Kreuzzüge und Verbreitung des Islam?

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8 Antworten

Die mittelalterlichen Kreuzzüge hatten nicht nur einen Grund, sondern ein Bündel an Gründen. Ich nenne einige:

  • Der Antrieb für die Kreuzfahrer war ohne Zweifel ein religiöser: für ihre Teilnahme an den Kämpfen eines Kreuzzuges, der einer christlichen Wallfahrt gleichgestellt wurde, war die Vergebung von Sünden, die sie begangen hatte.
  • Die Kirche und die weltlichen Obrigkeiten sahen den Sinn außerdem in einer Abwehr der expandierenden muslimischen Staaten, die Spanien unterworfen, sich im Süden Italiens (Sizilien) festgesetzt hatten und das Byzantinische Reich in Bedrängnis brachten; sie reagierten auf einen Hilferuf des byzantinischen Kaisers.
  • Außer der Hilfeleistung für Byzanz ergab sich natürlich auch die Gelegenheit, die seit Jahrhunderten in Besitz der Muslime befindlichen heiligen christlichen Stätten, die für Pilger durchaus problemlos zugänglich waren, wieder in den Besitz der Christen zu bringen. Ich schrieb "wieder", denn diese Gebiete gehörten ehedem dem christlichen Byzanz.
  • Neben christlichen und weltlich-politischen Gründen gab es schließlich auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Gründe: gesellschaftlich, denn viele junge Adlige und Ritter ohne Besitz, die immer wieder für Unruhe und Gewalttaten sorgten, sollten eine sinnvolle Aufgabe als "milites Christi", als "Soldaten/Ritter Christi" erhalten; wirtschaftlich, denn diese Adligen und Ritter, aber auch viele andere Kreuzzugsteilnehmer erhofften sich Beute, ggf. sozialen Aufstieg sei es in ihrer Heimat nach ihrer Rückkehr oder im Heiligen Land selbst.


Du wünscht "Belege", und die sollst du haben. Was ich ausgeführt habe, findest du ausführlicher in diesem neueren Standardwerk zu den Kreuzzügen, dessen Lektüre ich dir ans Herz lege:

Für einen ersten, kürzeren Einstieg ist auch dieses Buch geeignet:

MfG

Arnold

Doch, eines der barbarischen Kreuzzüge, endete  in einem gewaltigen Massaker begangen in Jerusalem, alles zum Ruhme Gottes und dazu gehörend Jesu. Als propagiertes Ziel wurde die Rückgewinnung der Grabeskirche reklamiert, doch tatsächlich ging es maßgeblich um die Plünderung orientalischer Schätze.

Hegemon 04.07.2017, 23:31

Sorry, aber Massaker wie das von Jerusalem 1099 waren beileibe kein Alleinstellungsmerkmal der Kreuzüge. So etwas haben die Mohammedaner regelmäßig veranstaltet.

Derlei ist nur heute weniger bekannt, weil sich innerhalb der europäischen Aufklärung die Kritik gegen die katholische Kirche und bei dieser Gelegenheit gegen deren Gewalthandlungen (mit dem Paradebeispiel Kreuzzüge) richtete und man den Islam dabei als leuchtendes Beispiel der "Friedfertigkeit" und "Toleranz" präsentierte. Dieser Unfug wirkt bis heute nach, hat aber mit der historischen Realität nichts zu tun. Allein das Massaker von Granada 1066 mit 4000 Toten stellt Jerusalem locker in den Schatten - kennt aber kaum jemand - und war weiß Gott kein Einzelfall.

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voayager 04.07.2017, 23:45
@Hegemon

Mir ist das Massaker in Granada bekannt. Eine aufgebrachte Menschenmenge brachte 4000 Bürger, darunter zahlreiche Juden um. Es war allerdings ein wilder Mob, der zuschlug, nicht hingegen die islamische Obrigkeit. In Jerusalem gab es mindestens 3000 Tote, ggf. aber noch etliche mehr, da streiten sich die Historiker. Auf jeden Fall war es kein bloßer Mob, der da zuschlug, sondern quasi das "amtliche christliche Europa", das zuwuchtete.

An sich neigte der Islam zu keinen Massakern, das muß man ihn schon zu Gute halten. Granada bildete da eher eine Ausnahme.

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Hegemon 05.07.2017, 00:52
@voayager

"An sich neigte der Islam zu keinen Massakern, das muß man ihn schon zu Gute halten. Granada bildete da eher eine Ausnahme."

Sicher nicht. Du kannst ja mal diese Liste durchgehen und die einzelnen Massaker auf Glaubwürdigkeit prüfen. Ich hab schon ein paar Treffer. Von "Ausnahme" kann jedenfalls keine Rede sein

http://derprophet.info/inhalt/anhang34-htm/

Siehe auch:

https://en.wikipedia.org/wiki/1033\_Fez\_massacre (6000)

oder:

"...Hafenstadt Caesarea Maritima sich dank der kaiserlichen Flotte noch bis 640/41 halten konnte; nach  der Eroberung wurden die dort verbliebenen stationierten kaiserlichen Truppen (angeblich 7.000 Mann) durch die Araber anscheinend massakriert.[17]"

"Bei der Einnahme von Istachr richteten sie sogar ein Massaker unter der Bevölkerung an, die loyal zu Yazdegerd gestanden hatte; angeblich sollen 40.000 Menschen getötet worden sein.[40]"

https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische\_Expansion

usw., usw...


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voayager 06.07.2017, 00:14
@Hegemon

wäre allerdings zu überprüfen, inwieweit abendländischer Widerstand voraus ging, den es zu brechen galt

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Hegemon 07.07.2017, 10:35
@voayager

So,so. Der böse abendländische Widerstand gegen die Aggressoren legitimiert also Massaker? Nach der Logik waren dann die Völkermorde an der Ostfront im 2. WK auch legitim?

Aber im Ernst: Es war übliches Kriegsrecht, Städte, die sich verteidigten, nach dem Sturm zu plündern, wobei nicht selten die Bevölkerung hingemetzelt wurde. Das war üblich, das war "normal".

Es gibt keinen Grund, ausgerechnet beim imperialistischen Islam anzunehmen, daß man sich anders verhalten hätte.

Angesichts der riesigen Territorien(!), (bitte sieh Dir unten die Grafik an) die der Islam - ausgehend ursprünglich von der arabischen Halbinsel(!) erobert hat, ist es offensichtlich, daß islamische Horden unzählige Massaker begangen haben müssen. Etwas anderes zu glauben, wäre - sorry - völlig realitätsfremd.

https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion

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voayager 07.07.2017, 10:43
@Hegemon

ja, ok, dann beziehst du dich allerdings auf die Zeit vom 7. - 12. Jhdt. Lang liegt diese Zeit zurück. Und auch in dieser Zeit ging es nicht nur grausam und barbarisch zu, erinnert sei nur mal an Saladin. Erinnert sei auch an Kaiser Friedrich II, der Orientalen an seinen Hof einlud und sich von ihnen durchaus auch im positiven Sinne inspirieren ließ.

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Sie sind im Namen Gottes begangen worden. Als der Papst die Kreuzzüge anordnete, war der Leitspruch "Deus vult" (Gott will es).

earnest 03.07.2017, 19:41

Ob da Gott - wenn es ihn denn gibt - nicht ob solcher Blasphemie erzürnt war?

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Hamburger02 03.07.2017, 19:51
@earnest

Na deswegen hat er die Kreuzzügler wohl auch verlieren lassen.  ;-)

Und ob das wirklich angesichts der Gewaltaufforderungen im AT Blasphemie oder ein Gefallen für Gott war, müsste man dann auch noch klären.

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earnest 03.07.2017, 19:52
@Hamburger02

;-)

Diese doppelte Antwort bietet sich in der Tat an...

Saladin war halt der bessere Christ.

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Die Kreuzzüge waren eine sehr späte Antwort darauf, daß der Islam immer mehr von den uralten christlichen Siedlungsstätten erobert hatte und daß christliche heilige Stätten geschändet und unzugänglich gemacht wurden. Selbstverständlich gab es christliche Motive bei den Kreuzzügen, auch wenn andere hinzukamen.

Seit es dem Islam gibt, ist er auf Eroberung bzw. Welteroberung aus. Der Koran befiehlt es.


earnest 03.07.2017, 19:39

Das ist eine schwache "Entschuldigung" für die zutiefst "unchristlichen" Kreuzzüge.

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katzenjunge 03.07.2017, 22:49
@earnest

Earnest: Ändert aber nichts an den historisch belegten Fakten, die zu den Kreuzzügen geführt haben. Kriege wurden im Hochmittelalter so geführt!

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earnest 04.07.2017, 06:33
@katzenjunge

Hier ging es nicht darum, wie damals Kriege geführt wurden, sondern um die Frage, ob diese durch Jesus oder die Bibel legitimiert wurden.

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kreuzzüge dienten der befreium des von anderen eroberten jerusalems

Natürlich haben die Kreuzzüge etwas mit der Bibel zu tun. Lies dir mal das alte Testament durch.

katzenjunge 03.07.2017, 22:40

namenlos: Christliche Theologen lehnten Kriegsdienst bis ins 4.Jahrhundert als unvereinbar ins 4.Jahrhundert ab.

Zurück zu führen auf Paulus von Tarsus der die Tradition von JHWH. Krieg zum gewaltlosen Glaubenskampf deutete (Eph 6.10 ff)

Arnold von Bentheim und andere User haben Dich bereits über die Hintergründe, islamische Expansion, Folge Kreuzzüge umfassend mit Angaben von historischen Quellen, in Kenntnis gesetzt.

Die Muslime als grundlos überfallene Opfer der christlichen Kreuzritter hinstellen zu wollen, greift nicht!

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Clarissant 04.07.2017, 00:00
@katzenjunge

Die Muslime als grundlos überfallene Opfer der christlichen Kreuzritter hinstellen zu wollen, greift nicht!

Die umgekehrte Ansicht ist aber genauso falsch. 

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earnest 04.07.2017, 06:38
@Clarissant

So ist es.

Hier reichen offensichtlich die Eiferer BEIDER Seiten einander die Hand.

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Im 8.Jahrhundert n. Christus bedrohten von Spanien eindringende Muslime dass weströmische Reich. Die Kreuzritterzüge waren, 1098 erster Kreuzritterzug durch Papst Urban ausgerufen, die politische Folge der islamischen Expansion, weil der Islam von Anbeginn eine kriegerische Glaubensideologie, mit dem Ziel die Welt zu islamisieren, war. 1688 standen osmanische Reiterheere vor Wien um Europa zu erobern. Um den Verwaltungsapparat etc. am Leben zu erhalten wurden im osmanischen Reich Christen versklavt.

Der überwiegende Teil der Türken wünscht sich das osmanische Reich zurück.

Hegemon 03.07.2017, 22:05

Das war 1683. Es war allerdings schon das zweite Mal, daß sie vor Wien standen. Das erste Mal war 1529. Und das waren bei weitem nicht die einzigen Überfälle auf europäische Städte. Tours 732, Genf, Rom, Marseille, Nizza usw., usw., usw...

https://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Frankreich#Geschichte

https://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Italien#Geschichte

https://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_der_Schweiz#Geschichte

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katzenjunge 03.07.2017, 22:10
@Hegemon

Hegemon, ja vielen Dank für die Korrektur. Ich hatte mich da vertippt.

Stimmt 1683 war das zweite Mal !

Ich hatte die historischen Fakten auch nur ganz kurz zusammen gefasst.

 

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Erstens der Islam wurde nicht durch Gewalt verbreitet ansonsten hätte keiner freiwillig den Islam angenommen.Zweitens die Kreuzzüge sind doch mit gewalt ausgeübt worden? Also wieso redet man das eine schlecht wovon man null Ahnung hat und das andere eigentliche ist das echte gewaltvolle was nicht erwähnt wird? Das gibts doch nicht...

Hegemon 03.07.2017, 21:37

"der Islam wurde nicht durch Gewalt verbreitet "

Danke, daß Du mich zum Lachen gebracht hast. Lachen ist schließlich gesund.

Offensichtlich haben die mohammedanischen Horden mit Wattebällchen geworfen. Dann verstehe ich gar nicht, warum man sich gegen sie bei Tours und Poitiers, bei Lepanto, zwei mal vor Wien und an unzähligen anderen Orten verteidigte. Wird wohl ein bedauerliches Mißverständnis gewesen sein.

https://www.youtube.com/watch?v=dQvfsTmmLAU

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earnest 04.07.2017, 06:37

Die Behauptung, der Islam sei nicht durch Gewalt verbreitet worden, ist bestenfalls ein schlechter Witz.

Das gibt's doch nicht...

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