Konzentrationslager und Vernichtungslager-was wusste man damals darüber und durfte man darüber sprechen?

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6 Antworten

Alle wussten es, zumindest die älteren Jugendlichen und die Erwachsenen. Wie ich darauf komme? Lager gab es überall in Deutschland, viele fabriken hatten Zwangsarbeiter, die wurden gesehen. Man hat auch bemerkt, dass Nachbarn verschwinden.

Beweise sind Flüsterwitze aus der Zeit, die deutlich machen, dass die Menschen Bescheid wussten:

"Was gibt es für neue Witze" - "3 Jahre Dachau".

In Polen hat übrigens nicht nur die SS Verbrechen begangen - hier waren Polizeibataillone tätig, also normale Polizisten! und man brauchte viel Personal für die Vernichtungslager, die Eisenbahner, die Fabrikanten - da gab es öffentliche Ausschreibungen und die Leute haben sich beworben- es wurde nicht verheimlicht, was da passiert, das Personal durfte auch Urlaub zu Hause machen.

Der beste Beweis sind die Anti-Euthanasie-Predigten des Bischofs von Galen - Behinderte und psychisch Kranke wurden im T4-Programm getötet - im deutschen Reich. Von galen hat sich dagegen gewehrt und es gab Widerstand gegen die Euthanasie im Reich - darum hat man das Ganze aus dem Blickfeld der menschen hinaus verlagert.

Wichtig ist noch der Aufstand in der Rosenstraße in Berlin - jüdische Ehegatten von deutschen arbeiterinnen waren deportiert worden, die Frauen demonstrierten massiv, die Männer kamen (ich glaube alle) zurück - teilweise aus Auschwitz. ein schöner Beleg dafür, dass sich das Regime sehr wohl mit Druck und massivem widerstand bewegen hätte müssen.

Das Ausmaß des industriellen Mordens konnten sicher nicht alle diese personen beurteilen, aber dass gemordet wurde, war klar.

Lies dazu auch Daniel Goldhagen, Hitlers willige Helfer

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lschiller 31.01.2016, 10:38

Danke :3

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Viele wussten es nicht, aber sie ahnten es. Es fällt auf wenn allein über 6 Mio Juden auf einmal nicht mehr da sind, von anderen Volksgruppen ganz zu schweigen.

Die die in unmittelbarer Nähe zu KZs wohnten wussten es mit Sicherheit, meist aber verdrängten sie es aus Angst und hinterfragten es auch nicht, da sie zu dieser Zeit andere Probleme hatten (Krieg, Hunger, verstorbene Verwandte).

Die die im Militär waren, v. a. der SS, GeStaPo und höherrängige Mitglieder der NSDAP wussten es sicherlich und arbeiteten auch fleißig daran mit.

Darüber sprechen durfte man schon, aber wenn das jemand mitbekommen hatte, konnten diejenigen in ernste Schwierigkeiten kommen, egal ob sie dem gegenüber positiv oder negativ gestimmt waren, da man nicht wollte, dass die breite Masse davon Wind bekommt.

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lschiller 29.01.2016, 21:37

Danke, du hast mir echt weitergeholfen! :D

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Hegemon 29.01.2016, 23:40

Im Wesentlichen richtig, aber:

Die 6 Millionen stammten zum größten Teil nicht aus Deutschland. Dort gab es 1933 etwa 500.000, von denen bis 1941 ungefähr 300.000 das Land verließen. Etwa 200.000 fielen ab 1941 dem Holocaust zum Opfer.

Die Vernichtungslager befanden sich zudem alle außerhalb Deutschlands.

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Es gingen in der normalen Bevölkerung so etwa ab 42 schon Gerüchte über Greultateen und Tötung von Juden um. Großteils durch Infos von Landsern aus Rußland die auf Heimaturlaub waren und etwas mitbekommen haben. Bescheid wußten natürlich alle hochrangigen Partei und Militärführer. Aber es war sehr gefährlich offen darüber zu reden. Die Gestapo hatte ihre Spitzel überall und wer sowas sagte wurde sofort verhaftet.

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Von einem (2013 verstorbenen) über 104 Jahre alten Verwandten bzw. Familienmitglied weiss ich, dass es damals weitaus mehr Leute wussten als später zugegeben wurde.

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Nur eingeweihte wussten davon, und denen war es strikt verboten davon zu berichten. Als beispielsweise Behinderte aus Krankenmhäuser in KZs verlagert wurden wurde ihren Freunden erzählt "Die kommen jetzt in den Himmel"


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feirefiz 31.01.2016, 12:30

Lieber Willi,

na ja, an die Angehörigen wurde die Sterbeurkunde geschickt - immer mit erfundenen, aber manchmal unpassenden Todesursachen.

So starben viele Behínderte laut Urkunde an z.B. TB, aber den Angehörigen war klar, dass der Verstorbene kurz vorher noch quicklebendig gewesen war.

Bitte misch nicht das Euthanasieprogramm mit den Vernichtungslagern - das liegt zeitlich eher nacheinander (mit Überlappung, klar) und ist auch räumlich und vom Vorgehen getrennt.

T4 war der erste Versuch, hier wurde auch schon Gas eingesetzt, aber in der Regel in den Krankenhäusern, die geschickterweise oft ein eigenes Krematorium hatten oder zumindest eine Morgue.

In den Vernichtungslagern war das Ganze dann ausgefeilter, um große mengen an Menschen schnell und "effektiv" (verzeih, aber der Begriff passt, auch, wenn es gruselig ist)morden zu können.

Ich kann mir kaum vostellen, dass den Freundne in den heimen und Krankenhäusern was vom himmel erzählt wurde - wer eingefleischter Nazu war, hatte es nicht so mit der Religion und der wäre, so vorhanden, kaum für "lebensunwertes Leben" (verzeih, die Begriffe tun weh!) offen gewesen.

Ich schließe aber nicht aus, dass in einem tiefkatholischen Teil Ds eine Schwester so etwas gesagt haben könnte.

Eine Schweigepflicht (außer bei ärztlichem personal oder bei der SS)hat es nicht gegeben. Aber viele haben nicht darüber gesprochen, weil sie das Vorgehen entweder für normal hielten oder sich geschämt haben.

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EmperorWilhelm 31.01.2016, 19:03
@feirefiz

Vielen Dank für diesen langen und aufschlussreichen Text! Sie haben mir sehr geholfen. Ich weiss es sehr zu schätzen dass sie mich an ihren Kenntnissen teilhaben lassen.

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Es gibt zwar Dokus (z.B. von Auschwitz) wo Leute aus den anliegenden Dörfern angeblich nichts wussten. Ich bin mir sicher viele wusstn davon, haben es aber ignoriert.

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