Künstliche Schwerkraft erzeugen?

10 Antworten

Im Prinzip ist die Schwerkraft durch Rotation fast dasselbe wie Schwerkraft durch "Massenanziehung". Denn beide entstehen eigentlich durch Krümmung des Raumes. In beiden Fällen existieren auch Gezeiteneffekte, nur sind diese für den winzig kleinen Menschen auf der großen Erde nicht spürbar (ganz anders als bei einem Schwarzen Loch oder einem Neutronenstern). Wenn aber bei der künstlichen Rotogravitation ein kleiner Radius, verbunden mit einer hohen Drehgeschwindigkeit, gewählt wird, kommen starke und unangenehme Gezeiteneffekte ins Spiel.

Als Gerard O`Neill im Jahre 1974 in dem grandiosen Buch "The High Frontier" sein Konzept der rotierenden Weltraumhabitate vorstellte, war dies mit der künstlichen Schwerkraft noch ganz einfach.

Solange die Rotationszeit eines großen Wohnzylinders nur größer ist als zweieinhalb oder drei Minuten, bleiben die Gezeitenkräfte, (d.h. die Gravitationsunterschiede zwischen Scheitel und Fußsohle eines 1.80 m großen Menschen), nahezu unmerklich. Auch die Corioliskräfte (eigentlich sind es nur Scheinkräfte), die wirken, wenn ein Bewohner eines Habitats sich z.B. senkrecht zur Rotationsachse bewegt, wären bei diesem Konzept zwar meßbar, aber nicht spürbar.

Aber: damit bei einer langsamen Umdrehung innerhalb von drei Minuten, trotzdem eine normale Schwerkraft von 1 g auftritt, müßte der Radius eines solchen Wohnzylinders ca. 3 km betragen, der Durchmesser also 6 km!

Da müssen wir, und auch die nächste Generation, erst mal kleinere Brötchen backen.

Ich denke die Schwerelosigkeit sollte ja nicht das Problem darstellen. Größte Schwierigkeit ist wie ihr schon sagtet die muskuläre Atrophie. Demzufolge hilft nur das ständige Training "an Bord", dass auch im Weltraum mithilfe vom Gummibändern und Magneten sehr gut möglich sein müsste. Oder sehe ich das falsch? VG

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