Kontinuierliche Schimmelkultur?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Als Privatperson ist eine Schimmelkultivierung sowieso nicht zu empfehlen. Vor allem, wenn du ihn nachher als Starterkultur zu einem Lebensmittel dazu gibst. Ich meine du kannst es ausprobieren, aber ich hafte nicht für etwaige Durchfälle und Darmprobleme. Wenn du jetzt noch nicht abgeschreckt bist dann lass nen Kommi da und ich erklärs dir.

Meinst du, das Kontaminationsrisiko ist zu hoch? Ich möchte es gerne probieren, denn die jetztigen zu beschaffen hat 3!!! Jahre gedauert x.x :)

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@lapilliform

Naja ich denke nicht, du hast einen Autoklaven daheim stehen. Du müsstest deine Nährlösung (und dein Weizenschrot eignet sich dafür bestimmt nicht) zuerst autoklavieren bevor du deine Sporen hinzugibst, ansonsten bekommst du 100%ig eine Kontamination rein.

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@Maximum12345

Naja, die jetztigen Pilze sind ja auch auf Weizen+Weizenkleie gewachsen. Ich werde es jedenfalls versuchen und bin dankbar für Tipps

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@lapilliform

Das kann schon sein, aber du musst halt ewigs warten bis du eine gute Ausbeute hast.

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@lapilliform

"Wenn du jetzt noch nicht abgeschreckt bist dann lass nen Kommi da und ich erklärs dir."

Das Angebot würde ich wirklich gerne annehmen :)

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@Maximum12345

Also jetzt habe ich Zeit:

Zum Nährmedium: Hier würde ich ganz klar Malzextrakt-Agar empfehlen. Ist nicht teuer, alles drinn was der Pilz an Nährstoffen benötigt und es ist ziemlich anwenderfreundlich. In der Industrie werden Rührfermenter (Submersverfahren) verwendet. Da dies aber einen ziemlich komplexen Downstreamprozess benötigt, verbleiben wir beim Emersverfahren. So als allererst benötigst du einen Bunsenbrenner eine Impföse (da kannst du theoretisch auch einen Draht verwenden, musst halt nur aufpassen, dass es kein Schwermetall ist, welches die Mikroorganismen hemmt. Feuerfest muss er zudem auch sein) und Petrischalen (aufpassen, dass es sterile Petrischalen sind), sowie deine fertige Nährlösung (wie gesagt es empfiehlt sich Malzextrakt-Agar, welchen du bei Carl Roth ziemlich billig bekommst). Die Nährlösung sollte übrigens steril sein, deshalb vorher abkochen (hierbei empfiehlt sich eine Glasflasche die du in den Mikrowellenherd stellst. Aufpassen: Es kann ziemlich schnell überkochen, deshalb nicht zu voll anfüllen und ja nicht zuschrauben ansonsten kannste dir ne neue Mikro kaufen ;D)

So kommen wir nun zur Kultivierung:

Bei gefriergetrockneten Präparaten:

Du nimmst deinen heißen Malzextrakt und leerst circa 10ml (keine Sorge muss nicht so genau sein, schau einfach, dass der Boden der Petrischale mit Nährlösung gut bedeckt ist -> Die Nährlösung sollte zumindest schon ein paar mm stehen) in die Petrischale. Nun lässt du die Lösung abkühlen (aufpassen, dass der Deckel immer aufgesetzt wird und nach jeder Petrischale den Glasflaschenverschluss in den Bunsenbrenner halten -> so vermeidest du Kontaminationen durch unsauberes arbeiten). Nun streust du deine Sporen darüber (ja nicht mit den Händen berühren, sondern nur mit einem Löffel daraufstreuen und nicht zu viel, du willst ja Gewinn machen ;D). Deckel wieder daraufsetzen und bei Zimmertemperatur stehen lassen. Wenn deine Schale komplett bewachsen ist kannst du den Schimmel abschaben und in ein Säckchen geben (-> aufpassen, dass du hier auch keine Verunreinigungen reinbekommst, deshalb empfehle ich dir auch sterile Säckchen. Die Sporen müssten diese Aufbewahrung eigentlich verkraften, außer du frierst sie ein). 

Für eine erneute Kultivierung einfach eine der bewachsenen Schalen nehmen und mit deiner Impföse (die vorher in die Brennerflamme zum glühen gebracht wurde und dann im Nährmedium der Schale ausgedämpft wurde) oder dem Draht die Sporen abschaben und auf eine neue Platte (selbe Herstellung des Agars wie oben) auftragen (wichtig ist hier, dass du die Oberfläche des Agars nicht zerstörst). Deckel wieder rauf und wieder bei Zimmertemperatur abwarten.

!!!Erwarte dir keine großen Ausbeuten (für deinen Zweck wirds wahrscheinlich reichen), denn du kannst die Temperatur nicht genau regulieren!!!

Alles in allem, werden deine ersten Platten vielleicht verunreinigt sein, aber jeder weiß, Übung macht den Meister. Dazu raten würde ich dir aber trotzdem nicht, weil du deine ganzen Räume mit Sporen kontaminierst und falls du Penicillium hättest könnte es auch durchaus zum Wandschimmel kommen. Auch ist die Küche zu meiden weil die Mucor-Arten ziemlich gerne Brot befallen. Am besten überimpfst und kultivierst du in Räumen die nicht so oft betreten werden. Fenster aufmachen ist übrigens ein totales No-Go also immer schön geschlossen lassen. Sobald der Deckel auf der Platte oben ist, kannst du aber wieder lüften, sofern du die Schalen nicht direkt im Zug hast. So genug zu den Sicherheitshinweisen, du wirst es ja sowieso machen, egal was ich sage :D

Bei Fragen nur zu!

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@Maximum12345

Hey, wow, das ist ja echt voll lieb und ausführlich! Danke!!!

Meine Pilze sind, wie Sophantastic erkannt, keine Reinkulturen, sondern ein Starter für's Reisweinbrauen. Meinst du, da ist es vielleicht wirklich besser, einfach den Wein immer weiterzufüttern?

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@lapilliform

Ja also leichter geht es allemal. Du kannst aber trotzdem mal eine Reinkultur anzüchten (wie ich es oben beschrieben habe) und dann die Sporen in den Wein packen. Theoretisch müsste es dann schneller gehen. Ob du dir den zusätzlichen Aufwand wirklich antust, liegt aber bei dir und ganz ehrlich gesagt rentiert sich das meiner Meinung nach nicht. 

Wünsche dir noch viel Spaß ;)

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@Maximum12345

Vielen Dank! Echt :)

Ich glaub ich werde die Reinkultur definitiv mal ausprobieren und bis ich das ganze Zeug beschafft habe kann ich ja Sophantastics Methode anwenden.

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Hey! Rhizopus, Mucor und Aspergillus in Weizen? Das klingt aber enorm nach Nuruk. Machst du vielleicht Makgeolli?^^

Wenn dem so ist: du kannst natürlich versuchen, das ganze weiter in einer Mischung aus 50% Weizen und 50% Kleie kultivieren - am besten im Kühlschrank, die mögen niedrigere Temperaturen. Von allzu professionellen Methoden würde ich abraten. In Nuruk sind nicht nur Schimmelpilze, sondern auch Hefen und Bakterien. Ist deine Methode zu spezifisch, könnte es sein, dass du da die Zusammensetzung veränderst. 

Autoklavieren könntest du jedenfalls in einem Druckkochtopf, wenn du das hast. Mache ich auch immer. Und wenn  man ehrlich ist, ist ein Autoklave auch nur ein mehr oder weniger größerer Druckkochtopf ;)

Was eventuell das Problem ist: ich bin nicht sicher, ob in dem Nuruk, das man so kaufen kann noch lebendige Schimmelpilze sind oder nur Enzyme. (sollte vielleicht mal eine Probe auf die Uni mitnehmen und ausprobieren...)

Also was ich an deiner Stelle WIRKLICH machen würde: Zweige von deinem fertigen Makgeolli ein bisschen was ab und starte damit neue Ansätze. Ähnlich wie mit Sauerteig. Damit hast du auch nicht so viel Arbeit, weil man den Ansatz ja sobald er mal gefüttert ist durchaus 2 Wochen stehen hat, bis der fertig ist.

Im Übrigen kannst du diesen thread hier verfolgen, vielleicht kommen da noch ein paar mehr Infos:

http://www.homebrewtalk.com/showthread.php?t=558934

Damn du kennst das? Ich hätte  nicht gedacht, dass ich jemals jemanden treffen würde, der auch Makgeolli braut.

Die Idee mit dem Reiswein weiterfüttern klingt irgendwie sinnvoller, als was ich mir ausgedacht habe. Hast du schon Erfahrungen damit gemacht?

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Es geht im speziellen vorrangig um Rhizopus, Mucor und Aspergillus Arten.

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