lässt sich die Evolutionstheorie nicht beweisen?

12 Antworten

Zum Begriff der "Theorie" im wissenschaftlichen Sinne haben schon viel Leute was geschrieben, dem ist m. E. nichts hinzuzufügen.

Vielleicht nur noch was zum Begriff "Beweis":

Einen "absoluten" Beweis gibt es nur in der Mathematik, in den Naturwissenschaften kann man eigentlich nur von Belegen oder Nachweisen sprechen - Kriminalisten würden das als Indizien bezeichnen.

Im Sinne der Naturwissenschaften betrachtet man es als "Beweis" (eigentlich Beleg), wenn

  • eine durch die Theorie im Voraus gemachte Vorhersage sich anschließend (z. B. in einem Experiment) bestätigt (so wie z. B. der vor kurzem erfolgte Nachweis von Gravitationswellen ein weiterer Beleg für die Relativitätstheorie ist), oder
  • eine neue, bisher unbekannte Beobachtung sich nahtlos in die Theorie einfügt (z. B. in der Evolutionstheorie der Fund einer bisher unbekannten Spezies - ob lebend oder als Fossil -, die in bekannte Evolutions-"Ketten" hineinpasst, evtl. sogar einen "Lücke" schließt).

Das "Problem" der Naturwissenschaften ist: gibt es eine Beobachtung, die sich mit der entsprechenden Theorie nicht deckt, so muss diese Theorie verworfen oder zumindest überarbeitet werden - oder (da auch Naturwissenschaftler sich ungern von Bekanntem trennen ;-) ) es muss nachgewiesen werden, dass die Beobachtung falsch war.

Der Begriff "Theorie" bedeutet in der Wissenschaft etwas anderes als in der Umgangssprache. Es beschreibt dorrt nicht, dass etwas "theoretisch" nur so sein könnte. Dies nennt man in der Wissenschaft zunächst einmal Hypothese. Kann der Wissenschaftler seine Hypothese aber durch mehrere empirische Belege (nicht Beiweise!) bestätigen, so wird die Hypothese als Theorie bestätigt. Eine Theorie muss aber weiterhin falsifizierbar, also widerlegbar bleiben, um als Theorie zu gelten. Alles andere wäre unwissenschaftlich und ein Lehrsatz, den man nicht weiter zu erforschen bräuchte.

Die Evolutionstheorie ist also keine umgangsprachliche bloße Annahme, sondern eine durch viele Belege bekräftigte Tatsache. Von ihren Gegnern wird der in der Umgangssprache geläufige Begriff der Theorie aber gerne benutzt, um sie fälschlicherweise als unbewiesen herabzuwürdigen. Alle Argumente, die diese sogenannten Kreationisten aufbringen, haben allerdings keinen Anspruch darauf, wissenschaftlich ernst genommen zu werden und sind sämtlich widerlegbar. Ich gestatte diesen Menschen zwar zu, ihren eigenen Glauben zu haben, aber wenn sie ihn in der heutigen Zeit noch als Tatsache verkaufen wollen und die Evolutionstheorie als Lüge bezeichnen, müssen sie auch nicht traurig oder sogar zornig darüber sein, wenn sie dafür ausgelacht werden.

Zum Glück mal jemand, der den Begriff "Evolutionstheorie" in seiner Antwort nicht als Reizwort benutzt, um eine sinnfreie Diskussion um Gott, die Schöpfung und andere Mythen anzuzetteln.

Die Erde ist keine Scheibe. Basta!

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Es ist seit langem bekannt, dass man überhaupt nichts beweisen kann. Seit Popper begnügt man sich in der Wissenschaft damit, dass man unzutreffende Dinge widerlegen kann. Wissenschaft funktioniert immer so, dass man eine Teilaussage herausgreift und ihr Gegenteil versucht zu widerlegen. Jedes Theoriengebäude wird immer eine Theorie bleiben und niemals bewiesen werden können. Das heisst nicht, dass man nicht subjektiv von ihrer mehr oder weniger ausgeprägten Richtigkeit überzeugt sein kann. Die Evolutionstheorie selber besteht aus vielen Teiltheorien, die ihrerseits Evolutionen oder Weiterentwicklungen durchlaufen haben. Da es sich beim Leben um vielfältige Fänomene aus Hunderten von Millionen Jahren handelt, wird man nie alles bis ins Kleinste aufklären können, sondern nur plausibel machen können. Alles in allem hat die Evolutionstheorie auf den vielfältigsten Gebieten die umfassendsten Bestätigungen erfahren, die je eine Theorie erfahren hat. Trotzdem wird es nie lückenlose Beweisketten geben und immer Zweifel an gewissen Teilaspekten.

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