Ladendiebstahl - Fangprämie in Österreich

1 Antwort

Ich kann dir spontan aus deutscher Sicht ein paar Gedanken dazu geben:

Die Fangprämie ist unabhängig vom - wohl gemeint: strafrechtlichen - Verfahren. Wie der Name sagt, ist es eine Prämie, die logisch vor dem konkreten Fall dafür ausgelobt wurde, einen Dieb zu präsentieren. Ob man diese Prämie zahlt oder nicht, hat keinen Einfluss auf das Strafverfahren; da will statt dessen einfach nur ein Ziviler sich bereichern - dargestellt als Schadensersatz für sämtliche Diebstähle und die damit verbundenen, auch präventiven Kosten. Dafür kann aber der einzelne Dieb - so wenig man ihn auch mag - nichts.

Vorgeschobene Basis dafür, das Geld vom Dieb zu verlangen, ist Schadensersatz im Rahmen einer vertraglichen Abrede - man meint dann, weil man den Laden betreten hätte, würde man aushängenden Regeln zustimmen, nach denen man sich zum Schadensersatz verpflichtet, sobald man stiehlt - aus Sicht eines potenziellen Diebes natürlich ein Unsinn :D

Um kurz auf den Punkt zu kommen: Diese Fangprämie zu ersetzen ist der Dieb nicht in jedem Fall verpflichtet. Hat zB der Ladendieb selbst den Dieb entdeckt und gestellt, hat er damit nur seine eigene Pflicht erfüllt - eine Prämie hierfür ist nicht ersatzfähig.

Noch kritischer sieht es aus, wenn der Dieb noch minderjährig ist: der (ohnehin sehr fragwürdigen, oben genannten) vertraglichen Abrede kann ein beschränkt Geschäftsfähiger gar nicht ohne Weiteres wirksam zustimmen. Hier wäre interessant, was genau "unter das Jugendgesetz" zu fallen bedeutet.

Soweit im Einzelfall keine Zahlungspflicht besteht, geht der Prämienfordernde sogar das Risiko ein, sich der Erpessung strafbar zu machen.

Wie gesagt: hier alles deutsch. Die Rechtslage ist vor allem durch die Rechtsprechung bestimmt, dh sie kann trotz prinzipiell ähnlicher Gesetzeslage in Österreich entscheidend abweichen.

Droitteur, danke für deine ausführliche Antwort. Ich hatte schon erwartet, die (für den Benutzerkoeffizienten dieser Seite) typischen Antworten zu kriegen. Denn ja, Diebstahl ist verwerflich und so, aber das weiß man doch eh schon, da braucht man keinen LPGamerGIRL001 um einen darauf aufmerksam zu machen ;) Also vielen Dank!!

Und klar weiß ich auch, dass es nicht gut ist, aber ich finde auch, es gibt Unterschiede in der "Bösartigkeit" eines Diebstahls. Denn wenn jemand einen Laden nur betritt um zu klauen, dass ist finde ich was anderes, als kein Geld dabei zu haben (sieht ja sogar das Gesetz so..) 

Den größten Unterschied aber finde ich macht es, wen man ausraubt. Denn sollte man jetzt einen kleinen Einzelhandel ausrauben, wo jemand seine gesamte Existenz darauf basiert, finde ich das richtig armselig, und würde sofort, wenn ich sowas sehe, die Polizei rufen. 

Aber wenn ich Leute sehe, die es mit ner wirklich guten Idee schaffen, eine Filiale eines multinationalen Konzerns auszuräumen, feier ich das eigentlich so ein bisschen^^

ja, das war eh schon alles, danke nochmal :D

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versuche diese ganze Sache auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen!

Vergesse nicht, ein Ladendedektiv lebt von was genau, was genau ist seine Aufgabe für die er bezahlt wird? So, nun denk mal mit. Ein Ladendetektiv hat also ein sehr großes Interesse daran, Diebe ermitteln zu können um weiterhin seine Daseinsberechtigung zu haben, nicht brotlos zu werden!

Solche Dedektive suchen also gezielt in Ecken des Kaufhauses nach leichter Beute! Sinngemäß solchen Dieben, die einfach zu ermitteln sind, weil es um Kleinkram geht -im Sinne von nicht nennenswertem Diebesgut-. Die trickreicheren Diebe die mehr Geschick beim klauen haben sind für so einen Dedektiv mehr eine Zumutung, mehr Aufwand.

Okay, geklaut ist geklaut. Würden wir mal gründlich hinterfragen, wer noch nie geklaut hat, gäbe es dann Millionen die sagen könnten, ich nie?

Früher nannten wir sowas blödes mal Mutproben! Kam nur kurz mal vor, dann nie wieder.

Ich kenne einen besonderen Fall aus familärer Erfahrung. Sollte die Tochter mal bei der Polizei abholen, die ein Ladendedektiv dort übergab. Klar vertrat die Polizei die üblichen Ansichten des Dedektives und hinterfragete garnichts.

Ich forderte ein vier Augengespräch mit der Tochter, ließ mir alles bis ins Detail erklären und hinterfragte geschickt. Dann sagte ich der Polizei, ich besuche nun das Kaufhaus und regle dort einiges. Dann komme ich wieder und dann sehen wir weiter.

Obwohl Tochter ein ausgesprochenes Hausverbot hatte, ging ich zielgerichtet mit ihr ins Büro des Ladendedektives. Den befragte ich nach dem genauen Ablauf der Angelegenheit. Als er einiges anders darstellen wollte, hinterfragte ich wiederholt genau ob er dabei bleibt und Zeugen nennen kann.

Nachdem er seine Version erzählt hatte, bat ich um ein Gespräch mit dem Kaufhaus-Chef. Was ich dort vortrug war dem Detektiv sehr unangenehm usw.. Was Chef und er danach besprachen dürfte nicht angenehm gewesen sein.

Ich bestand auf einer schriftlichen Korrektur des angeblichen Sachverhaltes und einer formulierung, die eindeutig aussagt, das Hausverbot wurde ebenso aufgehoben wie die Behauptung eines Diebstahles.

Damit zurück zur Polizei, dort vorgelegt, verlangt dass eine Kopie davon gemacht wird, die zu der Akte hinzugefügt wird. Sollte die Polizei noch was von uns wollen, dann bitte so zustellen, dass ich es an unseren Anwalt durchreichen kann.

Der Ladendieb hatte eine Gruppe Schulmädchen in der Schminkabteilung bemerkt, diese beobachtet. Da er nicht genau genug gesehen hatte, wer von denen was gestohlen, also so an der Kasse vorbei mit nach Aussen nahm, folgte er der Gruppe 200 Meter auf der Straße, weil er sich erhofft hatte, zu beobachten wer wem was zeigt. Nach 200 Metern griff er sich jemanden raus, der nicht schnell genug reagierte, schleppte diese zurück in sein Büro, ließ die Taschen leeren und klagte einfach proforma an.

Tja, Pech gehabt an so einen Vater zu geraten. Denn er hatte außerhalb des Kaufhauses keinerlei Rechte mehr. Hatte durch sein entfernen seines Aufgabenbereiches weitere Diebstähle ermöglicht usw. Beweisen konnte er nicht, dass der nagelneue Lippenstift Diebesgut aus diesem Kaufhaus gewesen wäre. Darauf bestand ich.

Behauptung ist kein Beweis!

Ich verstehe nicht, warum so wenige Menschen die Dinge genauer hinterfragen, sich ducken und sich zuviel Einseitigkeiten und teilweise Ungerechtigkeiten gefallen lassen?

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