Kriegsschuldfrage WK II?

Support

Liebe/r SRRGW,

Glaubwürdigkeit ist uns wichtig. Bitte gib in Zukunft die Quellen deiner Behauptungen an. Sonst könnte der Eindruck entstehen, dass die Frage(n) aus provokativen Gründen gestellt wurde(n).

Herzliche Grüße

Ben vom gutefrage-Support

8 Antworten

In einem Wort vollkommener Unsinn.

Richtig ist, dass die Zustände in denen sich Europa nach dem Versailler Vertrag oder vielleicht besser, nach Friedensverträgen allgemein, denn diejenigen von Brest-Litowsk, Saint-Germain, Trianon und Sèvres hatten auch so ihre Schönheitsfehler den Aufstieg Hitlers ermöglicht und bis zu einem bestimmten Grad sicherlich auch begünstigt haben mögen.

Das ist aber keineswegs mit einer Determinierung gleichzusetzen, nachdem Hitler automatische Folge des Versailler Vertrags gewesen wäre, sondern es hätte genügend andere Alternativen gegeben, wie sich die Lage hätte entwickeln können. Um hier einfach mal ein paar denkbare Szenarien auszuführen, wie man deutscherseits Hitler oder mindstens den Weltkrieg hätte vermeiden können hier einige hypothetische Ausführungen.

1. Zunächst einmal hat Hitler mit seinem Putschversuch in München nichts anderes als Hochverrat begangen, ein Vergehen, auf dem nach damaliger Gesetzeslage die Todesstrafe stand. Hätte man ihn konsequenter Weise also für sein verbrechen verurteilt und folgerichtig hingerichtet, hätte er nicht ein Jahrzehnt später die Macht übernehmen können.

2. Die Deutschen hätten schlicht und ergreifend anders wählen können, rein außenpolitisch betrachtet (über die Innenpolitik braucht man sich hier nicht auszulassen, denn was die Nazis da alles verbrochen haben ist völlig unstrittig) waren die Nazis die schlechteste aller möglichen Optionen, weil diese lediglich in Italien einen nennenswerten außenpolitischen Ansprechpartner hatten. Wäre man bei den Parteien der Weimarer Koalition geblieben, wären die Beziehungen zu den ehemaligen Entente-Mächten besser geblieben, als mit Hitler und man hätte langfristig Verständigung über den Weg des Völkerbundes suchen können, entsprechende Bestrebungen hat es ja schon während der Stresemann-Periode und in Ansätzen auch mit der Konferenz vo Lausanne 1932 gegeben. Die dritte Möglichkeit wäre gewesen sich für ein sozialistisches Modell zu entscheiden, was (ungeachtet der innenpolitischen Auswirkungen, die das nach sich gezogen hätte) gute Beziehungen mit der Sowjetunion bedeutet, die tendenziell mal eine bessere außenpolitische Basis dargestellt hätten als Italien.

3. Man hätte die Grenzziehung nicht in Frage stellen müssen, dazu waren weder die Weimarer Regierungen noch in letzter konsequenz Hitler gezwungen, zumal man sich letzterem gegenüber sogar von britischer Seite her (dies allerdings nur bis zum Anschluss Österreichs) sogar zu Gesprächen über die Rückgabe der deutschen Kolonien bereit zeigte.

4. Im Zuge der Sudetenkriese gab es in gewissen Wehrmachtskreisen Pläne Hitler zu entfernen, möglicherweise sogar umzubringen. Hintergrund war, dass man fürchtete, mit einer Konfrontation mit der Tschechoslowakei einen wesentlich größeren Konflikt auszulösen, da eben jene Tschechoslowakei 1935 Beistandsverträge mit Frankreich und der Sowjetunion abgeschlossen hatte. Wären diese Herren etwas konsequenter gewesen, wäre ein zweiter Weltkrige, jedenfalls ein durch Hitler ausgelöster ebenfalls nicht zu stande gekommen.

5. Die deutschen Parlamentarier

Hitler hatte im Volk nie eine absolute Mehrheit und war von Hindenburg zum Kanzler ernannt worden, nicht aber zum Diktator mit unumschränkten Vollmachten. Die Entmachtung des Parlaments und somit die Möglichkeit diesen Krieg überhaupt vorbereiten und ausführen zu können vollzog sich mit der "Reichstagsbrandverordnung" und dem "Ermächtigungsgesetz" von 1934.

Zu beidem gaben die konservativen Parteien und auch die katholische Zentrumspartei ihren Segen, auch hier hätte eine Möglichkeit bestanden die Sache zu stoppen.

Das einfach nur mal Beispielhaft dafür, welche Gelegenheiten einer Verhinderung Hitlers und des Krieges von deutscher Seite her nicht wahr genommen wurden und diese Entwicklungen sind im Versailler Vertrag nicht verankert gewesen, sondern Produkte der damaligen deutschen Gesellschaft.
Hier die Kriegsschuld bei den Alliierten suchen zu wollen ist großer Blödsinn.

War das eine Sendung der Reihe "ZDF-History"? Die Weltgeschichte komplett erklärt in 45 Minuten?

Meine bescheidene Bibliothek zur Zeitgeschichte seit 1914 umfaßt popelige 25 oder 30 Bücher, zusammen dürften das um die zehntausend Seiten oder mehr sein. Und das ist wirklich nur ein verschwindend kleiner Bruchteil dessen, was zum Thema und insbesondere zur den Ursachen des 2. Weltkrieges geschrieben worden ist.

Die Ursachen, die zum 2. WK geführt haben, sind so unendlich vielfältig, daß sie sich in 45 Minuten "Dokumentation" ganz gewiß nicht erklären, nicht einmal ansatzweise aufzählen lassen.

Vergiß TV-Dokumentationen. Die sind das Geld, das für deren Produktion aufgewendet wird, nicht wert.



Ja so unendlich vielfältig, dass ein "Deutschland ist schuld" der Sache nicht gerecht wird.

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@SRRGW

Und das schreibt jemand, der sich auf eine einzige Dokumentation beruft.

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@PatrickLassan

Das hat nichts mit der Doku zu tun.

Wenn du aufmerksam meine Frage liest, fällt dir auf, dass ich schrieb, dass dort nun auch Historiker zugeben (bzw einsehen) dass Versailles Hitler hervorbrachte.

Um zu erfahren, dass es so ist, braucht man keinen der es einem sagt. Man schaut sich die Faktenlage an, analysiert und zieht Schlüsse. Jeder sollte eigenständig denken.

Die Frage bezog sich darauf, warum es eine kollektive Empörung, eine kollektive Schnappatmung gibt, wenn man den einzig richtigen Schluss zieht?

Versailles war nun mal grob fahrlässig und einzig und allein auf die Vorteile der Sieger bedacht, keineswegs hatte man einen dauerhaften Frieden im zentralen Blickpunkt, außer Woodrow Wilson.

Keiner hätte wissen können, dass sowas dadurch entsteht aber wie gesagt Dummheit und Fahrlässigkeit sind keine Entschuldigung!

Durch diese Fahrlässigkeit verursachten sie nunmal Hitler. Und ohne Hitler kein Weltkrieg II aber ohne Sieger des WK I oder ohne Versailles auch kein Weltkrieg II

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@SRRGW

Und ohne Hitler kein Weltkrieg II aber ohne Sieger des WK I oder ohne Versailles auch kein Weltkrieg II

Und ohne 1. Weltkrieg deinen Versailler Vertrag und keinen 1. Weltkrieg ohne den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und ohne die Emser Depesche von Bismarck kein Deutsch-Französischer Krieg.

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@Blubblerblase

Erstens heißt es "Französisch-Deutscher Krieg" denn der Agressor steht immer zuerst.

Zweitens ist das was du schreibst von den historischen Fakten nicht gestützt.

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@SRRGW

Zweitens ist das was du schreibst von den historischen Fakten nicht gestützt.

Das trifft vollumfänglich auf deine Behauptungen zu.

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@SRRGW

Och nein.

Französische Revanchegefühle, polnischer Chauvinismus, belgischer Chauvinismus und noch einige Chauvinismen mehr, das hat es alles gegeben.  Ist doch unbestritten.

Aber ganz so einfach ist die Frage nach Fahrlässigkeit der Siegermächte und Desinteresse am Frieden dann doch nicht.

Insbesondere der Völkerbund, 1920 gegründet, war dem Frieden verpflichtet, wobei übrigens die USA nie mit im Boot waren (und trotzdem dem Reich mit umfangreichen Anleihen wieder auf die Beine geholfen haben).

Nicht nur die selbstfabrizierte Inflation von 1923 haben den Sumpfboden für Hitler und seine Gewächse und auf der anderen Seite den Kommunisten den Weg nach 1933 bereitet. Da kommt ein ganzer A...voll von anderen Gründen zusammen, die aufzuzählen hier mangels Platz nicht möglich ist.

Fahrlässigkeit der Siegermächte ist davon der geringste Teil - so man sie überhaupt in die Waagschale werfen kann.

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Meiner Meinung nach ist das einzige Versäumnis, Hitler am Krieg zu hindern, die Appeasement-Politik diverser britischer Politiker gegenüber Deutschland, angefangen mit der Untätigkeit 1935 beim Einmarsch der Wehrmacht 1935 in das entmilitarisierte Rheinland über die Einverleibung Österreichs sowie des Sudetenlands 1938 und die Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939.

Die USA sehe ich bei beiden Weltkriegen aussen vor. Im ersten Weltkrieg störten sich die USA am uneingeschränkten U-Boot-Krieg der Deutschen, der auch einigen US-Zivilisten das Leben kostete, im 2. Weltkrieg hat Deutschland am 15. Dezember 1941 ohne Not den USA den Krieg erklärt.

Fazit: Über die Kriegsschuld im 1. Weltkrieg kann man theoretisch diskutieren, in Bezug auf den 2. Weltkrieg sehe ich keinerlei Diskussionsgrundlage.

Daß Hitler Krieg bedeuten würde, war einsichtigen Deutschen bereits vor 1933 klar.

Die europäischen Politiker hatten jedoch seinerzeit andere Sorgen, weil alle Staaten an der Krise von 1929 litten und die Innenpolitik viel wichtiger war als das, was in Deutschland vor sich ging.

Den Engländern kann man ihr Appeasement vor München 38 nicht vorwerfen. Sie waren nicht daran gewöhnt, mit Kriminellen zu verhandeln.

Abgesehen davon waren die von Hitler & Co. bei Woodrow Wilson entliehenen Argumente hinsichtlich des Selbstbestimmungsrechts der Völker nicht völlig von der Hand zu weisen, was das Sudetenland und Österreich betrifft.

München 1938 hingegen war eine Schande für die freie Welt.

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@VisionDativ

Abgesehen davon waren die von Hitler & Co. bei Woodrow Wilson entliehenen Argumente hinsichtlich des Selbstbestimmungsrechts der Völker nicht völlig von der Hand zu weisen, was das Sudetenland und Österreich betrifft.

Man mag von Bismarck halten was man will, aber er er hatte seine Gründe, warum er 1871 ausdrücklich eine kleindeutsche Lösung anstrebte. Und das Sudetenland war ja niemals Teil des deutschen Reiches.

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Polen hat Frankreich 1933 vorgeschlagen, gemeinsam einmarschieren um den Nazispuk zu beenden.
Die französischen Appeaser haben abgelehnt. Das Nichtangreifen 1939 war meiner Meinung auch eine Art Appeasement. Nach dem Motto hast das Sudetenland, Tschechen, jetzt halb Polen sei zufrieden und lass uns hier im Westen in Ruhe.

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