Krankentagegeld in der Privaten Vollversicherung

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8 Antworten

Auch als Angestellter mit Einkommen über BBG hast Du Anspruch auf 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Dein privates Krankentagegeld sollte also sinvoll erst ab dem 43. Krankheitstag einsetzen, dieser Tarif ist auch erheblich günstiger.

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Kommentar von Phabee
16.06.2011, 00:18

You made my Day! :D

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Hallo,

der Arbeitgeber hat für Arbeitnehmer (gesetzlich ode privat versichert) für 42 Tage das Entgelt fortzuzahlen. Es gibt aber eine wichtige Ausnahme: Wenn die selbe Krankheitsursache innerhalb von 6 Monaten erneut Arbeitsunfähigkeit verursacht, kann der Arbeitgeber die Zeiten addieren und nur für insgesamt 42 Tage Entgelt zahlen. Ggf. bekommt man für 42 Tage weder vom Arbeitgeber noch von der Versicherung Geld.

http://bundesrecht.juris.de/entgfg/__3.html

Bei einer gesetzlichen Krankenkasse beginnt die Krankengeldzahlung nahtlos nach der Entgeltzahlung des Arbeitgebers.

Der Vergleich GKV - PKV ist grds. ein lebenslanger Vergleich. Das heißt, es ist erforderlich alle späteren möglichen Veränderungen mit in den Vergleich einzubeziehen, z.B. "Vergrößerung der Familie" (z.B. Ehegatte, Kinder) und Verringerung der Einnahmen

Bei den Leistungen sollte man neben vielen anderen besonders auf folgende Punkte achten:• Reha/Kur (z.B. nach Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Unfällen ...)

• Hilfsmittel: Katalog der GKV:

db1.rehadat.de/gkv2/Gkv.KHS

Hilfsmittel erreichen schnell 4- und teilweise 5-stellige Beträge.

• Psychotherapie (Anzahl und Erstattungshöhe)

• Heilmittel (z.B. Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie), z.B. nach Schlaganfall

-> Heilmittelarten und Erstattungshöhe

In der PKV werden notwendige Leistungen in angemessener Höhe erstattet. Was angemessen ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden nur anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Auch bei folgenden Änderungen bleibt man in der PKV:

• Kurzarbeit, unbezahlter Urlaub/Sabbatjahr, späteres (Zweit-)Studium, Frührente wegen Erwerbsminderung, Altersrentner, Hausmann, Auszeit wegen Kindererziehung -> in diesen Fällen sind die PKV-Beiträge in unveränderter Höhe weiterzuzahlen.

Ggf. sind zusätzliche Beiträge für Kinder oder den nichtberufstätigen Ehegatten zu zahlen.

Die Beiträge für den nichtberufstätigen Ehegatten (ohne Arbeitslosengeld) werden in der GKV immer nach der Hälfte der Einnahmen des PKV-Ehegatten berechnet (§ 240 SGB V letzter Absatz). Wenn der Ehegatte chronisch krank ist, ist ein Beitritt zur PKV oft ausgeschlossen.

Wenn man im Krankheitsfall Probleme mit einem PKV-Unternehmen hat, kann man praktisch nicht mehr wechseln. Jede andere Versicherung wird einen voraussichtlich wegen der Erkrankung ablehnen (oder gravierende Risikozuschläge erheben). In der GKV sind die anderen Krankenkasse verpflichtet, einen aufzunehmen, und man hat ab dem 1. Tag den vollen Leistungsanspruch (ohne Zuschläge).

Man kann auch eine Testfrage stellen: "Braucht man als Arbeitnehmer eine Absicherung für Rehamaßnahmen?". Wenn die Antwort lautet " das ist nicht erforderlich, da die Rentenversicherung zahlt", ist die Antwort korrekt. Das Problem wird nur auftauchen, wenn man in Rente geht. Dann wird die Rentenversicherung nicht mehr zahlen.

Vielleicht interessant:

focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/tid-5429/krankenversicherung-zehn-irrtuemer-ueber-die-privatenaid52165.html

bundderversicherten.de/app/download/BdV-PKV-Broschuere.pdf

pkv-ombudsmann.de/

(unter Tätigkeitsberichte sind häufige Beschwerden von PKV-Versicherten aufgelistet)

Der Basistarif ("Rückfalltarif") in der PKV kostet 500-600 Euro monatlich (bei niedrigem Einkommen z.B. als Rentner keine gute Alternative).

Wenn die PKV günstiger als die GKV ist, profitiert der Arbeitgeber zur Hälfte von der Ersparnis. Wenn die PKV (früher oder später) teurer als die GKV ist, trägt man als Versicherter die Mehrkosten allein (Arbeitgeber oder Rentenversicherung beteiligen sich daran nicht): § 257 SGB V und § 106 SGB VI

Die Entscheidung hat vermutlich lebenslange Auswirkungen und sollte daher genauso gründlich wie z.B. ein Hauskauf angegangen werden.

Viel Erfolg bei der richtigen Entscheidung!

Gruß

RHW

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Kommentar von RHWWW
17.06.2011, 05:20

Es gibt manchmal Arbeitgeber, die laut Tarif- oder Arbeitsvertrag mehr Entgeltfortzahlung leisten, als gesetzlich vorgeschrieben. Auch bei wiederholter Arbeitsunfähigkeit gibt es manchmal bei Arbeitgebern arbeitnehmerfreundlichere Lösungen, als nach dem Gesetz vorgegeben. Sinnvoll ist es, wenn keine Lücken entstehen (oder man diese Lücken zumindest vorher weiß).

Wenn der Arbeitgeber bereits (fast) 42 Tage Entgelt gezahlt hat, gibt es bei den gesetzlichen Krankenkassen auch eine Besonderheit: das Krankengeld wird frühestens ab Tag nach ärztlicher Feststellung gezahlt (§ 46 SGB V). Ggf. ist es sinnvoll, noch nach der Arbeit zum Arzt zu gehen!

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Kommentar von DerMakler
22.06.2011, 12:05

DH ,sehr interessante &ausführliche Antwort ! HG DerMakler

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also wie schon gesagt wurde bekommst du 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den AG, daher bitte das Tagegeld erst ab den 43. Tag versichern. Das Gute an der privaten KV ist auch das das Krankentagegeld nicht nur max. 72 Wochen gezahlt wird sonder so lange bis man BU ist. Ich hoffe nur du möchtest dich nicht bei der DEVK versichern, die sind aus meiner sicht nicht der Player im Bereich der PKV. Gut ist das sie keine Summenbegrenzung im Zahnersatz haben. Da gibt es am Markt aber bessere Anbieter.

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Kommentar von RHWWW
17.06.2011, 18:09

In der GKV besteht Krankengeldanspruch bei derselben Krankheit für maximal 78 Wochen. § 48 SGB V Es endet vorher, wenn eine Erwerbsminderungsrente zugebilligt wurde. § 50 SGB V

In der PKV endet das Krankentagegeld, wenn ein von der PKV benannter Arzt BU festgestellt hat (ein Rentenbescheid ist hier ohne Bedeutung).

§ 11 und 15:http://www.pkv.de/recht/musterbedingungen/krankentagegeldversicherungmbkt2009pdf.pdf

PKV und Rentenversicherung sind häufiger unterschiedlicher Meinung, ob eine Erwerbsminderung vorliegt (bei Jüngeren besteht kein Rentenanspruch, wenn nur BU vorliegt).

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Ab dem 43 Tag reicht vollkommen. Vorher würde als Angestellter auch keinen Sinn machen. Dann muss ja mit dem Krankentagegeld auch nur die Differenz von Netto Lohn zum Krankengeld abgesichert werden.Das kann man meistens schon mit Beiträgen unter 10 Euro Monatlich absichern. Ich arbeite für die ARAG Mache die gerne eine Angebot.

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Kommentar von RHWWW
17.06.2011, 18:02

Wenn die selbe Krankheit wiederholt auftritt, macht Krankentagegeld vor dem 43. Tag schon Sinn.

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Aus dem anderen Antworten ergibt sich ja nun ,das die Lohnfortzahlung bis zum 42 .Tag durch den AG gesichert ist..das ist auch vollkommen richtig..Mir ist aber der Hinsicht noch eine Kleinigkeit aufgefallen : Sie sprechen von Überschreitung der KV BBG und der Möglichkeit sich privat kranken zu versichern..nicht nur das hier die richtige Wahl des Versicherer ein wesentlicher ist,sondern das die sechswöchige Lohnfortzahlung des AG tatsächlich nur bis zur BBG berücksichtigt wird..

Lohnanteile die darüber liegen ,werden nicht unbedingt (wenn nicht anders im Arbeitsvertrag beziffert) berücksichtigt..deshalb ist bei der Wahl der PKV auch der Leistungsumfang des mit zu installieren KT ab 43 .Tag ein erheblicher ,ebenso die richitge Berechnung (Bereichungsklauseln !) ..so sehe ich ein Unternehmen wie DEVK ,auch wenn die ihnen dann vielleicht ein KT ab 43 Tag anbieten nicht, hier nicht gasnz weit vorne..

Lassen sie sich hinsichtlich dessen lieber alle Gesellschaften mit einem involvierten KT vergleichen und weissen auf diesen besonderen Punkt defintiv hin bei der Beratung ! HG DerMakler

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Kommentar von RHWWW
23.06.2011, 04:45

Hallo Makler,

die Höhe des fortgezahlten Entgelts berechnet sich nach § 4 EFZG und ist identisch mit dem bisherigen Gehalt. Nur bei Überstunden und Zulagen gibt es teilweise Sonderregelungen. Auch bei einem Bruttogehalt von 5000 Euro hat der Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit 5000 Euro weiterzuzahlen (bis die 42 Tage erschöpft sind). Im Arbeitsvertrag darf der Arbeitgeber diesen Anspruch nicht verrringern (§ 12 EFZG).

http://bundesrecht.juris.de/entgfg/__4.html

In Kleinbetrieben kann der Arbeitgeber für die Entgeltfortzahlung eine Erstattung bei der Krankenkasse beantragen (hierfür zahlt der Arbeitgeber alleine monatlich zusätzliche Beiträge). Die Krankenkasse kann in ihrer Satzung die Erstattung an den Arbeitgeber auf bestimmte Beträge begrenzen (z.B. BBG-RV oder BBG-KV). bundesrecht.juris.de/aufag/__9.html

Gruß

RHW

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Du hast vermutlich Anspruch aus Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Prüf den Vertragsentwurf daraufhin.

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Das kannst Du bei den privaten Kassen individuell handeln, das Krankengeld darf nur das tatsächliche Einkommen nicht überschreiten.

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Kommentar von Phabee
16.06.2011, 00:11

Ja, da dort das Bereicherungsverbot gilt weiß ich, aber wer zahlt denn meinen Lohn für die Tage bevor die Versicherung greift? Der Arbeitgeber?

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Kommentar von Phabee
16.06.2011, 00:11

Ja, da dort das Bereicherungsverbot gilt weiß ich, aber wer zahlt denn meinen Lohn für die Tage bevor die Versicherung greift? Der Arbeitgeber?

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die meisten privaten zahlen erst frühestens ab dem 21. krankheitstag.

du kannst das anders versichern, wird aber dann viel teurer.

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Kommentar von Pumin
17.06.2011, 22:50

Für einen AN frühestens ab dem 43. und für selbstständige prinzipiell auch ab dem 1.!

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