Kündigung der Ausbildung wegen Krankmeldung ohne Abmahnung?

7 Antworten

Eine Abmahnung macht bei einer Erkrankung keinen Sinn. Niemand kann ernsthaft glauben, dass jemand gesund wir, nur weil man ihn eindringlich dazu auffordert. Deshalb sind Abmahnungen bei Erkrankungen rechtlich nicht haltbar.

Auch eine Kündigung ist unter diesen Umständen nicht haltbar, schon gar nicht bei Auszubildenden. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur dann möglich, wenn keine Aussicht auf Besserung besteht und es erhebliche Beeinträchtigungen für den Betrieb verursacht. Zudem wäre vorher ein Gespräch mit dem Betroffenen und ggf dem Betriebsrat nötig, und selbst das ist erst dann vorgeshenen, wenn es sich um mindestens 6 Wochen Erkrankungen in 12 Monaten handelt.

Ich würde mich sofort an die zuständige Ausbildungskammer wenden und innerhalb von drei Wochen gegen die Kündigung beim Arbeitsgericht klagen.

Die Kündigung ist nicht haltbar. Solange der Auszubildende immer eine AU-Bescheinigung vorlegt, kann der Arbeitgeber nicht viel machen.

Ich vermute mal, diese Fehlzeiten ziehen sich schon über einen längeren Zeitraum. Wenn sich also bis Mitte Mai schon 22 Fehltage aufaddiert haben, wird der Arbeitgeber ordentlich Frust schieben.

Nun kann man natürlich trefflich darüber streiten, ob der Azubi eine solch labile Gesundheit hat oder ob er bei jeder Kleinigkeit gleich zum Arzt rennt.

Fakt ist, dass der Arbeitgeber die Kündigung nicht durchkriegt. Dieser Stress ist vor den Prüfungen natürlich nicht hilfreich aber da muss der Azubi durch.

Mit einer Übernahme und einem ordentlichen Zeugnis sieht es jedoch ziemlich duster aus. Zur Übernahme ist der AG nicht verpflichtet und Zeugnisse müssen zwar wohlwollend verfasst werden aber es gibt hier durchaus Möglichkeiten, das Zeugnis weniger gut ausfallen zu lassen.

Die Kündigung ist nicht wirksam.

Eine Kündigung durch Krankheit ist nur sehr, sehr selten gültig, und zwar dann, wenn dem Unternehmen (u.a.) ein wirtschaftlicher Nachteil durch die häufige Abwesenheit des MA entstehen würde. Das ist hier ja nicht der Fall.

Was dem Chef also bleibt, wäre eine verhaltensbedingte Kündigung. Die setzt allerdings ein Fehlverhalten des Azubis voraus, sprich wiederholte, verspätete Abgabe der Atteste des Arztes etc. - und dieser Kündigung muss mindestens eine Abmahnung vorausgehen, da dem Azubi Gelegenheit gegeben werden muss, sein Verhalten zu verbessern.

(Was heißt muss - die Abmahnung ist nicht Pflicht, aber sie ist üblich. Wenn keine Abmahnung erfolgt, muss der Azubi in einem Gespräch aufs ein Fehlverhalten hingewiesen werden.)

Das bedeutet, dass der Azubi die Kündigung anfechten kann. Wenn ihr einen Betriebsrat habt, soll er sich an diesen wenden. Die haben meist bessere Chancen, das mit dem Chef zu klären, als wenn er dort alleine hingehen würde - kann er natürlich auch machen. Das Recht hat er auf seiner Seite.

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Also muss er sich jetzt ein Termin beim Arbeitsgericht machen oder wie sehen die Schritte aus ? sorry hab da keine Erfahrung im Thema kündigen usw.

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@dyingluzifer

Wie gesagt, wenn ihr einen Betriebsrat habt, erst mal an den wenden. Der sollte sich in der Materie ebenfalls gut auskennen und dem Azubi Hilfe anbieten.

Wenn ihr keinen Betriebsrat habt, ist erst einmal die jeweilige Kammer der nächste Ansprechpartner. Die können ihn dann ebenfalls beraten und ihm die nächsten Schritte erklären.

Das Arbeitsgericht wäre die "Endstufe", wenn die anderen beiden Schritte nichts gebracht haben. Sonderlich empfehlenswert ist das nicht, das ist der teure Weg.

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Die Kündigung ist zunächst einmal wirksam. Wenn sie nicht wirksam wäre, wäre ja auch gar keine Anfechtung notwendig, nech?

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@Mojoi

Man kann sich auch an den kleinsten Dingen aufhängen, nech?

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@Istriche

Der Hinweis, dass die Kündigung nicht automatisch unwirksam ist, ist sehr wohl wichtig. Sie muss erst durch ein Arbeitsgericht als unwirksam erachtet werden. Und dies ist nur mit einer Klage innerhalb von 3 Wochen möglich.

Wenn du auch noch schreibst "Das Arbeitsgericht wäre die "Endstufe", wenn die anderen beiden Schritte nichts gebracht haben", dann sind bis zu dieser Endstufe womöglich die drei Wochen vorbei und die Kündigung ist und bleibt wirksam.

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@PeterSchu

Die 3-Wochen-Frist zur Klage beim Arbeitsgericht muss aber nicht eingehalten werden, wenn es bei der Zuständigen IHK oder HWK einen Schlichtungsausschuss gibt.

Der muss dann vor einer Kündigungsschutzklage  angerufen werden; für diese Anrufung muss dann nicht zwingend die 3-wöchige Frist eingehalten werden.

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@ Istriche:

Was heißt muss - die Abmahnung ist nicht Pflicht, aber sie ist üblich.

Das ist falsch: die vorangehende Abmahnung ist nicht nur "üblich", sondern sie ist Voraussetzung!

Die Arbeitsgerichte setzen bei einer ordentlichen verhaltensbedingten Kündigung regelmäßig voraus, dass das Fehlverhalten vorher bereits mindestens einmal abgemahnt worden ist!

Eine solche Kündigung ohne vorherige Abmahnung wird von den Gerichten bei einer Kündigungsschutzklage regelmäßig abgewiesen. 

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