Kopftuch als christin?

16 Antworten

Unter anderem in der Brüderbewegung, einer Richtung im freikirchlichen Protestantismus, ist es in den Gemeinden (nicht in allen!) üblich, dass die Frauen im Gottesdienst ein Kopftuch tragen. Meint Paulus aber wirklich ein Kopftuch?

"Paulus schreibt den Brief an die Gemeinde in Korinth, weil ihm anscheinend von einigen Vorkommnissen berichtet wurde, die in seinen Augen "Missstände" sind. Er will in seinem Brief auf diese Missstände hinweisen und sie möglichst unterbinden. An mehreren Stellen des Briefes wird deutlich, dass sich in der Gemeinde in Korinth eine "Alles geht"-Stimmung breit gemacht hat. Das ist verständlich, denn die befreiende Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus kann leicht so verstanden werden, als würde es überhaupt keine Grenzen mehr brauchen. Das führt anscheinend in Korinth zu einem religiösen Enthusiasmus, den Paulus für gefährlich und falsch erachtet.

In Kapitel 11 befasst sich Paulus mit dem Gottesdienst und dem, was seines Erachten dort alles schief läuft. Wie es aussieht, haben sich die Korinther angeschickt, sich nicht mehr an die üblichen gesellschaftlichen Regeln zu halten, die in einer griechischen Stadt gelten sollten. Die Männer lassen sich ihre Haare lang wachsen, die Frauen tragen sie offen und nicht, wie es sie Sitte wollte, hochgesteckt. (Ich folge hier der Anmerkung der Zürcher Bibel: "ihr Haar nicht aufgesteckt hat": Der griechische Ausdruck 'mit unverhülltem Haupt' bezieht sich vermutlich weder auf ein Kopftuch noch auf einen Schleier, sondern auf die Art und Weise der Haartracht: Die Frauen sollen nicht mit gelöstem Haar am Gottesdienst teilnehmen (wie das in verschiedenen ekstatischen Kulten der Fall war).

Paulus geht es in seiner Argumentation also vor allem darum, dass sich die Leute in der Gemeinde von Korinth an die üblichen Sitten halten. Beinahe amüsant ist dabei, dass Paulus in seinen Argumenten ins Stolpern gerät. Die griechische Sitte ist, dass die Männer den Frauen übergeordnet sind. Das versucht Paulus mit einem Bezug auf die Schöpfungsgeschichte auch christlich zu begründen (Verse 7-9). Dann aber argumentiert er wieder ganz entgegengesetzt dieser Unterordnung. (Verse 11 und 12) Hier macht er deutlich, wie gleichberechtigt beide sind."

(Quelle: fragen.evangelisch.de)

So vorgetragen ist das natürlich Blödsinn, denn Christinnen müssen nach der Bibel im Alltag natürlich kein Kopftuch tragen.

Allein, es gibt einige Sondergruppen (freie Gemeinden), welche im Gottesdienst zumindest den Frauen nach Paulus abverlangen eine "Kopfbedeckung" zu tragen, frei nach 1. Korinther 11, 3 - 6.

Mal sehen, ob ich noch einen ganz bestimmten Link als Erklärung dazu finde.

Und hier ist schon einer:

https://fragen.evangelisch.de/frage/7908/mussen-frauen-im-gottesdienst-eine-kopfbedeckung-tragen

Es geht nicht darum, im Alltag eine Kopfbedeckung zu tragen, sondern um die Kirche und den Gottesdienst.

Ob man das für sich verbindlich betrachtet - ist eine andere Baustelle.

Aber wer das Hausrecht hat, kann auf eine Kleiderordnung wert legen.

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@AngelaHoppe

So verstehe ich das auch. Allerdings habe ich angenommen, dass das aus meiner Antwort auch so ersichtlich ist.

LG bonamie

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Ich antworte dir trotzdem. Lese mal in der Bibel: 1. Korinther 11 Vers5-6 Hier:

Ein jeder Mann, der betet oder prophetisch redet und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt. 5Jede Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. 6Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Wenn es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie sich bedecken.

Ich kenne aus den Erzählungen meiner Eltern, dass es bis in die 1960er Jahre in vielen ländlichen Gegenden in Süddeutschland üblich war, dass die Frauen Kopftücher getragen haben. Ohne Kopfbedeckung giengen sie nicht in die Kirche. Übrigens gab es bis damals auch getrennte Bereiche für Männer und Frauen.

Ich selbst trage in der kälteren Jahreszeit eine Mütze. Als ich vor etwa 5 Jahren Dinkelsbühl besuchte, wollten wir auch das St.-Georgs-Münster besuchen. Ich wurde beim Betreten der Kirche aufgefordert meine Mütze abzunehmen oder wieder die Kirche zu verlassen. Das war übrigens nicht sehr freundlich gesagt worden.

Bist du zum Islam konvertiert?

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Es gibt christliche Gemeinschaften, die nehmen die Anordnung zur Kopfbedeckung von Paulus sehr ernst.

Wenn du bei anderen Glaubensgemeinschaften vorbeischaust, dann solltest du dich an die dortigen Vorgaben auch halte. Hat was mit Respekt zu tun.

Und manche machen halt von ihrem Hausrecht gebrauch, und weisen jeden ab, der sich nicht dran hält.

Fürchterlich...

Es kann doch nicht sein, dass Christen andere Christen bzw. Menschen überhaupt abweisen und nicht in ihre Gemeindeveranstaltungen lassen.

Der Hintergrund dürfte 1. Korinther 11,5-6 sein. Wenn die Gemeinde diese Stelle so auslegt, dass Frauen Kopftücher im Gottesdienst tragen müssen, sollte sie trotzdem neuen Besuchern die Möglichkeit geben, den Gottesdienst besuchen zu können. In einem freundlichen Gespräch kann man ja dann die eigene Meinung erklären.

Aber Menschen ausschließen hört sich so gar nicht nach Jesus Christus an, der sich selbst mit den Ausgestoßenen und Verachteten der Gesellschaft (Zöllner, Prostituierte, Kranken usw.) traf und sie respektvoll behandelte.

Dass du nicht in dieser Gemeinde gelandet bist, könnte vielleicht sogar kein Nachteil sein. Vielleicht hat Gott dich vor einer Gemeinde bewahrt, die viele eigene (= nicht unbedingt in der Bibel zu findende) Regeln, Rituale und Traditionen hat. Vielleicht...

Die Frage wäre noch, was die Korintherstelle bedeutet. Dazu mal zwei interessante Erklärungen:

In der MacArthur-Studienbibel findet sich zu 1. Korinther 11,5-6:

"Frau ... betet oder weissagt. Paulus erteilt klare Anweisungen, dass Frauen bei den Zusammenkünften der Gemeinde nicht leiten oder reden dürfen (vgl. 14,34; 1Tim 2,12), aber sie dürfen vor Ungläubigen beten oder ihnen das Evangelium erklären oder auch Kinder und andere Frauen belehren (vgl. 1Tim 5,16; Tit 2,3.4). Wenn Frauen öffentlich beten oder das Wort Gottes verkünden, müssen sie sich dabei in angemessener Weise vom Mann unterscheiden. unbedecktem Haupt.

In der Kultur Korinths symbolisierte die Kopfbedeckung einer Frau, die öffentlich diente oder anbetete, ihre Unterordnung gegenüber ihrem Ehemann. Der Apostel legt hier kein absolutes Gesetz für Frauen fest, dass sie in allen Gemeinden zu allen Zeiten Kopftücher oder Schleier tragen sollten, sondern erklärt, dass die Symbole der von Gott verordneten Geschlechterrollen erkennbar respektiert werden sollen. Wie beim Götzenopferfleisch (Kap. 8; 9) birgt es an sich nichts Geistliches in sich, ob man eine Kopfbedeckung trägt oder nicht. Aber es war falsch, Rebellion gegen Gottes Ordnung auszudrücken.

schändet ihr Haupt. »Haupt« kann sich auf die Frau selbst beziehen, da es eine Schande für sie ist, wenn sie die anerkannten Symbole der Unterordnung ablehnt, oder es bezieht sich auf ihren Ehemann, auf den sie durch ihr Verhalten Schande bringt.

11,6 schändlich ... das Haar abschneiden ... zu lassen. Damals schnitten sich höchstens Prostituierte oder Feministinnen die Haare ab. Wenn eine Christin die Kopfbedeckung verweigerte, die in jener Kultur ihre Unterordnung ausdrückte, könnte sie sich genauso gut den Kopf kahlscheren lassen - die Schande wäre dieselbe."

Im Walvoord-Bibelkommentar steht zu 1. Korinther 11,5-6:

"Wenn es auch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, deuten doch viele Belege darauf hin, dass sowohl in der jüdischen (Mishnah, Ketuboth 7. 6; babylonischer Talmud, Ketuboth 72 a - b) als auch in der gräco-romanischen Kultur des 1. Jahrhunderts (Plutarch, Moralia 3.232 c; 4. 267 b; Apuleius, Der goldene Esel 11. 10) die Frau in der Öffentlichkeit ihr Haupt bedeckt tragen mußte. Die Art und Weise, wie diese Forderung erfüllt wurde (Ovid, Liebeskunst 3:135-65), war zwar sehr unterschiedlich, doch gewöhnlich scheint ein Teil des Übergewands wie eine Kapuze über den Kopf gezogen worden zu sein.

Es hat den Anschein, dass die korinthische Parole "alles ist erlaubt" auch in den Gemeinde Versammlungen dominierte. Offensichtlich hatten sich auch die Korintherinnen dieses Prinzip zu eigen gemacht und die sie als Frauen kennzeichnenden Kopfbedeckungen abgelegt. Wichtiger ist jedoch, daß sie offenbar auch gegen ihre untergeordnete Stellung innerhalb der Gemeinde (und vielleicht auch in der Gesellschaft) und damit gegen jedes kulturelle Symbol (z. B. die Kopfbedeckung), in dem sich diese Unterordnung äußerte, aufbegehrten. Nach Paulus ist die Ablegung der Kopfbedeckung jedoch nicht etwa ein Ausdruck der Befreiung, sondern eine Herabwürdigung ihrer selbst. Ebensogut könnten sie sich die Haare scheren - damals ein Zeichen der Schande (Aristophanes, Thesmophoriazysae 837) -, denn mit ihrem unbedeckten Kopf entehren sie sich selbst und ihr geistliches Oberhaupt, den Mann."

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