Krankenversicherung beim Kind, wenn Mutter gesetzlich und Vater privat?

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Hallo,

das Kind kann kostenlos über die Mutter in der GKV familienversichert werden.

Es gibt eine Ausnahme, wenn all diese Punkte gleichzeitig erfüllt sind:

  • Eltern sind verheiratet

  • es ist ein gemeinsames Kind (kein Stiefkind)

  • ein Elternteil ist nicht in der GKV versichert

  • der PKV-Elternteil verdient regelmäßig mehr als der GKV-Elternteil

  • der PKV-Elternteil verdient regelmäßig mehr als die Jahresarbeitentgeltgrenze (2011: 49.500 Euro jährlich; in besonderen Ausnahmefällen: 44550 Euro). Bei bereits bekannten Gehaltserhöhungen gibt es Besonderheiten der Berechnung des Jahresverdienstes.

Mit Verdienst sind hier immer die Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts gemeint (siehe Steuerbescheid): Zinsen, Mieteinnahmen, Urlaubs-/Weihnachtsgeld etc. erhöhen die Einkünfte; Werbungskosten bzw. Werbungskostenpauschale verringern die Einkünfte

Grundlage: § 10 Absatz 3 SGB V und § 16 SGB IV

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__10.html

Wenn die kostenlose Familienversicherung nicht möglich ist, besteht immer eine Wahlmöglichkeit zwischen PKV und GKV (beides mit Beitragszahlung). Wenn man sich für die PKV entscheidet, gilt diese Wahl bis zum Beginn einer betrieblichen Berufsausbildung oder eines Studiums an einer dt. Hochschule. Wenn das Kind später eine Selbständigkeit oder Beamtentätigkeit oder schulische Ausbildung beginnt oder arbeitslos ist, bleibt es in der PKV. Es kann also eine lebenslange Entscheidung für das Kind sein.

Der Monatsbeitrag in der GKV beträgt 143 Euro monatlich.

Bei Kindern mit gravierenden Erkrankungen kann die PKV den Versicherungsantrag ablehnen. Bei Neugeborenen muss die PKV zumindest den Tarif der Eltern anbieten. . Hier sind unter dem Suchbegriff "PKV" viele Erfahrungen von behinderten Kindern vermerkt:

rehakids.de/phpBB2/forum21.html

Behinderungen von Kindern werden sehr oft erst ein oder zwei Jahre nach der Geburt festgestellt.

Bei den Leistungen sollte man neben vielen anderen besonders auf folgende Punkte achten:

• Reha/Kur

• Hilfsmittel: Katalog der GKV:

db1.rehadat.de/gkv2/Gkv.KHS

Hilfsmittel erreichen schnell 4- und teilweise 5-stellige Beträge.

• Psychotherapie (Anzahl und Erstattungshöhe)

  • kieferorthopädische Behandlung

• Heilmittel (z.B. Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie),

-> Heilmittelarten und Erstattungshöhe

Wenn das Kind in einer Privatversicherung ist, besteht für die Eltern kein Anspruch auf Krankengeld bei Erkrankung des Kindes.

In der PKV werden notwendige Leistungen in angemessener Höhe erstattet. Was angemessen ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden nur anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Wenn man im Krankheitsfall Probleme mit einem PKV-Unternehmen hat, kann man praktisch nicht mehr wechseln. Jede andere Versicherung wird einen voraussichtlich wegen der Erkrankung ablehnen (oder gravierende Risikozuschläge erheben). In der GKV sind die anderen Krankenkasse verpflichtet, einen aufzunehmen, und man hat ab dem 1. Tag den vollen Leistungsanspruch (ohne Zuschläge).

Vielleicht interessant:

focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/tid-5429/krankenversicherung-zehn-irrtuemer-ueber-die-privatenaid52165.html

bundderversicherten.de/app/download/BdV-PKV-Broschuere.pdf

pkv-ombudsmann.de/

(unter Tätigkeitsberichte sind häufige Beschwerden von PKV-Versicherten aufgelistet)

Die Entscheidung hat vermutlich sehr lange Auswirkungen und sollte daher genauso gründlich überlegt werden.

In den letzten Monaten hat es übrigens keine rechtliche Änderung gegeben. Der § 10 SGB V ist in diesem Punkt seit 1989 im Wesentlichen unverändert.

Die Beitragshöhe ist je nach Versicherungsunternehmen, Gesundheitszustand des Kindes und den gewählten Leistungstarifen sehr unterschiedlich.

Gruß

RHW

Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort!!! Super!

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@Oberzicke

Gern geschehen!

Danke für den Stern!

Wenn die Entscheidung gefallen ist, würde ich mich über einen Kommentar freuen!

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@RHWWW

Das wird leider noch eine Weile dauern. Ich muss erst meinen Mann zum Nachwuchs "überzeugen". Wünsche mir sehnlichst ein Kind, aber er ist noch nicht so bereit dazu. Deshalb muss ich vorab einfach mal klären, was ein Kind alles kostet, um ihm später hoffentlich aufzeigen zu können, dass wir es uns leisten können ...

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@Oberzicke

Neben Kinder- und Elterngeld können auch Erziehungszeiten und Kinderberücksichtigungszeiten in der Rentenversicherung wichtig sein. In der Pflegeversicherung gibt es 0,25% Ermäßigung, wenn man Kinder hat.

Ggf. auch über die Absicherung im Pflegefall informieren. U.U. spielen Kinder da eine große Rolle.

Auch Haushaltshilfe (§ 38 SGB V) und Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes (§ 45 SGB V) können wichtig sein.

Steuerrechtlich gibt es Möglichkeiten, Vermögensteile auf die Kinder zu übertragen, um Steuern zu sparen. Ggf. den Steuerberater fragen.

Viel Erfolg bei einer gemeinsamen Entscheidung!

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Hallo,

eine super Antwort!

Wie ist denn die Lage, wenn der PKV-Elternteil auf Dauer ins Ausland geht (also weder gesetzlich noch privat in Deutschland versichert ist) und die Kinder nun auch nicht mehr bei ihm privat versichert sind? Sind sie dann beim GKV-Elternteil mitversichert oder müssen die Kinder gesondert privat versichert werden? (Ehe und Einkommen bleiben.)

Danke!

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@mickado

Hallo Mickado,

nach § 10 Absatz 3 SGB V ist entscheidend, ob der andere Elternteil in der dt. GKV oder nicht in Deutschland gesetzlich versichert ist (z.B. auch bei Zeitsoldaten ohne Krankenversicherung). Eine Krankenversicherung in der Sozialversicherung eines anderen EU-Staates ist der dt. GKV gleichgestellt.

Wenn die Kinder nicht kostenlos in der GKV versichert werden können, besteht (fast) immer eine Wahl zwischen Beiträgen für die PKV oder eine beitragspflichtige GKV-Mitgliedschaft.

Bei Nennung des oder der genauen Staaten gibt es eine genaue Antwort.

Gruß

RHW

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Wenn beide Partner unterschiedlich versichert sind, müssen die Kinder zwingend bei dem versichert werden, der das höhere Einkommen hat.

Wenn die Mutter nicht erwerbstätig ist, muss das Kind beim m. W. Vater privat mitversichert werden! Aber in dieser Frage solltet ihr wirklich die Krankenkasse fragen!

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