Kritiker von Sigmund Freud ( insbesondere seines Menschenbildes)

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3 Antworten

Hallo,

es ist ein bekanntes Verhalten von Menschen, welche noch in der Ego Konzentration leben, sich über andere erheben zu müssen. Der Verstand sammelt Fakten, und daraus bildet er sich eine Meinung. Und diese trifft dann auf eine andere Meinung. Das nennt man Meinungsverschiedenheit, oder uneinheitliche Standpunkte.

Nicht selten entwächst daraus ein Streit. Das hängt damit zusammen, daß Wahrnehmung eine subjektive Vorgehensweise bedingt, wenn die physischen Sinne nicht mehr ausreichen. Der Beobachter beeinflußt das betrachtete Objekt, genauso, wie das beobachtete Objekt den Betrachter beeinflußt. Freud hat dieses seltsame Ereignis des Öfteren in seinen Schriften erwähnt.

Und so ist es kaum verwunderlich, daß andere Menschen zu anderen Ergebnissen und Schlußfolgerungen kommen mußten, obwohl sie alle scheinbar das Gleiche betrachtet hatten. Und doch waren sie alle auf der Suche nach einem Parameter, nach dem sie sich hätten richten können.

Doch einige Forscher konnten nicht akzeptieren, daß es diesen Parameter nicht geben konnte. Bewußtsein befindet sich außerhalb des Denkens, kann also nur mit Gedanken alleine niemals erfaßt werden. Alle Forschungsergebnisse weisen zwar in die gleiche Richtung, doch werden die Fakten jedes Mal individuell interpretiert.

Aus diesen, und noch markanten anderen Gründen, bevorzugte Freud das praktische Beispiel. Er schilderte jeden Fall auf seine spezielle Sachlage hin, und er vermied, so lange es möglich war, eine Generalisierung der Ergebnisse dieses Falles. Bei jeder Untersuchung fing er quasi von vorne an, und er stellte sich dabei selbst zurück, um Ergebnisse nicht zu beeinflussen.

Nicht selten wurden Ergebnisse, welche auf einen Schöpfer dieser Welt hinzuweisen schienen, von der Kirche massiv unterstützt. Bereits um das Jahr 1840 bildete sich in den religiösen Gemeinschaften Widerstand gegen diese Art der Mediziner – und der Schriftsteller – diesen Bereich der Psyche erforschen zu wollen. Bis dahin galt die Psyche – oder Seele – als ein Tabu.

Freud erkannte, daß diese Unwissenheit über diesen Bereich im menschlichen Körper Ursache war für nicht wenige Krankheitsbilder, welche die Medizin bis damals bereits erkannt hatte. Freud war Ursachenforscher geworden, als er nach Gründen im Menschen selbst forschte. Und so mußte die Kirche zuschauen, wie sie laufend an Macht verlor durch die Erkenntnisse der Medizin.

Zahlreiche Schriften von angesehenen Medizinern erschienen damals, welche alle zum Inhalt hatten, die neu gewonnen Erkenntnisse Freuds und seiner Kollegen zu entzaubern. Diese Machwerke ähnelten auffallend jenen, welche nach dem Bau der ersten Eisenbahnlinie entstanden waren. Nicht selten fiel das Wort – Teufelswerk, um den Menschen Angst zu machen vor dem Neuen.

Doch die Zeit war reif für eine neue Bewußtwerdung. Nicht nur auf dem Gebiet der Medizin entstand Neues. Die Religionen begannen, ihre alte Antworten massiv zu wiederholen in der Hoffnung, die Menschen würden nicht anfangen, selbstständig zu Denken. Doch Dogmen hatten ihre Kraft eingebüßt durch unbedachtes Wiederholen.

Immer mehr Mediziner erkannten diese seltsamen Verhaltensweisen der Menschen, und sie ahnten, daß das Denken selbst die Ursache sein mußte. Immer öfter fiel ihnen auf, daß die Symptome zwar unterschiedlich erschienen, doch führte die Ursache stets ins Denken der Betroffenen.

Alle damals erschienen Publikationen – die Psyche des Menschen betreffend – wurden relativ schnell durch gegenteilige Aussagen anderer Experten widerlegt. Hauptakteur hierbei war oft die Kirche, welche unter Machtverlust auf dem Gebiet der Seelsorge litt. Diese beginnende Auseinandersetzung weitete sich unweigerlich auch auf die Politik aus.

Der Briefwechsel zwischen Freud und Einstein weist genau auf diesen wachsenden Konflikt hin, welcher dann zum ersten Weltkrieg führte. Freud erklärt hier den Krieg im Kopf zur Ursache jeglicher beginnender Auseinandersetzung. Und mit dieser Aussage war er zunehmend nicht mehr alleine.

Freud machte auf dieses unbewußte Wesen im Kopf des Menschen aufmerksam durch seine praktischen Versuche an Kranken. Es wäre jetzt nicht vollständig, Kritiker seiner Erkenntnisse zu nennen. Es waren zu viele, und einige davon erhofften sich Ruhm und Ansehen, durch ihre öffentliche Opposition gegen Sigmund Freud. Und dieses Gebaren können wir heute noch beobachten, wenn sich Experten vor laufender Kamera streiten.

Herzliche Grüße

Siehe auch die Sendung von ORF

Sigmund Freud - und die Entdeckung des Unbewußten

Digitalaufnahme des Radiokollegs von Ö1 vom 09.01.06 - 12.01.06

Gestaltung: Margarethe Engelhardt-Krajanek

4 Audio Dateien MP3 - zu je ca. 20 MB

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Schau mal unter Carl Gustav Jung und Alfred Adler, beides Personen, die zunächst Anhänger Freuds waren und mit denen es dann aufgrund abweichender Ansichten (Freud war da ja recht dogmatisch eingestellt) zum Bruch kam.

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Diver923 18.03.2012, 13:45

ok vielen dank :) Wie ich bisher gelesen habe waren beide nicht der Überzeugung Freud's bezüglich seines Verständnisses und der Wichtigkeit die er dem Sexualtrieb zuordnete. Das war der entscheidene Punkt für sie ihn zu verlassen und ihren eigenen Weg zu gehen. Jedoch wie kann ich diesen Aspekt in Beziehung zu seinem Menschenbild setzen ?

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