Kurioses aus dem Thomas Evangelium

11 Antworten

Die Sprüche des Thomasevangelium sind für sich genommen vieldeutig:

Das, was Andere verworfen haben, nimmt Jesus als Basis für seine Lehre. J. Phatre in "Die gute Botschaft der Menschenfresser" sagt: Die "Bauleute" sind die Gründer des Judentums, der "Stein" ist die Vernunft. Jesus wollte das Judentum mit der griechischen Logik umbauen. Lohnt sich zu lesen.

Sehr gut aufgepasst!

Stein bzw. Fels hat Jesus selbst mit "Petrus" bzw. "Petros" gekennzeichnet. Zu Petrus gibt es ein Geheimnis, ein wirklich gutes Geheimnis.

Die Wahrheit ist, die Christen der heutigen Welt, genauer genommen die heutigen Schriftgelehrten, haben da eine Kleinigkeit übersehen und aus Unwissenheit den Eckstein "verworfen", also beim Tempelbau übersprungen, für wertlos bzw. unnütz erachtet.

Jesus selbst baut seinen eigenen Tempel und so wurde der Stein, den die Bauleute nicht haben wollten, eben zu einem Eckstein im Tempel von Jesus.

Ecksteine haben im Bau eine wichtige Funktion. Deren exakte Ausrichtung stellt sicher, daß man beim Bau etwas hat, an dem man sich Orientieren kann, eine Schnur dran befestigen kann, damit alle anderen Steine der Mauer in der richtigen Position sind. Deshalb achten Maurer darauf, insbesondere die Ecksteine sehr genau zu positionieren.

Aber an einer Ecke kann man sich auch ganz schön stoßen, der Stein des Anstoßes praktisch. Und genau das ist Petrus, der Stein des Anstoßes, der Eckstein.

Seit knapp 2.000 Jahren zerreißen sich die Gemeinden das Maul über Petrus, wie er es nur wagen konnte, Jesus dreimal zu verleugnen. Petrus wird wie ein Hund vors Tor geprügelt und ich habe persönlich schon mehr als einen "Christen" sagen hören: "Also mir würde das heute nicht mehr passieren."

Dabei haben die Christen was übersehen: Petrus ist heilig gesprochen, von Jesus selbst. Über einen Heiligen ein Urteil zu bilden, ihn zu kritisieren, kommt indirekt einer Kritik an Gott gleich. Dabei warnte Jesus persönlich, in dem er sagte: "Richte nicht, damit du nicht gerichtet wirst." Sich ein Urteil über eine Person bilden, nennt man Richten, denn Urteile dürfen im Rechtswesen nur Richter fällen. Indem die Leute sich ein Urteil erlauben, obwohl davor gewarnt wurde, haben sie sich selbst indirekt vor den Richter gezerrt.

Und es geht noch weiter: Es gibt eine Kirche, die tatsächlich den Segen von Petrus und von Jesus hat. Wer sich gegen diese Kriche stellt, stellt sich damit gegen Jesus und Petrus. Fertig ist der heilige Krieg - ein Krieg des Glaubens. Jesus hat ein Schwert geliefert und wer zum Schwert greift, soll durch das Schwert umkommen - steht so in der hl. Schrift drin.

Ich bin schon sehr gespannt, wie dieser Konflikt gelöst wird...

Die Pharisäer, als die herrschende Priesterkaste der Juden, haben Jesus Christus abgelehnt. Ja, sie haben es gar veranlasst, dass dieser gekreuzigt wurde. Er selbst ist der Stein, den sie als die Bauleute verworfen haben. Dass er der Eckstein ist, zeigt, dass dieser Stein den aufgebürdeten Lasten oder Kräften gewachsen ist. Jesus Christus selbst also ist dieser Eckstein. Dieses Zitat bedeutet sinngemäss: Erkennst Du die Größe meines Opfers?

Die Pharisäer waren keine Priesterkaste. Schon gar nicht zur Zeit Jesu. Das waren die Sadduzäer, welche die Tempelaristokratie stellten. Die Ph. haben Jesus auch nicht abgelehnt. Im Passionsbericht werden die Ph. entweder nicht als Gegner Jesu erwähnt, oder aber positiv (Joseph von Arimathia).

Erst nachdem der Tempel zerstört ist (70), übernimmt die Synagoge die theologische Führung des Judentums, mit ihr die Pharisäer, und erst jetzt gibt es die Polemik gegen das Christentum (und umgekehrt).

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@Sonnenschnauz

mha1213 ist Anthroposoph, wie wir wissen. Diese Leute haben ein ziemlich schiefes Bild von Welt- und Kirchengeschichte. Schön, daß Du das erklärst, es wird aber nichts fruchten, denn Steiners Jünger lassen sich ihr merkwürdiges Weltbild nicht kaputtmachen von richtiger Wissenschaft... ;-) Gruß, q.

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@quopiam

Die Pharisäer waren eine bedeutende religiöse Sekte des Judentums im ersten Jahrhundert nach Christus. Nach einigen Gelehrten bedeutet der Name wörtlich „Abgesonderte“, „Separatisten". Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus ließ durchblicken, daß die Pharisäer schon zur Zeit des Johannes Hyrkanos I. (zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts vor Chr.) eine einflußreiche Sekte bildeten. Wenn sie mit Jesus diskutierten, ging es hauptsächlich um die Beobachtung des Sabbats, das Festhalten an Überlieferungen und den Umgang mit Sündern und Steuereinnehmern. Die Pharisäer glaubten offensichtlich, daß der Umgang mit Personen, die das Gesetz nicht entsprechend ihrer Auffassung hielten, verunreinige. Sie erhoben Einspruch, als sie sahen, daß Christus Jesus mit Sündern und Steuereinnehmern verkehrte und sogar mit ihnen aß. Die Pharisäer bemängelten, daß sich Jesus und seine Jünger nicht gemäß der Überlieferung die Hände wuschen. Jesus stellte ihre verkehrten Schlußfolgerungen bloß und zeigte ihnen, daß sie um menschlicher Überlieferungen willen Gottes Gesetz übertraten. Statt sich über die Wunderheilungen, die Christus Jesus am Sabbat vollbrachte, zu freuen und Gott zu verherrlichen, wurden die Pharisäer von Zorn erfüllt über das, was sie für eine Übertretung des Sabbatgesetzes hielten, und planten deshalb, Jesus umzubringen. Durch ihre Einstellung verrieten die Pharisäer, daß sie in ihrem Innern weder gerecht noch rein waren.

Auch wenn man inhaltlich anderer Meinung als mha1213 sein mag, sollte man seinem Kommentar mehr Respekt entgegenbringen und ihn nicht ins Lächerliche ziehen, ich schätze ihn als absolut wertvollen Kommentator!

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