Krisensituation Borderline - wie geht ihr damit um?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Hallo Feurich,

Frage sie nach Ressourcen....
Du schreibst, dass sie aggressiv und impulsiv reagiert, wenn ihr alles zu viel wird. Dann kommt der "Overload". Der Nervenzusammenbruch.

Einigen Menschen hilft dann eine Umarmung - auch, wenn sich gewehrt wird. Dieses wehren kann noch sein, wegen der eigentlichen Impulsivität heraus (Wut, Verzweiflung,....) aber sobald innerlich die Umarmungen auch gespürt werden können, kann dieses Verhalten vielleicht umgreifen zu "Vertrautheit" und "Nähe spüren dürfen". Und die Wut und Verzweiflung kann sich wieder als "Angst" und "Traurigkeit" und "Kraftlosigkeit" verwandeln. Nämlich das, was es eigentlich ist. Durch die Berührungen könnte sich auch wieder besser in der Gegenwart fokussiert werden. Die Gegenwart spüren dürfen. Und Umarmungen gehen oft mit der Assoziation einher, dass "alles in Ordnung" ist. Was es auch sein sollte. Wenn Du sie also umarmst, dann sollte auch Deine innere Einstellung "Ruhe" sein. Und "Verständnis". Weil wenn Du aufgebracht bist - vielleicht sogar wütend... dann kann das in ihr noch mehr Angst erzeugen. Und die Umarmung kann zur Bedrohung für sie (noch mehr) werden. Daher achte auch Du auf Dich.

ABER VORSICHT!!!

Manche Menschen halten in der Phase tatsächlich keine Nähe aus. Daher solltet ihr im Vorfeld besprechen, ob ihr es einfach ausprobieren wollt (vielleicht auch ein *Code-Wort* bestimmen, wenn tatsächlich Schluss ist) und danach darüber reden. Oder schreiben, wenn Worte zu "machtvoll" sind.

Und trotzdem ist und bleibt sie ein Mensch. Die Worte oben kommen
eher "aus dem Autismus-Bereich". Aber sie schienen mir passend, weil Du
geschrieben hast, dass sie diese Phasen bei Überforderung hat.
(Overload... inzwischen eher "Meltdown" wohl genannt.)

Außerdem sollte sie auch an sich arbeiten, wenn nicht sowieso schon dies macht.
Weil sonst wird sie sich abhängig von Dir machen und glauben, dass nur Du sie beruhigen kannst. Was sie aber noch mehr schwächen könnte.

Außerdem braucht es Vertrauen. Das kann dauern bis dies entsteht. Weil oftmals Erfahrungen aus der Vergangenheit (müssen nichts mit Dir zu tun haben), das Vertrauen auf die Probe stellen kann. Je mehr Verletzungen enstanden sind, die unverarbeitet blieben, umso schwerer wird es mit Vertrauen. Und/Oder je früher die Verletzungen begonnen haben (Kindheit)... Stichwort "Urvertrauen". Hier sind wir eher bei den Anfängen von 'Borderline'. Also der Theorien der kindlichen Bindungsstörungen und den daraus resultierenden Folgen.

Ihre Verhaltensweisen haben ihre Gründe und vor allem Berechtigungen. Und das ist auch kein "Borderline", sondern lediglich viele unsortierte Erfahrungen, Bedürfnisse, Grenzen, .... zumindest vielleicht. Die Fachärzte vielleicht "Borderline" nennen.

Bitte rede mit ihr darüber. Denn was einem Menschen hilft, kann einen anderen Menschen schaden. Biete ihr auch an, dass sie schreiben kann. Email. Blatt Papier, Whats App,.... was auch immer.

Ihr Verhalten hat Gründe. Bitte denk daran. Und nein, es heißt NIEMALS "Borderline". Weil dann nimmst Du "Borderline" viel mehr wahr, als den Mensch dahinter. Und der Mensch ist, den Du liebst. "Borderline" ist eher eine "Fassade". Denn diese Fassade kann auch schützen. Vor allem dann, wenn jedes Verhalten darauf zurückgeführt wird. Obwohl es andere Gründe sind, die hinter den Verhaltensweisen stecken. Und weil "Borderline" 'eine Hülle' ist... kann sie nur so viel Macht haben, wie ihr gegeben wird.

Alles Gute an euch beide: Deiner Freundin und Dir.

PS: einige Bezeichnen "Borderline" auch als Monster.
Aber das tut dieser Hülle sehr viel Unrecht. Vielleicht weißt Du warum. Vielleicht hast Du den Gedanken auch nicht gehabt. Trotzdem mag ich das anmerken.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von verquert
25.01.2017, 17:46

Nachtrag/Anmerkungen:
1.) Nicht das Beispiel (Umarmen) ist aus dem Autismus-Bereich, sondern der Overload, die langanhaltende Reizüberflutung.

2.) Der Gedankengang des Umarmens ist eher an dem "Nervenzusammenbruch" gekoppelt (den jeder Mensch treffen kann).

3.) Der Gedankengang wegen dem Vertrauen ist begründet, wegen der vorangangenen Traumatisierung(en), die unter anderem auch Symptome von Borderline auslösen können.

4.) Aber jeder Mensch ist und bleibt individuell. Deswegen rede mit ihr und findet gemeinsam Lösungen. Genau.

0

Ich bin "nur" depressiv, aber ich hab ein bisschen gelesen.

Besonders extreme Stimmungsschwankungen und Verlustängste zeichnen Borderliner aus. Die Stimmungsschwankungen sind überschneidend auch bei Depressionen zu finden.

Bei den Verlustängsten kannst du nur versuchen, zu zeigen, dass du wirklich zu ihr stehst.

Wenn sie dich wegen irgendwas beschuldigt oder dich "seltsam" behandelt, frag sie, warum sie so denkt oder handelt. Es kann sein, dass sie es selbst nicht weiß oder noch heftiger reagiert. Bei ersterem Fall könntest du sagen, dass sie sich Zeit lassen kann oder auch gar nicht antworten muss, so könnte sie sich öffnen und dir mehr vertrauen. Bei zweiterem: Bleib immer ruhig. Wenn du laut wirst, verschlimmerst du alles. Akzeptiere ihre Meinung, mach ihr aber auch klar, wenn sie zu weit geht.

Wegen der Stimmungsschwankungen: Das einzige, was du tun kannst, ist ihr anzubieten, dass sie mit dir reden kann. Ansonsten heißt es, abwarten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich bin Borderliner.

Wenn ich jemanden abwerte dann hasse ich die Person wirklich und ich kann diese Person erst wieder ansehen wenn die Wut abgeklungen ist. Manchmal wenn ich sauer werde ist es auch einfach ein geheimes Udo heb dafür das ich Nähe brauche was ich mir selber nicht eingestehen will und erst se nicht traue zu sagen weil es mir viel zu peinlich wär.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von littlebiboy
27.01.2017, 03:14

Geheimes Zeichen dafür *

0

Ich bin auch Borderlinerin und es geht bei mir immer so " Komme her, hau ab". Von 0 auf 100 mit den schlimmsten Gefühlen die man hat. Es zählen mehrere Faktoren zu einer Borderlinestörung zu. Hat sie 5 von den 7 so ist Borderlinerin. Nur diese Diagnose wird einfach zu schnell gestellt.

Was genau möchtest Du denn wissen? Du kannst sie nur versuchen zu beruhigen, aber mir hat das NIE geholfen und ich will dann auch immer alleine sein.

Habe den tollsten Mitbewohner der Welt. Ich wollte ihn mal in meinem Wahn ein Messer in den Bauch rammen und habe ihn dabei die Hand komplett aufgeschnitten. Das hat er mir verziehen, weil er weiß, ich würde so etwas niemals machen, wenn ich ich bin. Aber diese Krankheit ist Horror. Es ist auch gut möglich, das sie Dich von heute auf morgen verlässt. Du musst mit allem rechnen und viel über diese Erkrankung lesen und versuchen Dich da hineinzufühlen.

Wünschze Euch von ♥ alles Gute :)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?