kündigung in der Probezeit nach 1. Abmahnung trotz Krankheit?

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4 Antworten

Zum einen berechtigt eine angeblich oder tatsächlich verspätete Abgabe der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung alleine nicht zu einer Kündigung.

Zum anderen allerdings könen Arbeitsverhältnisse während der Probezeit ohne Angabe von Gründen beiderseitig problemlos gekündigt werden.

Allerdings ist eine regelmäßige tägliche Arbeitszeit von 10 bis 11 Stunden ein eklatanter Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz ArbZG § 3!

Diese Kündigung ist also - unbeachtet aller moralisch anderen Bewertung - rechtlich nicht zu beanstanden; unberechtigt ist aber die Abmahnung (was hier aber jetzt bedeutungslos ist).

Scaver 01.12.2013, 00:31

unberechtigt ist aber die Abmahnung (was hier aber jetzt bedeutungslos ist).

Bedeutungslos ja, aber unberechtigt? Wenn der Vertrag vorsieht, dass die AU am 1. Fehltag vorzuliegen hat, ist die Abmahnung rechtens, wenn die AU erst am 3. Tag vorliegt.

Da wir aber nicht wissen, was im Vertrag steht, können wir auch nicht genau sagen, ob es berechtigt oder unberechtigt ist.

Ansonsten alles andere Top :)

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Familiengerd 01.12.2013, 00:50
@Scaver

Danke für das "Top"! Trotzdem:

Es dürfte wohl kaum einen "Vertrag" geben, der vorschreibt, dass eine AU am 1. fehltag dem Arbeitgeber vorzuliegen hat!

Eine AU muss nicht vom Krankgeschriebenen oder einem Vertreter direkt beim Arbeitgeber vorbeigebracht werden, sondern es reicht die postalische Zustellung; und wie ralosaviv schont geantwortet hat: "Die Postlaufzeit muss der ArbG natürlich in Kauf nehmen."

Das Verlangen eines Arbeitgebers, eine AU habe ihm schon am 1. Tag vorzuliegen, würde jeder rechtlichen Grundlage entgehren!

Selbstverständlich sollte der krankgeschriebene Arbeitnehmer - falls er dazu in der Lage ist - den Arbeitgeber über die Tatsache der Arbeitsunfähigkeitsschreibung sofort telefonisch informieren, so wie er ihn über die Tatsache seines Nichtantritts zu Arbeitsbeginn sofort informieren muss - dann gibt es bei verständigen Menschen auch keine Probleme.

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Scaver 01.12.2013, 05:13
@Familiengerd

Es dürfte wohl kaum einen "Vertrag" geben, der vorschreibt, dass eine AU am 1. fehltag dem Arbeitgeber vorzuliegen hat!

Meinst Du... glaubst gar nicht wie viele ich davon schon hatte. Gerade Leihfirmen machen das gerne. Und auch so kenne ich viele die das haben oder mal hatten... und selbst hier auf GuteFrage gab es das schon öfter. Das kommt an sich gar nicht so selten vor.

Eine AU muss nicht vom Krankgeschriebenen oder einem Vertreter direkt beim Arbeitgeber vorbeigebracht werden, sondern es reicht die postalische Zustellung; und wie ralosaviv schont geantwortet hat: "Die Postlaufzeit muss der ArbG natürlich in Kauf nehmen."

Ich kenne Urteil die anders lauten. Da wurde gegen den AN entschieden, da die AU erst am 2. Tag der AU (also dem Tag nach der Ausstellung) vorlag. Meine Frau hat letztens auch eine Abmahnung bekommen, weil die AU am 4. statt am 3. Tag erst da war.

Also da muss ich aus Erfahrung einfach widersprechen.

Das Verlangen eines Arbeitgebers, eine AU habe ihm schon am 1. Tag vorzuliegen, würde jeder rechtlichen Grundlage entgehren!

Nein tut es nicht. Die rechtliche Grundlage ist der Vertrag den beide Parteien zugestimmt haben. Es gibt kein Gesetz, welches dies verbietet. 3 Tage ist der gesetzliche Richtwert, wenn nichts anderes vereinbart wurde. Wie gesagt, am 1. Tag ist gerade bei Leihfirmen absolut nicht unüblich.

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Familiengerd 01.12.2013, 10:34
@Scaver

Es mag in vielen Fällen einfach gar nicht möglich sein, eine AU schon am 1. Tag dem Arbeitgeber vorzulegen, und wenn es zehnmal im Vertrag stehen würde!

Ich bin mir sicher, dass Du da etwas verwechselst: Denn verlangen kann der Arbeitgeber, dass eine AU schon für den 1. Tag der Erkrankung vorgelegt werden muss - die dann aber auch erst am 2. oder 3. Tag bei ihm ist.

Also: AU für den 1. Tag "Ja!" - AU am 1. Tag "Nein!".

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Die Abmahnung wäre gerechtfertigt, wenn du dich nicht zumindest direkt am ersten Tag telefonisch krank gemeldet hast. Die Postlaufzeit muss der ArbG natürlich in Kauf nehmen. Entgegen ständig falscher Behauptung, hat die AUB nach dem EntgFG am nächsten auf den 3. Krankheitstag folgenden Arbeitstag vorzuliegen, also idR am vierten Krankheitstag, wenn der Arbeitsvertrag nichts abweichendes regelt.

Innerhalb der ersten 6 Monate eines neuen Arbeitsverhältnisses kann unabhängig von einer Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

Eigentlich ist eine Abmahnung innerhalb der Probezeit dilettantisch. Könnte die Kündigung sogar angreifbar machen. Die Aussichten sind aber insgesamt eher schlecht.

Familiengerd 30.11.2013, 23:36

Könnte die Kündigung sogar angreifbar machen.

Das hätte ich in einem kleinen Symposium ja gerne näher erklärt bekommen, ralosaviv! Ich habe zwar eine Vorstellung, die greift aber nicht in Verbindung mit einer Probezeitkündigung!

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ralosaviv 01.12.2013, 11:48
@Familiengerd

@Familiengerd: Es gilt - wie wir wissen - Abmahnung verbraucht das Kündigungsrecht! Das wäre in einem solchen Fall schon Angriffsfläche für die Kündigung genug. Selbst während der Probezeit bzw. Wartezeit.

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Familiengerd 01.12.2013, 13:57
@ralosaviv

Ja, okay - wenn es denn einen Zusammenhang zwischen Abmahnung und Kündigung geben sollte. Darum hast Du in Deiner Antwort ja auch den Konjunktiv benutzt, nehme ich an.

Durch die Abmahnung als "Warnung" will der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer schließlich Gelegenheit zur Änderung seines VErhaltens in der Zukunft geben und eine Kündigung aus dem selben Anlass würde diesem Zweck ja völlig widersprechen.

Ende des "Symposiums". :-)

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Scaver 01.12.2013, 00:43

Innerhalb der ersten 6 Monate eines neuen Arbeitsverhältnisses kann unabhängig von einer Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

Da wäre ich mal interessiert, nach welcher Rechtsgrundlage das so sein soll?

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Familiengerd 01.12.2013, 10:38
@Scaver

@ Scaver:

Das ist so und selbstverständlich hat ralosaviv Recht!

Nachlesen im Kündigungsschutzgesetz KSchG § 1 Abs. 1:

Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses gegenüber einem Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder Unternehmen ohne Unterbrechung länger als sechs Monate bestanden hat, ist rechtsunwirksam, wenn sie sozial ungerechtfertigt ist.

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ralosaviv 01.12.2013, 11:50
@Scaver
Da wäre ich mal interessiert, nach welcher Rechtsgrundlage das so sein soll?

Für jemanden, der Arbeitsrecht als Expertenthema angibt, ist die Bemerkung echt schon peinlich.

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Eigentlich nicht,deine Krankmeldung muss am 3.Fehltag da sein,dass war sie ja.Eigentlich kannst du froh sein da weg zu sein,dass sind fast alles Verbrecher.Aber besser so eine Arbeit als gar keine.

skychecker 30.11.2013, 23:15

Ich würde mir etwas weniger Polemik wünschen.

Natürlich sind nicht alle Zeitarbeitsfirmen Verbrecher. Und eine Kündigung innerhalb der Probezeit ist durchaus normal und wird nicht nur von Zeitarbeitsfirmen stringent bei Krankheit ausgesprochen.

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MrZurkon 30.11.2013, 23:18
@skychecker

Dadurch das ich ´´fast´´geschrieben habe ist es weniger Polemik........

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skychecker 30.11.2013, 23:32
@MrZurkon

Schwarze Schafe gibt es. Und die wird es immer geben. In jeder Branche. Aber es ist dann eher ein kleiner Teil.

Nicht alle und auch nicht fast alle...

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Familiengerd 30.11.2013, 23:41
@skychecker

"Schwarze Schafe" gibt es in jeder Branche, ohne dass damit gleich die ganze Branche in Verruf gerät.

Bei der Zeitarbeitsbranche ist das aber ganz offensichtlich anders - und das kommt nicht von ungefähr, sondern hat seinen Grund: Weil es wohl nirgendwo sonst systembedingt so viele "Schwarze Schafe" gibt!

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Innerhalb der Probezeit ist eine fristgemäße Kündigung auch ohne Angabe von Gründen von Gründen möglich

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