Kommunismus . Sozialismus Unterschiede? Ungläubig?

5 Antworten

Kommunismus deckt ein sehr breites Spektrum von linken Geisteshaltungen ab. Kommunisten im etwas engeren Sinne sind in aller Regel "Ungläubige" im Sinne der Weltreligionen, also Atheisten. Dessen ungeachtet sind die allermeisten davon Gläubige in anderer Hinsicht. Sie glauben z.B. an irgendwelche Utopien, an allgemeine Bewegungsgesetze der Geschichte oder eine höhere Gerechtigkeit. Daneben gibt es auch Kommunisten, die sich bei ihren Erkenntnisbemühungen von keinerlei Ideen, Ideologien, Glaubenssätzen oder Wertordnungen beirren lassen. Das sind umfassend Ungläubige (Materialisten).

In der Theorie ist der Kommunismus der angestrebte Endzustand der menschlichen Gesellschaft, in der die Menschheit vollkommen befreit ist und der Sozialismus die Zwischenstufe auf dem Weg dorthin. Im orthodoxen Marxismus ist der Sozialismus eine Gesellschaftsordnung, in der die Arbeiterklasse an der Macht ist, der Kommunismus eine, in der alle Klassen abgeschafft sind. Es gab und gibt Länder, die als "sozialistisch" bezeichnet wurden/werden, aber noch keines, das beansprucht hat, kommunistisch zu sein. Wie weit her es in der Praxis mit dem Sozialismus ist, ist dann natürlich noch eine andere Frage.

Da die meisten Kommunist/inn/en erstmal einen Sozialismus anstreben und viele Sozialist/inn/en letzen Endes die vollkommen befreite Gesellschaft, lassen sich die Begriffe teils synonym verwenden, mit der Einschränkung, dass sich manche linke Sozialdemokrat/inn/enn auch als Sozialist/inn/en bezeichnen, ohne damit einer kommunistischen Ideologie anzuhängen. Die Kommunist/inn/en sind also eine Teilmenge der Sozialist/inn/en, d.h. wer Kommunist ist, ist auch Sozialist, wer Sozialist ist, aber nicht notwendigerweise Kommunist.

Und: natürlich kann ein Sozialist/Kommunist auch gläubig sein. Das Eine ist ja die politische Gesinnung, das Andere der religiöse Glaube. Man sollte nur gucken, dass man beides unter einen Hut bekommt,

Hier z.B. mal eine religiöse sozialistische Organisation:

http://brsd.de/

Endlich mal eine sachliche Antwort ohne dümmliche Auslassungen über Sozialismus/Kommunismus.

DH!

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Dazu sollte man noch anfügen: Die Religion wird als "Opium" des Volks betrachtet, als "illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt". Die Religion, laut Marx, versperrt den Blick auf die Realität und ist der allgemeine Rechtfertigungs- und Trostgrund einer "verkehrten Welt". Sie wird als Machtmittel der herrschenden Gesellschaftsform angesehen und ihre Abschaffung / Aufhebung ist nach marxistischer Sichtweise eine Voraussetzung, "damit [der Mensch] denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch"- sprich, damit er sich aus den elendigen Umständen befreien kann.

"Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über einen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf."

Wen der ganze Text interessiert: Die Kritik zur Hegelschen Rechtsphilosophie: http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm

Die Frage, ob Kommunisten ungläubig sind, hängt natürlich sehr davon ab, wie jeder für sich "Kommunismus" definiert, läßt sich aber allgemein mMn. bejahen. Bei Sozialisten ist das ähnlich.

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Versuche mal, irgendein Lehrbuch "Staatsbürgerkunde" aus der ehemaligen DDR zu bekommen, da steht die rein theoretische Antwort (Unterschied Sozialismus/ Kommunismus) drin. Und ja: ein Kommunist ist ein ungläubiger, überzeugter, manchmal denkender Mensch. Wobei ein Ur - Kommunist gar nicht so weit weg ist von den Idealen der Ur - Christen. Aber wo gibt es die heute noch (ich meine Vertreter beider Spezies)?

Die Staatsreligion der DDR, der "dialektische und historische Materialismus" ("Histomat" und "Diamat") mag von den klassischen Weltreligionen abweichen. Ungläubig waren die Anhänger dieser Ideologien keinesfalls.  

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