze: ut / ne - Übersetzung: damit (nicht) oder um (nicht) zu  + Infinitiv.

c) Konsektuivsätze: ut / ut non - Übersetzung: (so)dass (nicht). Er drückt im Unterschied zum Finalsatz eine tatsächliche Folge aus. Im Hauptsatz findet sich oft als Vorankündigung ein so-Wort (= Wort mit der Bedeutung "so / ein solcher / derartig" o.Ä. ).

d) abhängige Fragesätze: Einleitungswort = Fragewort (quis, quid, ubi, cur...) oder Fragepartikel num / -ne = ob ;  (utrum) ... an ... = ob ... oder ; utrum ... necne = ob ... oder nicht

e) in einigen cum-Sätzen: - wichtigste Übersetzungsmöglichkeiten: als/während/nachdem (cum narrativum); da/weil (cum causale) ; obwohl (cum concessivum) ; während/wohingegen (cum adversativum)

f) in si-Sätzen als Irrealis (Übersetzung wie im Hauptsatz) oder als Potentialis (Übersetzung: sollte)

g) alle Nebensätze in der oratio obliqua (indirekte Rede) stehen, um sie als innerlich abhängig zu kennzeichnen, im Konjunktiv. In diesen Fällen ist der Hauptsatz im Lateinischen in der Regel ein (uneingeleiteter) AcI, der Konjunktiv muss nach den Regeln der deutschen Grammatik mit dem Konjunktiv der indirekten Rede wiedergegeben werden!

In den Sätzen a, b, d und g steht in Bezug auf das übergeordnete Subjekt in der Regel ein Reflexivpronomen (sibi, se; suus,-a,-um), dass dann im Deutschen als Personalpronomen wiedergegeben wird.

Wichtig: Du darfst den Konjunktiv in Konsekutivsätzen und in cum-Sätzen nicht übersetzen !! Irrealis und Obliquus dagegen musst du immer konjunktivisch übersetzen !

Merkwürdige Frage.
Der Konjunktiv ist da, wo du ihn vorfindest.
Und da du ja fast nie etwas ins Lateinische übersetzen musst, wirst du damit keine Probleme haben.

Du kannst aber mit einer hochprozentigen Sicherheit davon ausgehen, dass ein gefundener Konjunktiv auf einen Nebensatz hinweist. Wie im Deutschen gibt es sehr wenige Konstruktionen, die einen Konjunktiv im Hauptsatz erfordern.

Der Konjunktiv kann im HS und im NS auftreten.

Denk bitte an die verschiedenen Funktionen eines Konjunktivs im HS, bspw. an den coniunctivus hortativus!

Den Konjunktiv im NS wirst du bspw. im indirekten Fragesatz antreffen.

Auch " cum", "ut", "quasi" verlangen u.a. u.U. den Konjunktiv......

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