Kommt in den Satz "Das Buch benötige ich, um zu lesen" ein Komma?

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9 Antworten

In den Satz gehört ein Komma. So wie in der Frage geschrieben ist es richtig.

Nach der neuen Rechtschreibung von 1996 konnte das Komma an dieser Stelle wegfallen. Nach dem überarbeiteten Regelwerk von 2006 ist das Setzen eines Kommas wieder verpflichtend. Nach § 75 (1) werden mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als eingeleitete Infinitivgruppen mit einem Komma abgegrenzt.

Die Urheber behandeln die Konstruktion wie einen erweiterten Infinitiv. Trotz der Infinitivkonjunktion "um ... zu" sollte sie aber als satzwertige Ergänzung besser als Finalsatz (Nebensatz, der einen Zweck/eine Absicht/ein Ziel angibt) betrachtet werden (Nebensätze werden nach § 74 mit einem Komma abgegrenzt). Sie ist gleichbedeutend mit: "Das Buch benötige ich, damit ich lese."

Ein Nebensatz, der – vereinfacht gesagt – irgendwie »um zu« drin hat, verdient immer ein Komma davor, um ihn vom Hauptsatz zu trennen. Nach dem letzen vorreformatorischen Duden, der zwanzigsten Auflage, muss ein Infinitiv mit zu, wenn er nicht ganz nackt dasteht, sondern mit weiteren Wörtern »erweitert« wurde, durch ein Komma getrennt werden – siehe dort Regel 107. Der neue schwarz-rote Reformduden erlaubt in seiner entsprechenden Regel 75 das Komma auch wegzulassen. Das sieht dann so wie eben aus und lehnt sich an die alte Regel an, dass ein nicht erweiterter, glatter Infinitiv mit zu »in den meisten Fällen« ohne Komma auskommt – alte Regel 108: »Er hörte auf zu schreiben.« Mein Freund Markwart Lindenthal hat diese Kommaregel auf den Punkt gebracht: »Sobald ein drittes Wort dazukommt, muß ein Komma gesetzt werden.« Die gute alte Regel 107 ist sogar noch strenger: »Sie ging in die Stadt, um einzukaufen«, fordert sie.

http://www.joern.de/tipsn5.htm

Das Komma bei Infinitivgruppen:

Bei Infinitivgruppen (Wortgruppen mit einer Grundform) muss in drei Fällen ein Komma stehen:

• Die Infinitivgruppe wird mit als, [an]statt, außer, ohne, um eingeleitet.

• Die Infinitivgruppe hängt von einem Substantiv (Hauptwort) ab.

• Die Infinitivgruppe wird durch ein hinweisendes Wort angekündigt oder wieder aufgenommen.

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@boriswulff

Zitat aus Duden "Deutsche Rechtschreibung – kurz gefasst" (3. Auflage 2006)

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Infinitive mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als zu müssen wieder mit Komma abgetrennt werden: Er ging hinaus, um zu rauchen. – Anstatt zu helfen, beschimpfte er seine Freunde. – Ihnen blieb nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. …

http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_deutsche_Rechtschreibung

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Es handelt sich um den erweiterten Infinitiv mit "zu", der durch ein Komma getrennt wird. Der nicht erweiterte Infinitiv mit "zu" wird hingegen nicht durch ein Komma abgetrennt.
Beispiele:
1. Es ist schön zu leben.
Infinitiv: "leben"; "zu leben" wird nicht durch ein Komma getrennt.)
2. Es ist schön, in Deutschland zu leben.
Infinitiv: "leben";
erweiterter Infinitiv mit "zu": "in Deutschland zu leben"
Im zweiten Beispiel muss ein Komma gesetzt werden.
Quelle: Alte Schule ;-)
Gruß wiele

Ich habe mal gelernt, dass der erweiterte Infinitiv mit "zu" immer in Kommata eingeschlossen oder durch ein Komma abgetrennt wird.

Nur zur Erinnerung (soll kein Widerspruch zu den anderen Ratschlägen hier sein):

In Deutschland sind die Rechtschreibregeln nur für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst (in dienstlichen Angelegenheiten) und für Schulkinder (in der Schule) verbindlich. Alle anderen können machen was sie wollen. Es gibt keine "Duden-Polizei", die mit Helikoptern (pardon, Hubschraubern) die Einhaltung der Kommaregeln überwacht. ;-)

Allerdings sollte man sich im schriftlichen Verkehr (also zB im Internet, siehe auch "Netiquette") der Höflichkeit halber schon einer korrekten Ausdrucksweise und einer lesbaren Rechtschreibung bedienen. ;o)

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@susiebond

@susiebond: halbwegs korrekt und halbwegs lesbar würde mir manchmal schon reichen... ;-)

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"Um zu" - Sätze wurden nach der alten Rechtschreibung strikt mit Komma getrennt, nach der NDR ist das Komma an der Stelle optional. Das gilt auch für Dein Beispiel.

Nein.

Das höchste der Gefühle ist ein optionales Komma bei erweiterten Finalsätzen, das mit der revidierten neuen Rechtschreibung wieder eingeführt wurde:

Also, wenn Du's so magst: "Das Buch benötige ich, um die Geschichte von Hänsel und Gretel endlich wieder einmal zu lesen." Dieser Satz geht aber nach wie vor auch ohne Komma, was mir persönlich zu leserfeindlich ist.

Früher musste man bei einem erweiterten Infinitiv ein Komma setzen.

Jetzt steht's Dir frei. :-)

"das buch benötige ich zum lesen" - alle probleme weg...

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