Kommunismus? politisch links?

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1 Antwort

Hey, ich versuche es mal gemeinverständlich zu erklären, weiß aber nicht, ob es mir auch gelingt. Daher bei Bedarf einfach noch mal nachfragen ;)

Die politische Unterteilung in links und rechts ist ziemlich vage. Damit wird eigentlich vor allem die wirtschaftliche Ausrichtung einer politischen Tendenz gemeint. D.h. Konservative Politik ist eher rechts, da sie für einen möglichst freien Markt ist; libarale Politik ist noch weiter rechts da sie den Markt noch freier von staatlichen Einflüssen machen will; Sozialdemokratie ist dann linker als die konservative da sie schon einige staatliche Eingriffe in die Wirtschaft unterstützt; linke Politik würde dann schon massive Eingriffe in die Wirtschaft unterstützen (z.B. Mindestlohn, Rente, bedingungsloses Grundeinkommen, Vermögenssteuer, etc.)

Statt dieser einfachen links-rechts-Unterteilung ist z.B. das 2-dimensionale politische Spektrum möglich. Auf der x-Achse wäre die bekannte links-rechts-Verteilung, während die y-Achse die autoritär-libertär-Unterteilung aufgetragen ist. Hier wird so ein Test gemacht (ist aber auf englisch): https://www.politicalcompass.org/

Kommunismus ist bekanntlich definiert als klassenlose, staatslose und geldlose Gesellschaft. Dabei meint Klasse eine soziale Gruppe, die über ihre Beziehungen zu den Produktionsmitteln (Land, Fabriken, Arbeitsplätze im Allgemeinen) eingeteilt werden. Somit wären in der heutigen kapitalistischen Klasse zwei Hauptkontrahenten, zwei große Klassen vorhanden (genau genommen ist es sehr viel komplexer, aber die anderen Klassen sind eher von untergeordneter Bedeutung): Bourgeoisie (Kapitalistenklasse, d.h. Eigentümer der Produktionsmittel) und Proletariat (Arbeiterklasse, d.h. Lohnarbeiter [viele meinen auch, dass jeder der kein Kapitalist sei, Teil der Arbeiterklasse ist]).

Du hast doch sicher schon mal über die Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels gehört? Diese entwickelten im 19.Jh. die Lehre des Marxismus. Dieser Marxismus ist eine Methode, die Entwicklung von Gesellschaften zu untersuchen und zu beeinflussen. D.h. "Wie kollabierten die Sklavengesellschaften in Rom und Griechenland?", "Wie konnte der Feudalismus überwunden werden?", "Wie hat sich der Kapitalismus etabliert und wird er wieder verschwinden?" sind einige der Frage, die der Marxismus untersucht.

Dabei kamen Marx und Engels zu dem Schluss, dass die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften die Geschichte von Klassenkämpfen sei (siehe Kommunistisches Manifest, musst du aber nicht wirklich lesen, es ist eher Polemik statt Theorie). Jeder bisherige Gesellschaft sei durch den Gegensatz zweier oder mehr Klassen geprägt gewesen, z.B. Sklavenhalter und Sklaven; Feudalherr und Leibeigener, usw. Durch den sich entwickelnden Klassenkampf wird entweder die bisherige Ordnung umgeworfen und die bisher unterdrückte Klasse wird als revolutionäre Klasse die neue Ordnung dominieren (Bsp. Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus); Oder im Klassenkampf gehen die großen Antagonisten zusammen unter (Bsp. Sklavenhaltergesellschaft in Rom). Diese Untersuchung der geschichtlichen Zusammenhänge für die Entwicklung der Gesellschaften nennt man auch historischen Materialismus, hier ist eine interessante Artikelserie dazu: http://www.derfunke.de/index.php/rubriken/theorie/1898-einfuehrung-in-den-historischen-materialismus

Nun haben sich Marx und Engels aber gefragt, wie die zukünftige Entwicklung aussehen wird. Die beiden haben die Entwicklung der Produktivkräfte als die Triebfeder der Geschichte gesehen. Das bedeutet also, dass neue technische Entwicklungen die Produktivkräfte (die Produktivität, das Potenzial der ausgebeuteten Klasse) stärken. Wird diese Entwicklung der Produktivkräfte durch die momentane Gesellschaft gebremst, dann geht der Klassenkampf in die heiße Phase über (siehe vorherigen Abschnitt).

Im Kapitalismus sei die Entwicklung der Produktivkräfte (Das Potenzial der Arbeiter) durch die Eigentumsverhältnisse behindert (eigentlich wie auch schon in allen vorherigen Gesellschaften. Diesmal wird es aber kritischer als bisher). Die Eigentümer/Kapitalisten/Bourgeoisie müssen aufgrund von Konkurrenzkämpfen auf dem Markt immer möglichst billige Waren auf den Markt bringen, um ihre Konkurrenz zu unterbieten (wer kauft schon freiwillig teuer?). Hier wird daher lieber jeder Arbeitsschritt von Maschinen übernommen. Dies führt aufgrund von 2 Gründen zur Bremsung der Produktivkräfte und zu mehr sozialer Ungleichheit: Tendenzieller Fall der Profitrate und Arbeitslosigkeit. Tendenzieller Fall der Profitrate ist relativ einfach zu erklären: Maschinen sind langfristig billiger als Menschen und produzieren mehr als Menschen. Also können mehr Waren auf den Markt gebracht werden, zu einem geringeren Preis. Theoretisch sollte jetzt der Profit gleich bleiben (mehr Produkte, dafür jedes billiger [also weniger Profit pro verkaufte Ware, aber mehr verkaufte Waren insgesamt]), jedoch gibt es dafür keine Garantie (Marktübersättigung, etc.). Darum *tendenzieller* Fall der Profitrate.

Die Konkurrenz muss natrülich nachziehen und auch auf Maschinen setzen. Insgesamt wird also Arbeitslosigkeit verstärkt. Warum dies aber die Entwicklung der Produktivkräfte aufhält? Weil diese Automation viel schneller vorangehen könnte. Durch die massive Arbeitslosigkeit sinkt die Kaufkraft der Gesellschaft, die Profitrate fällt weiter bis hin zu Krisen die immer häufiger auftreten werden.

Marx sah die Lösung, wie immer in der Geschichte, in einer Revolution. Die Arbeiterklasse sollte die politische Macht an sich reißen und die Produktionsmittel unter die demokratische Kontrolle der Arbeiter stellen. Solange diese Transformation im Gange sei, spricht man von der Diktatur des Proletariats (welches damit eigentlich noch demokratischer ist als die momentane Diktatur der Bourgeoisie, wo wir nur einmal alle 4 Jahre beim Wahltag gleichberechtigt sind). Darauf folgen würde der Sozialismus. Hier könnte die Wirtschaft demokratisch gelenkt werden um die Bedürfnisse aller zu befriedigen. Privateigentum an Produktionsmitteln wäre verboten. Außerdem könnten mehr und mehr Maschinen eingesetzt werden, um die Arbeitszeiten der Menschen zu verkürzen (bei gleichzeitiger sozialer Sicherheit, natürlich).

Sobald dann weltweit Sozialismus exitieren würde, würde auch der Staat aufhören zu existieren (Staat war für Marx ein Instrument der herrschenden Klasse, um die Ausbeutungsverhältnisse zu sichern. Du kannst ja mal überlegen, ob das zutrifft - Wird das Privateigentum geschützt? Wie wird es geschützt? usw.)

Verdammt, jetzt bin ich aber ein wenig abgedriftet.

Links ist nicht gleich Kommunismus, aber Kommunismus ist definitiv links.

Rechte sind nicht gleich Nazis, aber Nazis sind definitiv rechts.

Nazis stehen genau für das, was Kommunisten nicht wollen - Staat, Grenzen, Kapitalismus, Ausbeutung (auch aufgrund von Rassentrennung usw.)

Kommunistische Länder gab es noch nie ;) Aber die heute noch existierenden sozialistischen Länder (Kube, Vietnam, Eritrea,  evtl. Bolivien, Laos) haben alle eine Regierung. Andere Länder wie China oder Nordkorea würde ich nicht mal als sozialistisch beschreiben. Nordkorea selbst hat alle Bezüge zum Sozialismus aus ihrer Verfassung streichen lassen, und China führte unter Deng Xhiaping den Kapitalismus wieder ein.

Wenn du nicht glaubst, dass es ohne Regierung geht, dann schau dir mal die folgenden Beispiele an: Anarchismus in Spanien (Katalonien), Rojava, Pariser Kommune

Hoffe, das war genug :D Jetzt bin ich durch :D

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