koniotomie als "letzte" ersthelfer-maßnahme...und dann?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

1. Zwischen dem 17. und 40. Lebensjahr lebte ich für den Rettungsdienst.

Als hauptamtlicher RA habe ich u. a. folgende seltene Notfall-Diagnosen erlebt:

  • akute Hyperthyreose
  • "Toxic-Schock-Syndrom" bei Tamponbenutzung
  • Geburt im Rettungswagen
  • (versehentlicher) Tod durch ärztliche Gabe von Visken und Isoptin
  • Totenschein trotz tastbaren Puls und ableitbarem EKG
  • ärztliche Gabe von Tee mit Grog bei Unterkühlung
  • Reanimation mit Medikamenrtengab incl. künstl. Narkose ohne Arzt
  • u.s.w.

ABER: Die Notwendigkeit, eine Koniotomie durchzuführen, hat sich auch nicht andeutungsweise ergeben.

Warum? Das ist ganz einfach:

ENTWEDER  bekommt der Pat. gerade noch genug Luft auch so, dann verbietet sich eine Koniotomie,

ODER er bekommt nicht genug Luft, dann tritt (je nach äußeren Umständen) in sehr sehr kurzer Zeit der Tod ein und eine Koniotomie kann man höchsten zum Üben unter Obhut des Rechtsmediziners vornehmen.

Das Zeitfenster, in dem eine Koniotomie sinnvoll/nötig wäre, ist extrem kurz. Selbst wenn Dir jemand geradewegs vor die Füße fiele, würden die Versuche, zunächst normal zu intubieren, schon Zeit benötigen. Ob eine Koniotomie dann noch was bringt, mag bezweifelt werden.

2. Trotzdem gibt es tatsächilch ein Buch für Erste Hilfe für Ersthelfer, verfasst von einem Prof. u. a. für Psychologie, der aber auch Notfallmediziner ist, in dem der Autor ausdrücklich auch Ersthelfern zur Koniotome rät und dazu motiviert. Aller rechtlicihen Bedenken wischt er weg.

Dieses Buch mag Gold wert sein, wenn Du Dich dem Strafrichter verantworten musst.

Der Staatsanwalt hat es dagegen leicher, weil in vermutlich allen anderen Büchern diese Maßnahme Ersthelfern nicht empfohlen wird.

Trotzdem gilt bei uns: Entschieden wird vom Richter, nicht vom Erste-Hilfe-Ausbilder, nicht vom Dienststellenleiter (die hin und wieder gerne Gesetze erlassen), auch nicht von Kollegen bei gutefrage.net - und mögen die Antworten noch so fundiert klingen, und auch nicht von mir ;o).

"Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand", so lautet eine Weisheit, die jeder Jurist lernt. Wie am Ende der Richter entscheiden wird, mag hier niemand vorhersehen.

Bekannt ist mir kein einziger Fall, in dem ein Ersthelfer verurteilt wurde, wohl aber ein Fall, in dem ein Nicht-Helfer wegen "Unterlassener Hilfeleistung" verurteilt wurde.  

FAZIT:

Keine Klare Antwort hier, aber dafür ehrlich und  hoffentlich - nachvollziehbar.

Die meisten Antwortenhier teile ich grundsätzlich, auch wenn ich bei juristischen Fragen gerne den Richtern die Entscheidung überlasse.

Liebe Grüße,

Werner Pühringer

Reanimation mit Medikamenrtengab incl. künstl. Narkose ohne Arzt

Reanimation mit Narkose? Wie? Den Bewusstlosen in Narkose versetzen? Ich komm nicht mit...

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@derdorfbengel

Bei der Narkose geht es ja nicht nur darum, dem Pat, das Bewusstsein zu nehmen.

Bis zu der Zeit, als ich den RD verließ, war es Standart, dass bei einer R. auch eine Narkose eingeleitet wird, die den dann stabilisierten Pat. bis auf die ICU begleitet. Die N. dient natürlich auch dazu, das Bewusstsein auszuschalten, wenn der Pat, wieder stabilisiert ist, damit er nicht aufwacht und in Streß gerät, aber es gibt auch mind. 2 weitere Indikationen für die N.:

1. Relaxion und damit Duldung der Intubation unter Ausschaltung des Schluck- und Würgereflexes - wenn das Bewusstsein (ungewollt oder gewollt) wiederkommt

2. Anlagesie. Jede R. verursacht schließlich Schmerzen, die ohne Analgesie zu erheblichem Streß führen würden.

Somit gibt es 3. Gründe für eine frühzeitige N.einleitung bei einer R.

Bei guter R. - noch dazu nach internistischer Diagnose - ist der Erfolg mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten und deswegen wird auch sofort bei R.beginn eine Narkose eingeleitet. Im Idealfall muss ja sogar noch vor der Intubation relaxiert werden, weil der Pat. bei R.beginn „noch nicht ganz tot“ ist.

Das mag ein Laie ggf. schwer verstehen. Wenn Du Dich aber mit Notärzten unterhältst, wirst Du einige finden, die Dir erklären, dass man gelegentlich auch zu Patienten kommt, die r.pflichtig sind bzw. es in den nächsten Minuten werden und doch bei Eintreffen des RD noch teilw. ansprechbar sind.

Freilich spielt da auch die RD-Struktur eine Rolle und die übliche Eintreffzeit. In meinem RD-Bereich hatten wir immer sehr kurze Zeiten, wenn der Notruf unter 112 abgesetzt wurde, teilweise sogar ab 5 min. zwischen Notruf und Eintreffen.  Es gibt aber auch Bereiche, in denen schon die 10 Minuten-Grenze oft überschritten wird. In diesen Bereichen mag es seltener vorkommen, dass r.pflichtige Pat.  noch ansprechbar vorgefunden werden bzw. der Erfolg der Maßnahmen mag darunter leiden.

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.

Grüße, W. Pühringer

[teilw. gekürzt wg. Zeichenlimit]

 

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1. Eine Koniotomie ist keine Maßnahme für einen Ersthelfer und kann von diesem auch gar nicht durchgeführt werden.

2. Wegen 1. ist man dann durchaus dran, wenn etwas schief geht. Immerhin hat ein Ersthelfer da garnichts verloren, es ist eine Maßnahme, die praktisch nur schiefgehen kann.

3. Wenn alles gut geht, dann sollte (im Idealfall) keiner klagen. Die Realität sieht aber leider manchmal anders aus. Und das sage ich als jeman, der Erfahrung in dem Bereich hat. In dem konkreten Fall würde man von der mutmaßlichen Einwilligen des Patienten ausgehen, sollte er bewusstlos gewesen sein. Dann liegt gar keine Straftat vor. War er bei Bewusstsein und hat die Maßnahme verweigert und sie wird dennoch durchgeführt, dann macht man sich selbstverständlich strafbar.

4. Wenn man als Ersthelfer keine völlig widersinnigen Maßnahmen trifft oder wider besseres Wissen handelt, dann kann einem in der Tat nichts passieren.

Nach §128 StgB ist eine Körperverletzung dann legal, wenn sie unter Einwilligung des Geschädigten geschah.

Man geht bei der ersten Hilfe normalerweise von der mutmaßlichen Einwilligung aus.

Du kommst wohl auch nicht mit §229 StgB (fahrlässige Körperverletzung) und §222 StgB (fahrlässige Tötung) in Konflikt. Im Falle der Koniotomie wird das aber wohl nicht der Fall sein. Immerhin ist diese eine letzte Maßnahme, um vor dem Tode zu schützen. Bedeutet quasi, dass die Alternative zur Hilfemaßnahme (auch wenn sie schief ging) der Tod war. Du hast bei der Koniotomie reelle Chancen auf das Überleben des Patienten. Da der Tod als einzige Option übrig bleibt, kannst du von der mutmaßlichen Einwilligung des Patienten ausgehen.

Problematisch wäre es halt, wenn du beispielsweise schon die Martinshörner hörst. Denn dann musst du davon ausgehen, dass gleich qualifizierteres Personal vorhanden ist, und der Tod steht nicht mehr als einzige Alternative und du handelst fahrlässig gemäß §222 und §229 StgB.

 

Dass das eine "notärztliche Maßnahme" ist, musst du als Ersthelfer ohne weitere Ausbildung, die über den EH-Kurs hinausgeht, übrigens nicht wissen.
 

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@kruemel18a

Du lernst aber auch in keinem EH Kurs was eine Koniotomie ist ... >.>

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