Krankenhausaufenthalt - Abrechnung nach Fallpauschalen?

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4 Antworten

Ich arbeite im Krankenhaus in der stationären Leistungsabrechnung und kenne mich deshalb mit dem Thema Fallpauschalen aus.

Die so genannten Fallpauschalen heißen in Wirklichkeit "DRG". Dieses Abrechnungssystem kommt aus Australien und bedeutet "Diagnosis Related Groups".

Das ganze kann man sich dann so vorstellen. Wenn ein Patient ins Krankenhaus kommt geben die Ärzte die gestellten Diagnosen, Prozeduren usw. an eine weitere Berufsgruppe die "Casemanager oder auch DRG Assistenten" weiter. Diese ermitteln dann anhand dieser Daten die anfallende DRG.

Es gibt in Deutschland für jedes Bundesland einen Basisfallwert. Jede DRG hat eine bestimmte Bewertung. Diese Bewertungen snd in ganz Deutschland gleich. Zusätzlich hat eine DRG auch eine untere, mittlere und obere Grenzverweildauer. Das heißt wenn ein Patient unter der unteren Grenzverweildauer entlassen wird, muss das Krankenhaus Abschläge bei der Rechnung machen. Wenn der Patient über die obere Grenzverweildauer im Krankenhaus bleibt, bekommt das Krankenhaus als "Entschädigung" einen Zuschlag. Das soll verhindern, dass ein Patient zu früh entlassen wird.

Aus diesen ganzen Komponenten und verschiedenen Zuschlägen ergibt sich dann die Rechnungssumme für einen stationären Krankenhausaufenthalt.

Das ganze ist ziemlich umfangreich, daher mal ein Beispiel: Die Bewertungsrelation einer DRG ist z.B. 0,56 Der Basisfallwert beträgt z.B. 2915 Euro Man multipliziert diese beiden Werte miteinander: 2915 * 0,56= 1.632,40 Euro Das wäre dann der Preis für diese bestimmte DRG wenn der Patient nicht länger als die obere und nicht kürzer als die untere Grenzverweildauer bleibt.

Ich hoffe das ganze ist zumindest ein bisschen verständlich.

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Kommentar von kaluma
16.10.2011, 00:32

Das ist ja wirklich komplizierter als ich dachte.

Und ganz gerecht ist das ja auch nicht. Da kann es dann echt sein, daß das Krankenhaus auf seien Kosten sitzen bleibt, wenn eine bestimmte Maximaldauer erreicht ist oder wenn es zu Rückfällen gekommen.

Ist denn diese"Abrechnung" für die Patienten transparent? Ich denke es gibt ja einfach kalkulierbare Krankenhausaufenthalte wie z.B. Wochenbett, Blinddarm-OP, Herzkatheder-Untersuchung. Kann ein Patient erfahren, wann sozusagen seine "Galgenfrist" abläuft.

Gilt das alles auch bei Kinder?

Gibt es gerngesehene Patienten, weil man daran gut verdient?

Kannst Du mir irgendwelche konkreten Zahlen nennen, was bestimmte Krankheiten bei welchem Aufenthaltsdaueroptimum kosten "dürfen"? Zum Beispiel: normale Geburt, Kaiserschnitt, Blinddarm-OP, Prostatakrebs, kardiologische Diagnostik, einfacher Beinbruch und zuletzt noch aus dem neurologischen Bereich: MS, GBS, Schlaganfall, Hirnblutung,

Da drängt sich mir noch eine andere Frage auf: macht es einen Unterschied, wenn die Ärzte die Diagnose eines Patienten dann im Verlauf eines langen Krankenhausaufenthaltes mit schwierigem Verlauf auf chronisch abändern?

Zudem finde ich es fraglich, daß man auf australische Erfahrungswerte zurückgreift.

Jetzt würde mich noch mal interessieren, ob du - weil Du all die Hintergründe kennst - deshalb selbst als Patient irgendetwas anders machen würdest als "Unwissende"? I

Welche Mittel hätte ich als Patient in der Hand, um nicht in den Strudel der Haushaltsplanung eines Krankenhauses zu kommen? Unser Nachbar wurde mit Diagnose Schlaganfalal nach X Tagen mit beginnendem Fieber nach Hause entlassen. Man habe ihm dann im Abschlußgespräch gesagt, er solle dann lieber nochmal kommen, wenn´s schlechter werden würde. Hat das mit o.g. Thema zu tun. Denn komisch ist das schon. Mein gesunder Menschenverstand würde sagen, der solle lieber noch nicht nach Hause gehen.

Das ganze Abrechnungssystem hat doch vielleicht doch mehr Macht, als zugegeben werden kann, denn das Krankenhaus ist ja auch ein Wirtschaftsunternehmen, wo am Schluß die Zahlen stimmen müssen. Und da fallen soviel unkontrollierbare Kosten an. Zum Beispiel habe ich mal vor vielen Jahren eine Frau in der Straßenbahn sagen hören: "... ja kurz vor der Ferienzeit bestelle ich mir dann auf Stationsverbrauch wieder die xy Medikamente, dann hab ich für den Urlaub schon mal vorgesorgt....".

Ist das Krankenhaus im allgemeinen im Gewinn oder Verlust?

Weiß nicht, ob ich bei meinem langen Text auf eine Antwort hoffen darf? Würde mich sehr freuen, von Dir zu lesen.

Liebe Grüße von Kaluma

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Die Behandlungsdauer wird in den Fallpauschalen in einem gewissen Grad mit eingerechnet. Aus dem Krankenhaus geworfen wird ein Patient natürlich nicht, auch wenn er länger stationär behandelt werden muss. Die Wirtschaftlichkeit soll ja nicht zu Lasten des Patienten gehen (geht sie eigentlich auch nicht).

Wenn Patienten regelmässig wieder ins KH müssen, ist das in den Fallpauschalen auch berücksichtigt (im Gegensatz zu Patienten, die nochmal wegen der gleichen Sache ins KH müssen)

Ich vermute aber auch, dass die Fallpauschalen, wenn sie bei uns denn eingeführt sind, doch irgendwie bei Entscheidungen mitspielen. Vermutlich nicht so extrem, wie man es sich vorstellen könnte (das kann sich ein KH gar nicht erlauben), aber einen gewissen Einfluss werden die wohl schon haben.

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Leider ist es heutzutage so, dass nicht mehr nach der Situation des Patienten abgerechnet werden kann, sondern nach "Fallpauschalen".

Da haben die Krankenkassen festgelegt, wie lange ein Patient für eine bestimmte Erkrankung im Krankenhaus Pflege benötigt.

Das sind z.B. für Gallensteine 5 Tage (nur ein Beispiel, kann in anderen Bundesländern anders sein).

Das Krankenhaus bekommt dann für 5 Tage die Kosten bezahlt, egal ob der Patient 3 Tage (dann ist es gut fürs Krankenhaus) oder 10 Tage im Krankenhaus bleiben muss.

Das ist im Grunde völliger Blödsinn, man kann ja nicht allein von der Krankheit ausgehen, jeder Patient ist anders. Diabetiker oder Herzkranke z.B. benötigen intensivere Pflege als ein völlig gesunder Jugendlicher.

So kommt es leider auch immer wieder vor, dass Patienten viel zu früh entlassen werden, es dann zu Komplikationen kommt und der Hausarzt den Patienten erneut einweisen muss.

Aber das ist ja im Sinne der Krankenhäuser, so wird nämlich ein neuer "Fall" ausgelöst.

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Kommentar von Taddhaeus
15.10.2011, 16:55

Wenn ein Patient innerhab eines gewissen Zeitraumes wegen des gleichen Problems oder wegen Komplikationen nochmal ins KH eingewiesen wird, gilt das nicht als neuer Fall (jedenfalls nach Schweizer System). Wenn Patienten das KH früher verlassen, wird uns die Fallpauschale gekürzt

Nebendiagnosen wie Diabetes werden bei uns auch berücksichtigt und die Fallpauschale entsprechend angepasst.

Da das Schweizer Modell auf dem aus Deuschland basiert, nehm ich an, dass das gleich geregelt sein sollte?

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was ist denn die frage? ob du, wenne länger bleiben musst, auch mehr zahlen musst?

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