konnte man früher über die mauer hinweg miteinander reden?

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8 Antworten

Anfangs ging es wohl noch, aber dann wurden Fenster von Häusern, die an der Mauer standen, zugemauert, andere Häuser abgerissen und die Mauer an einigen Stellen 3-fach verstärkt und mit Todesstreifen versehen.... Ich bin kurz nach der Wende in ein Haus gezogen, das direkt an der Mauer stand (Ostseite). Nachbarn erzählten, dass man das Haus zu DDR-Zeiten nur mit Passierschein betreten durfte, es gab also eine "Vormauer", außerdem war ein Wachtturm in der Nähe. Dafür konnte man um Mitternacht noch auf der Straße Federball spielen - wegen der taghellen Beleuchtung. In den oberen Stockwerken wohnte niemand, dort befanden sich konspirative Wohnungen der Stasi (also Wohnungen, in denen Stasi-Offiziere ihre Zuträger - IM genannt - empfingen). Auf den Dachboden durfte auch niemand hinauf, dort patroullierten die Grenztruppen. Von einer anderen ehemaligen Bewohnerin erfuhr ich, dass in der Zeit, zu der sie dort wohnte, sämtliche Häuser in Grenznähe abgerissen wurden, um freies Schussfeld zu haben. Dieses Haus blieb nur verschont, weil man darin kurz zuvor Bäder eingebaut hatte und diese Investition nicht in den Sand setzen wollte.

Also wurde schon dafür gesorgt, dass man sich über die Mauer hinweg nicht unterhalten konnte.

babulja 17.06.2011, 16:05

Sag ich doch! Wenn du jetzt noch versuchst nachzuvollziehen, warum die genannten Leute (die Bösen, die!) das alles genau so gemacht haben, dann kommen wir vielleicht zu einer sachlichen Antwort!

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Claud18 17.06.2011, 16:49
@babulja

Damit ihnen die bösen Untertanen nicht davonlaufen.

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Claud18 17.06.2011, 17:28
@Claud18

Und jetzt im Ernst: ich fühlte mich ständig drangsaliert und bedroht, aber nicht von den bösen westdeutschen Imperialisten, sondern von jenen, die mir vorschrieben, was ich zu sagen und zu denken hätte und die mich mit der Todesdrohung durch eine übermäßig gesicherte Grenze daran gehindert haben, mir mal selbst ein Bild von der westdeutschen Wirklichkeit zu machen.

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Das war schon möglich, habe es selbst in den 80iger Jahren praktiziert. In Westberlin gab es Hochstände, von denen aus man auf Ost- oder Randberliner Gebiet sehen konnte.Da der Sperrstreifen aber sehr breit war, konnte man sich nur laut rufend "unterhalten"!Dazu hatte ich die "Zaun-Gäste" zu einer bestimmten Zeit bestellt und wir konnten uns sehen und sprechen. Das war allerdings so nervig, dass ich es nur einmal gemacht habe.Manche Häuser standen auch so dicht an der Mauer, dass man sich von Haus zu Haus hätte unterhalten können, wenn man gewollt hätte. Verboten war es wohl nicht, denn man konnte ja auch miteinander telefonieren. Allerdings hat dann die Stasi mitgehört, und an der Grenze war sie nicht immer so dicht am Gespräch!Siehe hier: www.geo.de/GEO/fotografie/fotogalerien/65668.html?t=img&p=11#content

eig. nicht weil es dann ganz klar war für die soldaten das der jeunge/maädchen überdie mauer springen wollte das ist praktisch nicht legal gewesen vorallem waren vor der mauer erstmal 4e soldaten dann stachelkzäune und eine grube wo man reinfallen könnte also erher wahrschinlich nicht

Anfangs war es noch an einigen Stellen möglich. In der Bornholmer Straße auf dem Grenzstreifen stand eine Kirche, in der sich die ersten Jahre nach dem Mauerbau Menschen aus Ost und West zu bestimmten Zeiten zum Gottesdienst treffen durften.

Wir kamen als Touristen Ende der 80er Jahre von Ostberlin aus gar nicht an die Mauer heran, in Mauernähe standen schon die Grenzsoldaten. Das Brandenburger Tor, das direkt an der Mauer stand, und den Pariser Platz durften wir nur ein paar Minuten mit Torist guide ansehen. Privat kam man nur etwa bis zur heutigen russischen Botschaft, die direkt an den Pariserplatz grenzt und ca 100 m. vom Brandenburger Tor entfernt liegt.

Der Sperrstreifen war teilweise einige hundert Meter breit.

Ganz am Anfang wohl schon noch, später nicht mehr, weil man garnicht erst nahe genug an die Mauer herangekommen ist um zu reden. War ja alles überwacht und gesichert.

Nein. Nur in Berlin war es eine Mauer und die war absolut dicht. Die andere Grenze, die durch ganz Deutschland führte war ein Todesstreifen mit Stacheldraht, Selbstschussanlage, bissigen Hunden, Schießbefehl und das in mehrfacher Ausführung

Aristotelis1 15.06.2011, 17:35

das es nur eine mauer war ist ja klar. man konnte ja schlecht ne 400km lange maur bauen...obwohl, in china hats auch geklappt

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SupraX 15.06.2011, 17:43
@Aristotelis1

400km waren ja auch nicht nötig, so groß ist Berlin jetzt auch wieder nicht ;-).

Die Mauer stand ja nicht von Anfang an, zu Anfangszeiten der DDR konnte man sich schon noch unterhalten, auch wenn die DDR-Führung das nicht gerne gesehen hat. Erst am Ende, als dann die Mauer hochgezogen und der Schiessbefehl erteilt wurde, nicht mehr, weil man eben auf der Ostseite garnicht soweit gekommen ist.

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Nein, denn es gab nicht nur die Mauer, sondern noch Grenzstreifen, deren Betreten für Normalbürger verboten war. Deswegen hätte man akustisch gesehen, schreienderweise, so ca. 500 Meter überwinden müssen.

Andere Frage: worüber hätte man denn reden wollen?

Über Arbeitslosigkeit in W-Berlin?

Über Drogen in Köln?

Über die Herbertstraße in Hamburg??

Über den USA- Krieg in Vietnam?

Über die Probleme im Osten konnte man nirgendwo (nicht nur an der Berliner Mauer) reden, kein Wessi hatte davon Ahnung (das aus der BILD - Zeitung kann man nicht als "Ahnung" bezeichnen!) - bis heute kaum!

pommer16 16.06.2011, 17:19

Es gab persönliche Kontakte für Menschen, die nicht nach Ostdeutschland einreisen durften, weil sie unerwünscht waren! Für diese Gruppe war das eine Möglichkeit, z.B. Verwandtschaft über Mauern zu treffen. Der Todesstreifen war mancherorts nur 50 m breit.

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babulja 16.06.2011, 18:42
@pommer16

Aber auch 50m müssen erstmal "überbrüllt" werden! Außerdem bin ich fast 100%-ig sicher, dass solche "Kontakte" von den Behörden der ehemaligen DDR nicht geduldet wurden. Jedenfalls nicht ab Ende der 60-er Jahre!

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Claud18 17.06.2011, 12:27
@babulja

Wenn Westbesuch kam bzw. unsere Rentner in den Westen fuhren, konnte man durchaus über die Probleme im Osten reden. Und wenn wir mal Westempfang hatten und "Kennzeichen D" anschauen konnten, fanden wir unseren Alltag durchaus realistisch dargestellt. Schließlich gab es nicht nur die "Bild-Zeitung".

Und worüber reden mit den Leuten aus dem Westen? Z. B. über zivilen Wehrersatzdienst, den wir auch gern gehabt hätten, aber gar nicht erwähnen durften.Über ein Praktikum der jungen Westler in Australien, deren Touren durch Nordamerika oder deren Arbeitseinsatz in einem Kibbuz in Israel.Über Waldorfschulen und Selbsthilfegruppen.Und darüber, ob das Leben im Westen tatsächlich nur aus Arbeitslosigkeit, Drogen und Kriminalität bestand, wie es uns unsere Medien immer weismachen wollten.

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babulja 17.06.2011, 15:50
@Claud18

Jetzt hast du alle Möglichkeiten dazu, auch der Bild - Zeitung und der anderen freiheitlich- demokratischen Medien!

Wenn es kein Geheimnis ist:

  • hast du Ersatzdienst geleistet (oder warst du damals bei den Bausoldaten) oder wirst ihn leisten?
  • warst du schon in Australien zum Praktikum oder vielleicht nur mal so auf Urlaub?
  • in Nordamerika auf Tour?
  • in einem Kibbuz in Israel zum Arbeitseinsatz?
  • schickst du deine Kinder (so du schon hast) in eine Waldorfschule?
  • hast du Hilfe bekommen in einer Selbsthilfegruppe?
  • wieviele aus deiner Verwandtschaft/ Bekanntschaft bekommen Hartz IV?
  • besteht die Selbsthilfegruppe da bei dir um die Ecke vielleicht aus anonymen Alkoholikern oder minderjährigen Fixern?

Oder redest du nur darüber??

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babulja 17.06.2011, 16:03
@babulja

Nachtrag: im Übrigen ging es nur um die sehr banale Frage, ob es möglich war, "über die Mauer hinweg" (also räumlich gesehen, nicht thematisch) miteinander zu reden! Und das ging eben nicht so einfach!

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Claud18 17.06.2011, 17:20
@babulja

Ich habe nur auf deine Frage: "Worüber hätte man denn reden sollen?" geantwortet.

Übrigens habe ich beschrieben, worüber wir mit westdeutschen Besuchern geredet haben und was diese uns erzählten. Da ich kein Mann bin, brauchte ich keinen Wehrdienst zu leisten, aber ich kannte eine Menge Leute, die Bausoldaten waren und die das durchaus interessierte.Ein Jahr Israel war durchaus in der Lebensplanung der mir damals bekannten westdeutschen Studenten vorgesehen. Bei diesem Gespräch erfuhr ich zum ersten Mal etwas über einen Kibbuz. Und ein Mädchen, das ein Jahr in Australien verbrachte (nach der Berufsausbildung) und dort arbeitete, kannte ich auch.

Eine Nichte meines Kollegen unternahm mit einer Freundin eine länger als ein Jahr dauernde Tour durch Nord- und Südamerika. Zwischendurch arbeiteten sie dort, dann ging es weiter. Warum sollte das kein Gesprächsthema gewesen sein? Nur, weil wir selbst nicht hinfahren durften, sollte uns das auch nicht interessieren?Übrigens: Ich war auch schon auf einer 3-Wochen-Tour in den USA, es ist allerdings schon eine Weile her. Und in Bolivien und Ecuador. Natürlich nach der Wende. Zuvor musste mich der Staat, in dem ich lebte, ja vor den lebensgefährlichen Risiken derartiger Reisen schützen.

Und auch das Thema Waldorf- oder Montessorischule war im Land der Einheitsschule interessant. Ebenso das Thema Selbsthilfegruppe. Da ging es aber nicht um die anonymen Alkoholiker (die es, soweit ich mich besinne, sogar in der DDR gab, im Schutz der Kirche) oder Fixer, sondern um weit alltäglichere Probleme.

Wenn ich Kinder hätte, hätte ich sie durchaus in eine der oben genannten Schulen geschickt.

Und was hat Hartz IV damit zu tun? Die Frage, wie es sein kann, dass man Geld bekommt und nicht dafür arbeiten muss, war für uns natürlich auch interessant.

Natürlich konnte man sich nicht über die Mauer hinweg unterhalten. Aber Themen hätte es durchaus gegeben.

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babulja 19.06.2011, 11:54
@Claud18

Claud18 - erstmal danke für deine Versuche, sachlich zu antworten.
Der konsularische Schutz eines Staates gegenüber seinen Staatsbürgern ist dessen Pflicht und war für die DDR angesichts der Nichtanerkennung ihrer Souveränität z. B. dieses Staates hier eine verdammte Notwendigkeit, auch wenn das keiner hören will und bestenfalls immer nur zu dummem Sarkasmus reicht!!

Eine Frage noch, wie gesagt, falls es kein Geheimnis ist: Hast du wenigstens die paar Chancen genutzt, die dir dieser dir offensichtlich verhasste Staat für Auslandsreisen geboten hat?

Lassen wir es so stehen, obwohl ich da noch vieles zu sagen hätte! Mir würde es genügen, wenn du einsiehst und mitbekommst, dass es viele Menschen gab und gibt, die nicht deiner Meinung sind.

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Wenn Du die Berliner Mauer meinst: neinVon der Ostberliner Seite kamst Du nicht an die Mauer heran, Du wurdest vorher schon weggefangen.

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