Korrigierter Rücktrittshorizont?

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1 Antwort

Der Rücktrittshorizont kann sich nur bei fortbestehender Tatsituation korrigieren. Dies ist bei einer zeitlichen Zäsur allerdings grundsätzlich nicht möglich. (BGH NStZ-RR 1998, 134)

Der BGH neigt in letzter Zeit allerdings dazu, dieses Prinzip aus Opferschutzgedanken ein wenig zu lockern.

Konkreter wird dies nur im Einzelfall zu klären sein.

for58ever 08.04.2014, 17:21

Na ja also das ist eigentlich ein umgekehrter korrigierter Rücktrittshorizont. Nachdem der Täter das Opfer verletzt hat (versuchter Totschlag mit bedingtem Vorsatz) denkt der Täter zunächst, dass das Opfer nicht tödlich verletzt ist und handelt auch nicht mehr weiter. Dann fährt er weg. Dann fällt ihm ein paar Stunden später noch was ein und kehrt deshalb noch einmal zurück. Als er bemerkt, dass das Opfer sich nicht mehr bewegt und die Wunde schlimmer geworden ist, nimmt er in Kauf, dass er stirbt und fährt davon. Das Opfer wird später noch gerettet.

Ich weiß, dass ich hier noch den versuchten Totschlag durch Unterlassen prüfen muss aber irgendwie erscheint es mir auch etwas zu abwägig den Rücktritt vom versuchten Totschlag zu bejahen...

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HH1887 08.04.2014, 17:47
@for58ever

Ich würde hier auf § 8 StGB verweisen und darauf abstellen, dass es auf den Rücktrittshoritzont bei Begehung der Tat ankommt und zumindest bei einer zeitlichen Zäsur von ein paar Stunden nicht mehr von "bei Begehung der Tat" gesprochen werden kann. Demnach würde in Bezug auf den versuchten Totschlag durch aktives Tun ein unbeendeter Versuch vorliegen, sodass der Rücktritt vom Versuch durch das bloße Unterlassen weiterer Ausführungshandlungen möglich ist und hier vorliegt.

Andere Ansichten halte ich allerdings durchaus für vertretbar.

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