Konnten Langbögen im Mittelalter Ritterrüstungen penetrieren.?

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8 Antworten

Hallo

kurze Antwort, ja auf jeden Fall!

Wir müssen aber unterscheiden, am Ende der Vollrüstung im 18 Jahrhundert würde ein Langbogen nicht mehr ausreichen, das Ende der Plattenrüstung kam durch besser werdende Feuerwaffen. Die Rüstung war einfach nicht mehr brauchbar. 

Sprechen wir von der Rüstung im 14. bis 16. Jahrhundert konnte ein Langbogenpreil die Platte der Rüstung durchschlagen den Mann darin aber nicht verletzen oder gar töten. Das liegt an der Bauweise und Schichtung der Rüstung. 

- Bauweise, Abgerundete Flächen die Pfeile ablenken. 

- Schichtung, direkt auf der Haut trägt der Kämpfer normale Kleidung. Darüber eine schicht aus vielen vielen Schichten Leinen (Polster), über dem Polster Kettenrüstung und dann erst die Vollplatte. 

Einen Pfeil durch alle Schichten zu bekommen ist kaum möglich, auch nicht für einen Kriegspfeil abgefeuert eines Langbogens aus kurzer Distanz. 

Interessant ist auch das Hollywood den Kampf der Bogenschützen sehr oft falsch darstellt, es wurde mehr aus kurzer Distanz gerade geschossen nicht über weite Strecke. 

°LG

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Kommentar von AppleTea
10.03.2016, 06:31

sehr informativ!

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Dieses Video beantwortet den ersten Teil deiner Frage recht gut:

Dazu muß man aber auch sagen, daß eine solche Platten-Rüstung auf Grund der Kosten eher die Ausnahme auf dem Schlachtfeld war - die meisten Kämpfer konnten sich (wenn überhaupt) höchstens ein Kettenhemd leisten.

Aber selbst ein so gerüsteter Gegner war kein unüberwindbarer Feind. Zum einen hat jede Rüstung Schwachstellen (z.B. Helmschlitze, Innenseite der Gelenke), die Armbrust konnte als Fernwaffe solche Rüstungen durchschlagen und im Kampf Mann gegen Mann hat ein weniger stark gepanzerter Kämpfer einen nicht unerheblichen Beweglichkeits- und Ausdauer-Vorteil. 

Nicht zu vergessen ist auch der Punkt, daß die Rüstung zwar spitze Waffen abwehrte, stumpfe Gewalt aber nur durch die darunter liegende Kleidung  (ggfs. Wattiert) abgemildert wurde. Waffen wie Streitkolben oder Morgenstern waren somit effektiv einsetzbar.

Des weiteren gab es auch die Technik des kurzen Schwerts (auch Halbschwert genannt), bei der das Schwert mit einer Hand am Heft und der anderen an der Mitte der Klinge geführt wurde. Ziel war der Stoß in eine Schwachstelle  (z.B. Achselhöhle), das Umwerfen des Gegners (mit der schweren Rüstung war man der sprichwörtliche "Käfer auf dem Rücken") oder auch der sogenannte Mordhau, bei dem das Schwert umgedreht und der Schwertknauf als Hiebwaffe eingesetzt wurde. Im Codex Wallerstein aus dem 16. Jhd. sind diese Techniken detailliert beschrieben. 

Das endgültige Aus für Rüstungen war natürlich die Verbreitung von Feuerwaffen in der Neuzeit - gegen eine Bleikugel half keine Rüstung. 

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Kommentar von MarkusKapunkt
10.03.2016, 13:40

Sehr gute Antwort 

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Kommentar von BradleyBiggle
10.03.2016, 19:22

Gutes Video, Danke. 

Endlich mal ein Bogenbauer der auch weis was er baut :-) Solche Tests habe ich schon mit Fieberglas Bögen gesehen... 

Leider aber wurde die Zugkraft falsch angegeben, bis zu 70 Kilo konnte so ein Bogen benötigen. 

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Ein mit dem Langbogen abgeschossener Pfeil hatte eine hohe Reichweite und wegen seiner hohen Aufschlagsenergie genug Wucht, um dicke Eichenschilde und sogar Rüstungen zu durchschlagen. Dies machte ihn zu einer effizienten Waffe gegen schwere Kavallerie (z.B. bei der Schlacht von Azincourt). Allerdings war die Ausbildung von Langbogenschützen eine kostspielige und zeitaufwändige Angelegenheit, was sie nach dem Aufkommen von Feuerwaffen nach und nach zu einem zu teuren Luxus machte. Doch gab es noch im 16. Jahrhundert einige Schützen, dies belegt ihre immer noch gegebene Effizienz.

Um einen Ritter in seiner Rüstung zu verletzen braucht man einen Impaktor mit hoher Durschlagsenergie. Man schafft dies aber auch mit einem Armbrustbolzen, einer langen Lanze

 oder mit einem beidhändig geführten Schwert, bei dem man weit auseinander oder auch an die Klinge greift. 

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Kommentar von BradleyBiggle
10.03.2016, 06:09

Und mit diesem Schwert schneidet man dann den Mann in Rüstung in zwei Hälften?

Stahl schneidet keinen Stahl. 

Was du meinst ist die Halbschwert Technik mit der man versucht in die Lücken der Rüstung zu stechen. 

In der Schlacht von Azincourt wurde auf kurze Distanz mit Bögen geschossen (im Ansturm) nicht über weite Distanz. Bogenschützen waren auch sehr geschickt mit Schwert/Falcion

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Langbögen konnten schon ordentliche Löcher machen, wobei hier aber auch meist ein günstiger Aufschlagwinkel gegeben sein musste. "Schräge Treffer" prallten viel eher einfach ab.

Viel effektvoller waren Pfeil und Bogen vermutlich gegenüber den Pferden. Die sind größer, weitgehend ungepanzert und viel leichter zu treffen. Und in voller Rittermontur von einem galloppierenden Pferd zu stürzen ... da liegt man dann wie eine auf den Rücken gedrehte Salatschildkröte....

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Es gab sehr wohl Bögen, deren Pfeile auch eine Ritterrüstung durchbohren konnten, wenn diese nicht ausreichend gepanzert war. Erst recht war dazu eine Armbrust geeignet.


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Die typischen Vollrüstungen, die gerne als "Ritterrüstung" bezeichnet werden waren für die damaligen Waffen nicht zu durchdringen. Jedoch waren sie so dermaßen schwer, dass ein umgeworfener Ritter hilflos am Boden lag wie eine Schildkröte auf dem Rücken.

Die Ritterschaft endete geographisch nicht überall auf dieselbe Weise. In einigen Gebieten waren es die fortschrittlichen Schusswaffen die auf einmal Rüstungen durchdringen konnten, in anderen war es die schlechte Bewegungsfähigkeit der Ritter, welche von aufständischen Bauern ausgenutzt wurde.

Mit Mistgabeln und Stöcken hat man die Ritter von ihren Pferden geworfen und als sie am Boden lagen umgebracht.

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Kommentar von BradleyBiggle
10.03.2016, 21:12

Ja es gab Rüstungen die schwer waren aber niemals so schwer das ein am Boden liegender nicht wieder aufstehen konnte. Warum sollte man in einer Rüstung die den sicheren Tod bedeutet wenn man schlicht stolpert kämpfen wollen?

Man geht auch nicht mit einem Stein auf den Rücken gebunden schwimmen... 

Eine Rüstung wiegt 25 bis 50 Kilo verteilt auf den ganzen Körper, das ist kein Problem. Ich hatte selbst schon öfters eine an. 

Ich konnte rennen, springen und selbstverständlich aufstehen. 

°LG

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Eine Vollrüstung (Platte) ist sehr schwer und für den Kampf völlig ungeeignet. Würde Dir ein Gegner in Vollrüstung gegenüber stehen, wär es ein leichtes, ihm auf Entfernung auszuweichen, bis er erschöpft ist. Gegen Platten wurden Schlagdorne entwickelt. Außerdem konnte durch Verbeulen die Bewegungsfähigkeit der Gelenkstücke stark eingeschränkt werden.

Wenn ein Kämpfer in Vollrüstung gegen einen in leichtem Kettenpanzer antritt: ich würd auf den in der Kette wetten ;)

Ein Langbogenpfeil konnte je nach Auftreffen aber auch durchschlagen, zumal aus obigen Gründen meist gemischte Panzerung getragen wurde.

Da man zwangsläufig unter der Platte weiches Material tragen musste, reichte damals mit Sicherheit auch ein in Pech getränkter Brandfeil.

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Kommentar von MarkusKapunkt
10.03.2016, 06:05

Plattenrüstungen wurden jedoch selten zu Felde, sondern eher bei Turnierkämpfen getragen. 

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Schau dir mal die Doku ab Minute 8 an. Ich glaube, dass hat weh getan.

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Kommentar von BradleyBiggle
10.03.2016, 06:27

Eine der schlimmsten Dokus die ich je gesehen habe. 

- Ohne Helm in eine Schlacht zu gehen (wie hier gesehen) ist im Vergleich so als würde man sich vor der Schlacht an einem Baum aufhängen. Der sichere Tod. 

- Das Schwert ist in einer solchen Schlacht höchstens eine zweit Waffe. Stahl schneidet keinen Stahl! Kriegshammer und Schlagkolben sind die Waffen dort. 

- Bogenschützen die sich gegenüberstehen und halten 70 kg über Minuten? Da kann man nix mehr treffen nach so einer Belastung. 

- Totes Fleisch hat mit lebendem Gewebe nichts zu tun. 

- Der Wagrecht Schwung ist einfach lächerlich. 

- 1361 hatten etwa 1% der "Soldaten" Plattenrüstung, sie war einfach zu teuer! Das waren Bauern die zum Kampf für ihren Herrn gezwungen wurden. 

- Armbrust und Bogen sind nicht vergleichbar

Den Rest schenke ich mir... 

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