kurz und knapp die Theorie Kants über die Ästhetik, welche Kritik gibt es zu seiner Theorie?

1 Antwort

Kants Theorie der Ästhetik

Ästhetik ist der Bereich der Sinneswahrnehmung einschließlich der dabei auftretenden Urteile. Die ästhetische Urteilskraft ist das Vermögen (die Fähigkeit), die subjektive Zweckmäßigkeit der Anschauung eines Objekts durch das Gefühl der Lust und Unlust zu beurteilen. Das ästhetische Urteil, ein Geschmacksurteil, beruht auf subjektiven Gründen. Es ist auf ein Subjekt und dessen Gefühl bei der Wahrnehmung eines Objkets bezogen. Das Geschmacksurteil ist nicht durch feste Begriffe bestimmt und kein Erkenntnisurteil. Etwas kann gefallen und mißfallen. Bei dem, was gefällt, gibt es zwei unterschiedliche Empfindungen, ein Gefühl des Schönen und ein Gefühl des Erhabenen.

Beim Schönen gibt es eine Beziehung zwischen Objekt und Subjekt, in der ein freies Spiel der Erkenntniskräfte einen harmonischen Zustand schafft (die Erkenntnisvermögen Einbildungskraft und Verstand werden durch eine gegebene ästhetische Vorstellung unabsichtlich in Einstimmung/Einhelligkeit versetzt). Schön ist, was ein interesseloses allgemeines Wohlgefallen erweckt/hervorruft. Das Schöne hat als Merkmale: 1. gefällt spontan, 2. gefällt aus sich heraus (Form eines zweckmäßigen Gegenstandes, aber ohne Vorstellung eines Zwecks), 3. das Urteil ist allgemein (subjektive Allgemeingültigkeit), 4.  das Gefühl ist notwendig.

Beim Erhabenen ist das Spiel der Erkenntniskräfte disharmonisch. Etwas erscheint als ohne Vergleichung groß. Es wird eine Unangemessenheit von Beurteilungen aus der sinnlichen Natur des Menschen verspürt. Eine Verbindung zu Ideen der Vernunft kann gezogen werden. Furcht und Schrecken, die ausgelöst werden und einen Widerstand der Sinne zeigen, sind mit lustvollen Empfindungen gemischt.

Kritik/Einwände

Eine grundsätzlich gegensätzliche Auffassung ist, das Schöne als Beschaffenheit der Dinge zu verstehen. Die Bewertung als „schön“ geschieht ja im Sprachgebrauch in der Form „x ist schön“.

Wenn Schönheit in der Wirkung auf Subjekte, eine bestimmte Art von Wohlgefallen zu erzeugen, besteht, hat das Urteil keine Verbindlichkeit, nur eine sehr eingeschränkte Allgemeinheit als subjektive Allgemeingültigkeit (allgemeine Mitteilbarkeit und Möglichkeit, Zustimmung von anderen zu erhalten, aber kein sicheres Ergebnis).

Johann Gottfried Herder, Kalligone (1800): Nichts kann ohne Interesse gefallen. Schönheit hat für den Empfindenden gerade das höchste Interesse. Es ist wider die Natur und Erfahrung, daß etwas ohne Begriffe gefallen könne. Das Wahrnehmen einer Form ist nicht Empfindung, das Wesen der Schönheit ist etwas ganz anderes als die Form des Zweckmäßigen nicht zu empfinden.

Ralf Ludwig, Kant für Anfänger. Die Kritik der Urteilskraft : eine Leseeinführung. Originalausgabe.München : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 2008 (dtv : 34472), S. 114 - 115

Es falle schwer, die Ursache für das ästhetische Urteil, ein Kunstgegenstand sei schön, nicht in diesen legen zu dürfen. Natürlich spiele sich das besagte Urteil im Subjektiven ab, aber für die Auffassung, die die Eigenschaften eines Kunstobjekts seien ohne Belang seien, bedürfe es bestimmter Voraussetzungen (das Objekt ist kein Objekt, sondern nur die Anschauung eines Objekts; das Festmachen des Urteils am Eigenschaften führt zu einer bestimmten begrifflichen Bestimmung des Werkes führt, mit einer Unterscheidung der reflektierenden Urteilskraft von der bestimmenden Urteilskraft, die kein harmonisches Spiel von Einbildungskraft und Verstand kennt. Heinz Spremberg, Zur Aktualität der Ästhetik Immanuel Kants : ein Versuch zu Kants ästhetischer Urteilstheorie mit Blick auf Wittgenstein und Sibley. Frankfurt am Main ; Berlin ; Bern ; New York ; Paris ; Wien : Lang, 1999 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 20: Philosophie ; Band 580). ISBN 978-3-631-34199-5 habe zwei Argumente gegen Kant.1. Der Begriff »Kunstwerk« ist nicht auf Unikate zu beschränken, sondern auch auf Massenware, Pop-Art, Happenings und Stilleben auszudehnen. 2. Kant vereinfacht das ästhetische Urteil zu sehr. In Wirklichkeit sei eine vielschichtigere Umschreibung von Gefühlen angebracht als die schlichte Struktur der Zweiteilung des Gefühls in Lust und Unlust. Victor Basch, Essai critique sur l'Esthétique de Kant, 2e édition augmentée. Réédition de l'étude parue en 1897. Paris : Vrin, 1927 meine, Kant verfüge nur über eine kruden und indifferenten Begriff von »Gefühl«, der einfach nur als als Gegenteil von »Begriff« gedacht sei.

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