Krankgeschrieben vor Urlaub?

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5 Antworten

Soweit es den Anspruch innerhalb des gesetzlichen Anspruchs geht (4 Wochen pro Jahr), stellt sich die Frage des Erreichens nicht wirklich. Der Arbeitgeber hat nahezu keine Möglichkeit, dir überhaupt den Urlaub zu deinem Wunschtermin zu verweigert. Da müssen schon sehr elementare, nicht vorhersehbare(!) Ursachen gegeben sein. Das kann z. B. ein ungewöhnlich hoher Krankenstand oder ein sich kurzfristig ergeben der Auftrag sein. Die Nachweispflicht, ob dieser Umstand gegeben ist, obliegt dem Arbeitgeber.

Sollte der Arbeitgeber genehmigten Urlaub unter o. g. Prämisse doch nicht geben wollen, so hat er den "vergeblichen Aufwand" (z. B. Stornoentgelte des gebuchten Flugs) des Arbeitnehmers zu tragen. Eine Genehmigung muss nicht explizit sein. Wenn es in dem Getrieben nicht üblich ist, den Urlaub zeitnah nach dem Antrag zu genehmigen, so ist er quasi automatisch genehmigt. Wann im konkreten Fall, müsste notfalls ein Gericht klären.

Einmal genehmigter Urlaub kann vom Arbeitgeber nur in absoluten Ausnahmen gestrichen werden.

Da muss der Arbeitgeber aber nachweisen können, dass ohne Deine Anwesenheit dem Unternehmen großer Schaden entsteht weil z.B. Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen oder wichtige Aufträge nicht erledigt werden können.

Dringend betriebliche Belange können auch Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Erdbeben sein oder eine Feuersbrunst wütet. Davon ist aber nicht auszugehen.

Du kannst beruhigt sein, Dein AG muss Dir den Urlaub aller Wahrscheinlichkeit (wenn obiges nicht zutrifft) genehmigen. Das wäre auch dann der Fall, solltest Du beide Wochen vor dem Urlaub nicht arbeiten können.

Es kann hier auch keine Abmahnung und schon gar keine Kündigung geben. Das wäre rechtswidrig und Du könntest dagegen klagen. Das ist allerdings den meisten Arbeitgebern klar.

Du musst Dich allerdings "unverzüglich" beim Arbeitgeber abmelden und Deine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung rechtzeitig abgeben. Sonst könnte Dein AG eine Abmahnung aussprechen.

Gute Besserung und schönen Urlaub

SchalkerMythos 30.06.2017, 15:57

Nicht ganz, ein beantragter Urlaub darf in Ausnahmefällen verweigert werden. Ein bereits genehmigter darf nicht wiederrufen werden!

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Hexle2 30.06.2017, 15:58
@SchalkerMythos

Nicht ganz, ein beantragter Urlaub darf in Ausnahmefällen verweigert werden. Ein bereits genehmigter darf nicht wiederrufen werden!


In der Frage steht, dass der Urlaub bereits bewilligt ist. Und darauf habe ich geantwortet.

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Ifm001 30.06.2017, 16:28
@SchalkerMythos

"Ein bereits genehmigter darf nicht wiederrufen werden!"

Nach deutschem Recht ist das falsch. Die Genehmigung bewirkt eigentlich nur, dass der Arbeitgeber für den ggf. durch den Rückzieher anfallenden "vergeblichen Aufwand" des Arbeitnehmers aufkommen muss.

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Hexle2 30.06.2017, 17:05
@Ifm001

Nach deutschem Recht ist das falsch

Sorry, die Ausnahmen nach denen widerrufen werden darf, habe ich geschrieben. Ansonsten ist der genehmigte Urlaub unantastbar.

Wäre das anders, hätten alle Rechtsanwälte bei denen ich Arbeitsrechtschulungen hatte und auch Arbeitsrechtler wie Prof. Dr. Peter Wedde oder Prof. Däubler falsche Aussagen getätigt und ihre Arbeitsrechtkommentare falsch geschrieben.

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Familiengerd 30.06.2017, 17:40
@Ifm001

Nach deutschem Recht ist das falsch.

Nach deutschem Recht ist das sehr wohl richtig!

Die Dringlichkeit der betrieblichen Gründe muss schon "extrem" sein, um eine Urlaubsgenehmigung widerrufen zu können

Die Aussagen von Hexle2 dazu sind vollkommen korrekt!

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Ifm001 01.07.2017, 14:51
@Hexle2

@Hexle2, @Familiengerd

ich habe auf @SchalkerMythos geantwortet, der den genehmigten Urlaub als absolut und unantastbar beschrieben hat.

Ansonsten habe ich das schon richtig beschrieben. Es gibt für den Arbeitgeber faktisch keinen Unterschied bei den Möglichkeiten, einen Urlaubsantrag zurückzuweisen oder eine Urlaubsgenehmigung zu widerrufen.

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Familiengerd 01.07.2017, 17:28
@Ifm001

@ lfm001:

Es gibt für den Arbeitgeber faktisch keinen Unterschied bei den Möglichkeiten, einen Urlaubsantrag zurückzuweisen oder eine Urlaubsgenehmigung zu widerrufen.

Das ist schlicht und einfach falsch!

Die Hürden für den Widerruf einer einmal erteilten Urlaubsgenehmigung sind um ein Unvergleichbares höher als die Hürden für die Verweigerung einer Urlaubsgenehmigung.

@SchalkerMythos geantwortet, der den genehmigten Urlaub als absolut und unantastbar beschrieben hat.

Mit seiner Aussage "Ein bereits genehmigter darf nicht widerrufen werden!" hat SchalkerMythos aber grundsätzlich Recht!

Wenn nicht eine absolute Notsituation entstünde - weil dann z.B. Arbeitsplätze gefährdet wären, ein für die wirtschaftliche Existenz des Betriebs notwendiger Auftrag nicht erledigt werden könnte -, sollte eine Urlaubsgenehmigung nicht widerrufen, sondern der Urlaub angetreten werden, darf der Arbeitgeber die Genehmigung nicht widerrufen; und die deutschen Arbeitsgerichte (bis zum BAG) halten eine solche Begründung nur für rein theoretisch denkbar.

Solche Hürden bestehen für die Begründung zur Verweigerung einer Urlaubsgenehmigung überhaupt nicht; die sind mit "dringende betriebliche Gründe" (eher allgemein unbestimmt) und "Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die [usw.]" im Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 7 "Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs" Abs. 1 Satz 1 genannt.

Ansonsten habe ich das schon richtig beschrieben.

Und genau das eben nicht!!

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Hexle2 01.07.2017, 18:03
@Familiengerd

@Familiengerd,

gib es auf, manche sind beratungsresistent. Es gilt die eigene Meinung wie "in Stein gemeißelt" egal mit welchen belegbaren Argumenten man kommt.

Ich frage mich manchmal, woher das "Wissen" kommt, bekomme aber selten eine Aussage dazu.

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Familiengerd 01.07.2017, 21:01
@Hexle2

Du hast sicher Recht, Hexle, aber ich kann es wohl einfach nicht lassen... Manchmal ist es schon geradezu erschreckend, wie auf manchmal schon fast irren Aussagen beharrt wird. 

In der Tat erhält man fast nie Antwort, wenn man nach der Quelle, den Hintergründen falscher Aussagen fragt. 

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Ifm001 30.06.2017, 16:24

"Du musst Dich allerdings "unverzüglich" beim Arbeitgeber abmelden und Deine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung rechtzeitig abgeben. Sonst könnte Dein AG eine Abmahnung aussprechen."

AFAIK muss man sich auch aus der Krankheit wieder "gesundmelden", auch wenn direkt im Anschluss Urlaub gemacht wird.

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PeterSchu 30.06.2017, 22:39
@Ifm001

"AFAIK muss man sich auch aus der Krankheit wieder "gesundmelden",..."

Nein, muss man nicht. Man muss sich lediglich dann melden, wenn die auf der Bescheinigung angegebene Zeit der AU überschritten wird. Und zwar mit einer Folgebescheinigung. Sofern diese nicht kommt, kann der Betrieb davon ausgehen, dass die AU beendet ist.

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Wenn man krank ist, ist man Krank. Wichtig ist halt nur ein Attest. Es ist dann sogar so: wenn du im Urlaub krank bist und diesen abbrechen musst und nur zu hause liegst, kannst du dir die Zeit (zumindest Anteilig) wieder gutschreiben lassen, weil du in der Zeit eben kein Urlaub hattest.

Eine bescheinigte Krankheit mit Attest kann kein Kündigungsgrund sein. Für Fristlos musst du zudem entweder bereits abgemahnt worden sein, oder du musst was wirklich schlimmes machen (sowas wie Diebstahl, Firmengeheimnisse etc). Ansonsten wäre das leicht anfechtbar.

Ein guter Arbeitgeber sollte dich zudem mit einer Gripp auch nicht da haben wollen. Du steckst nur andere an und das Büro wird noch leerer ;)

Ifm001 30.06.2017, 16:37

"Ein guter Arbeitgeber sollte dich zudem mit einer Gripp auch nicht da haben wollen. Du steckst nur andere an und das Büro wird noch leerer ;)"

Das geht sogar noch einen Schritt weiter: Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht darf er den Kranken bei Ansteckungsgefahr gar nicht auf das Betriebsgelände lassen.

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mdan87 30.06.2017, 20:11

Also genau das was ich gesagt habe, nur bürokratischer ausgedrückt ;)

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Wenn dein Urlaub schon genehmigt ist und du nach der Genehmigung bis zum letzten Tag vor deinem Urlaub krank wirst, darf dieser nicht gestrichen werden. Auch nicht in Ausnahmefällen.

Sollte er noch nicht genehmigt sein, kann er in Ausnahmefällen verweigert werden.

Kündigen darf er dich auch nicht!

Sollte er das trotzdem alles tun, bist du im Recht und kannst vors Arbeitsgericht ziehen!

Ifm001 30.06.2017, 16:39

"Wenn dein Urlaub schon genehmigt ist und du nach der Genehmigung bis zum letzten Tag vor deinem Urlaub krank wirst, darf dieser nicht gestrichen werden. Auch nicht in Ausnahmefällen."

Nach deutschem Recht ist das falsch. Die Genehmigung bewirkt eigentlich nur, dass der Arbeitgeber für den ggf. durch den Rückzieher anfallenden "vergeblichen Aufwand" des Arbeitnehmers aufkommen muss.

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PeterSchu 30.06.2017, 22:42
@Ifm001

"Die Genehmigung bewirkt eigentlich nur, dass der Arbeitgeber für den ggf. durch den Rückzieher anfallenden "vergeblichen Aufwand" des Arbeitnehmers aufkommen muss."

Auch hier ist diese Aussage falsch.

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Familiengerd 01.07.2017, 17:33
@Ifm001

@ lfm001:

Nach deutschem Recht ist das falsch.

Nach deutschem Recht ist das richtig!

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Er kann deinen Urlaub nicht einfach so sperren. Dazu lässt du dich auch noch Krankschreiben, da kann er deinen Urlaub nicht sperren kannst ja nichts dafür wenn du Krank wirst. :)

Lg

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