Kopftuch bei Kurzhaarfrisur?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo!

Eine sehr gute Frage. Wer keine oder kaum Haare auf dem Kopf hat, bei dem macht ein Kopftuch natürlich noch weniger Sinn, als es ohnehin schon macht. Allerdings haben im Iran offenbar einige Frauen kurzes Haar und tragen darüber den Hijab. Woher ich das weiß? https://www.facebook.com/StealthyFreedom?fref=ts auf dieser Seite werden regelmäßig Bilder und Videos von Frauen hochgeladen, die sich gegen die Kopftuchpflicht auflehnen und sich mit offenen Haaren ablichten lassen :-) neulich wurde ein Video geteilt, in dem eine Frau mitten in der Fußgängerzone den Schleier ablegte; sie hatte, wie ich schon sagte, relativ kurzes Haar. Ich denke also, es gilt dort ohne wenn und aber eine gesetzliche Kopftuchpflicht für alle Frauen.

Im Islam gibt es übrigens keine Kopftuchpflicht. Das wird lediglich von einigen Predigern so propagiert sowie von unreflektierten Menschen. Im Koran steht nichts dergleichen und die Worte des Propheten aus der Sunnah (die ja aus Überlieferungen von Dritten besteht und von daher generell mehr als misstrauisch zu betrachten ist), nach denen Frauen sich ab der Pubertät bis auf Gesicht und Hände verhüllen sollen, galten für das 7 Jahrhundert im arabischen Raum, nicht für heute in Deutschland.

LG

Hallo und vielen Dank!

Deine Antwort ist sehr informativ. Ich bin zwar weder Iranerin, noch muslimisch, aber ich denke, dass ein Kopftuch für einige Frauen schon Sinn ergibt beziehungsweise sinn- und identitätsstiftend ist, auch wenn das im Okzident oft und gern pauschalisierend negiert wird. Das ist schade, weil ich finde, dass jede Frau dieses Thema mit sich selbst klären sollte. Das heißt, dass ich auch diejenigen Frauen verstehe, die sich gegen eine Kopftuchpflicht auflehnen. Ich hoffe nur, dass wir irgendwann an den Punkt kommen, an dem solche Protesthandlungen der Vergangenheit angehören können, da es keine Gesetze - ob tatsächlich geschrieben, oder ungeschrieben - mehr gibt, die den Menschen vorschreiben, wie sie sich zu kleiden haben; weder im Iran noch in Europa.

Noch einmal vielen Dank!

LG

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@diander

Gern geschehen!

aber ich denke, dass ein Kopftuch für einige Frauen schon Sinn ergibt beziehungsweise sinn- und identitätsstiftend ist

Das mag schon sein - allerdings bin ich mir da mit der "Freiwilligkeit" immer nicht so sicher, denn es ist ja schon sehr auffällig, dass Kopftücher (und noch extremere Verschleierungen) eigentlich ausschließlich von Frauen muslimischen Glaubens getragen werden. Heißt also, der eigentliche Wille der Frau ist es nicht, sich zu verschleiern. Die Frauen, die das tun, sind gewissermaßen unfrei, denn sie fühlen sich dazu verpflichtet, weil sie (meist durch religiöse Erziehung) den islamischen Glauben angenommen haben und denken, dass Allah es von ihnen verlangt. Oder aber sie werden von ihrer Familie/ihrem Ehemann/ihrem Umfeld, vom Gesetz (siehe Iran, Saudi-Arabien, Afghanistan, Pakistan, Jemen etc.) oder aufgrund der Angst vor Strafen Allahs dazu forciert. Wie auch immer, das Kopftuch ist genau genommen keine islamische Pflicht, sondern eher eine Fehlinterpretation, zumindest für Frauen, die nicht im arabischen Raum leben (denn dort sind das Klima, der Kleidungsstil, die Gesellschaft und die Gesetze einfach andere).

Dem Rest stimme ich absolut zu - jeder soll für sich entscheiden können, wie er sich kleidet. Aber ob es mal dazu kommen wird, das wage ich zu bezweifeln. Zumindest geht es in die richtige Richtung und die mutigen iranischen Frauen haben meinen vollsten Respekt.

LG

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@Locoloco77

Salam,

hm...dass nur Frauen muslimischen Glaubens Kopftücher tragen...diese haben eine ganz lange Tradition und auch in Europa war es vor nicht allzu langer Zeit (denk an die Frauen in den Kinofilmen der 70er) sich Tücher auf den Kopf banden und selbst im (meiner Meinung nach gewalttätigeren und keineswegs liberaleren) Christentum darf eine Frau einen Schleier bei der Hochzeit tragen, der ihre Reinheit betonen und ihren Reiz verdecken soll...und nun ja, schau dir die Frauen des (europäischen!!) Mittelalters an..Kopftücher waren schon immer Kleidungsstücke. Heute wird ihnen einfach eine neue Bedeutung angedichtet, die mit dem Tuch an sich nicht konform geht. Nur weil das, was unreflektierte und verängstigte Westler mit dem Tuch konnotieren, Gewalt verheißt, bedeutet das nicht, dass keine Frau durch das Tragen eines Kopftuches eine gewisse Freiheit oder Sicherheit empfindet. Ich gestehe denen, die das nicht so empfinden, ihre Gefühle und Gedanken als berechtigt zu. Aber weder diese, noch die anderen Frauen sollten ihr Empfinden pauschalisieren und wir, die wir selbst keine Kopftücher tragen, sollten uns davor hüten, irgendetwas zu verteufeln, da uns der persönliche Bezug fehlt. Dementsprechend obliegt es auch nicht uns, darüber zu urteilen, ob es richtig oder falsch ist, wenn Frauen aufgrund des sozialen und religiösen Kontextes, in dem sie aufwachsen, ein Kopftuch tragen wollen, weil sie glauben, dass Allah es von ihnen verlange. Die Illusion, dass man in Europa frei wählen könne, was man trägt, ist nur leider weit verbreitet. Keiner von uns ist von äußeren Einflüssen sicher. Nein, diese motivieren uns in allem, was wir tun und insofern ist (gereade hier) niemand frei.

Hast du selbst Erfahrungen mit der iranischen Kultur gemacht?

LG

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@diander

Ja, da hast du Recht, vielleicht hätte ich statt "Islam" besser "monotheistische Religionen" sagen sollen... ich bestreite nicht, dass es tatsächlich Frauen gibt, die das Kopftuch gerne tragen und sich darin wohl fühlen (wohlbemerkt hat aber auch das nichts zu bedeuten, es gibt auch Frauen, die sich freiwillig in der ja so unsicheren Schweiz eine Burqa überziehen und sich in TV-Shows für eine Polygamie aussprechen..hab gerade den Namen der werten Dame nicht parat, vielleicht weißt du ihn?). Dennoch, und das ist meine feste Meinung, ist das Kopftuch nicht allein ein Zeichen der Unterdrückung der Frau, denn man kann die Frau auch ohne Kopftuch unterdrücken. Es ist vor allem ein Zeichen ihrer Entwürdigung, weil es die Frau auf ihre Sexualität reduziert. Sie ist eine 'aurah, und da man nicht mit entblößten Geschlechtsteilen auf die Straße geht, muss sie sich verhüllen. Deshalb sprechen einige Muslime davon, dass die Frau durch das Kopftuch ihre Würde gewinnt. Sie sagen auch, dass das Kopftuch sie beschützt. Wer sich als sexuelles Objekt betrachtet, braucht natürlich einen Schutz, vor allem, wenn man die Männer als unkontrollierte triebhafte Wesen sieht. Aber letzteres ist, wenn wir ehrlich sind, ein sehr erbärmliches Menschenbild und entspricht kaum der Realität.

Die Illusion, dass man in Europa frei wählen könne, was man trägt, ist nur leider weit verbreitet. Keiner von uns ist von äußeren Einflüssen sicher.

Das hängt von der Definiton des Wortes "frei" ab... wenn europäische Frauen bezüglich ihres Kleidungsstils unfrei sind, so sind Frauen in den muslimischen Ländern es noch um einiges weniger. Vor allem im Kontrast zu den Männern.

Hast du selbst Erfahrungen mit der iranischen Kultur gemacht?

Ja, mein Uronkel lebte für lange Zeit dort, noch unter dem Schah von Persien und ich habe eine iranische Freundin, die in Teheran studiert. Eine sehr schöne Kultur an sich, meine Familie besitzt noch viele Gegenstände von dort, Teller, Teppiche, Goldschmuck (damals war Gold ja nichts wert), Figuren, Geld... Aber dann kam ja eines Tages das Mullah-Regime und gründete den Gottesstaat Iran. Erinnert mich ein wenig an Afghanistan, googlet man nach "Afghanistan 1970", dann reibt man sich verwundert die Augen. So etwas ist schon traurig anzusehen...

Danke für die Auszeichnung meiner Antwort übrigens!

PS: Bist du Araberin?

LG

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@Locoloco77

Hallo,

entschuldige bitte das lange Schweigen. Ich hatte viel für die Uni zu tun. Nein, ich bin Mosambikanerin. :-)

Ich war gestern bei einer Ärztin. Sist Iranerin und sagte, jede Frau müsse ein Kopftuch tragen. Die Haarlänge spiele keine Rolle.

Ich finde, dass das, was du sagst, wahr sein kann. Aber dennoch muss man alles immer relativieren. Möglicherweise ist die Frau tatsächlich eine ernsthafte Verfechterin der Polygamie. Es gibt Dinge, die für uns absurd sind, für andere Menschen aber gut und richtig.

Die Auszeichnung hast du verdient. Die anderen Antworten empfand ich als wenig konstruktiv...

LG

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Das ist interessant! Du hast einen Iraner als Freund und willst mit ihm über die Grundlagen seines Glaubens und die Zustände in seinem Heimatland nicht reden?! Beste Voraussetzungen für eine gelungene Beziehung! Den Iran kannst Du mit "anderen muslimischen Ländern" nicht vergleichen! Im Iran (der das Land Israel von der Landkarte tilgen will) herrscht strenger Kopftuchzwang - auch für Nichtmusliminnen und Touristinnen!

Egal wie lang die Haare - Kopftuch auf! Es geht nicht wörtlich darum das "Haar zu bedecken", sondern sich zu verhüllen. Solltest Du jemals in den Iran reisen, passt Du Dich der Damenwelt dort an. Geht leider (noch) nicht anders.

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