Kollektivgüter

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6 Antworten

Da scheint Dein Kumpel aber ziemlich genaue Vorstellungen von einem Leben "nach der Revolution" zu haben. Woher kann er denn wissen, worauf die Menschen sich genau einigen werden?

Und zur Widersprüchlichkeit: Lohnarbeit ist ja nicht das Einzige, was man "für die Gesellschaft" tun kann. Manche Lohnarbeit ist sogar ausgesprochen schädlich. Und dass Dein Kumpel jetzt, wo er arbeitslos ist, wirklich gar nichts tut, glaube ich nicht. Wenn er wirklich so ein Polit-Aktivist ist, bereitet er vielleicht schon mit seinen Genoss-inn-en die nächste Aktion, das nächste Soli-Konzert, die nächste Demo oder Party vor - und damit gibt er der Gesellschaft ja auch etwas.

Ja das tut er, denn genau dieses Verhalten ist der Grund, warum der Kommunismus nicht Realität werden kann. Aber er befindet sich ja in bester Gesellschaft, denn diese Haltung gibt es ja nicht nur bei den extrem linken sondern bei eigentlich allen politischen Gruppierungen. Ein aktuelles Gegenbeispiel sind die Banken, die vor der Finanzkrise noch groß getönt haben das sie alles besser können und sich der Staat doch gefälligst raushalten soll. Nachdem das Kartenhaus zusammengebrochen war, war der Staat dann aber doch gut genug um denen ihre teilweise doch extrem üppigen Bezüge zu sichern. Wenn sie überzeugte Marktwirtschafter und Liberale wären, hätten sie eigentlich jegliche Staatshilfe ablehnen müssen um ehrehaft unterzugehen. Ist aber nicht so gekommen.

Der Staat hat doch die Banken nicht gerettet, weil er "gut" (gut genug) war, sondern weil er eben auf diese Produktionsweise Wert legt und die Grundlagen seiner Existenz, die Kohle in Form von Steuern, von allen bezieht. Bricht der Finanzsektor zusammen, läuft ökonomisch gar nichts mehr. Auch beim Staat nicht.

Also erstmal geht es bei der Ökonomie nicht um Ehre oder Ehrenhaftigkeit, sondern darum, Geld bzw. Gewinn zu machen. Da ist eigentlich alles recht von Landwirtschaft über Prostitution oder Tabakwaren und Alkohol. Und wenn die "überzeugten Marktwirtschafter" sich diesen gedanklichen Luxus der Ablehnung erlaubt hätten, wären sie und damit der Staat bankrott gegangen, zahlungsunfähig geworden.

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@Snanifo

Das ist eine Annahme und keine Tatsache. Natürlich hätte es eine schwierige Phase gegeben aber ist nicht die Grundlage der Marktwirtschaft das schlecht wirtschaftenden Unternehmen (und Staaten) pleite gehen müssen um Platz für "bessere" Unternehmen zu machen? Haben wir durch diese Rettungsaktion wirklich den Staat und die Wirtschaft gerettet? Oder haben wird den finalen Zusammenbruch nur verzögert und evtl sogar noch verschlimmert? Wären wir mittlerweile nicht vielleicht schon besser dran, wenn das aufgeblähte Finanzsystem mal resetiert worden wäre? Und der "Staat" hat die Banken nicht gerettet weil sie so wichtig sind (das hätt man auch anders Regeln können) sondern wiel die Profiteuere des aktuellen Systems ganz Nahe bei den Politikern sind und diese eng mit denen verbandelt sind. Das ist ja auch der Grund, warum es trotz aller Versprechung kaum Regulierungsbestrebungen gibt, die die nächte Krise zumindest mal abmildern. Es bleibt dabei, Verlogenheit bei den eigenen Idealen sobald es zum Nachteil wird ist ein weit verbreitetes Phänomen in allen Gruppen.

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@LtLTSmash

Vielleicht sind es auch nicht die Ideale, in diesem Falle deines der Marktwirtschaft, die grundlegende und treibende Kräfte sind bei dieser Art des Wirtschaftens. Stell dir bloß mal vor, was passieren würde, wenn "schlecht wirtschaftende Staaten" bzw. die große Menge der "schlecht wirtschaftenden Unternehmen" pleite gehen würden. Auf jeden Fall würden sie die gut wirtschaftenden Staaten und Unternehmen mit in den Strudel der Pleite ziehen. Heute sind zumindest Unternehmen, aber auch Staaten auf unterschiedliche Weise so miteinander verbunden und auf den anderen angewiesen, dass eine Isolation von "Gutem" von "Schlechtem" eigentlich irreal ist.

Wo ich dir zustimme, ist, dass die Problematik der Finanzkrise noch nicht beendet ist und sich auch vielleicht noch bemerkbar macht, also weitere crashs nach sich zieht. Auch die Verbindung von Banken und Politik will ich dir nicht absprechen, allerdings nicht nur in der personalisierten Form von Bankern und Politikern, denke ich. Dass aber die Banker und auch andere Lobbyisten die Poliker beeinflussen (wollen), muss dir doch zu denken geben. Die Macht liegt eindeutig bei den Politikern bzw. bei der Politik. Und diese wollen ein System am Leben erhalten, das letztendlich zu Bruch gehen muss nach deiner Meinung. Du hältst die Politiker schon für bescheuert, also ohne Verstand, nur noch für dumm geldgierig (das sind sie auch, aber nicht nur!)

Zu dienem ich denke liberalem Idealismus: Dein Gedanke über schlechte und bessere Banken bzw. Staaten lässt an diesen nur diesen einen Gedanken zu, diese der Natur des Marktes zu überlassen. Das lässt außer acht, dass der Markt, so wie er auch für dich besteht, schon immer einer staatlichen bzw. obrigkeitlichen Kontrolle bedurfte von den Marktrechten des Mittelalters bis heute. Was ohne diese Regulierungen passiert, konntest du bei Auflösung der SU und Einführung des Kapitalismus in Russland unter Jelzin beobachten.

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@Snanifo

Zum Teil 1. Stimmt, aber schlecht wirtschaftende Staaten und/oder Firmen reißen so oder so ein paar andere mit. Das ist leider so in unserem System. Dadurch das man jetzt aber die schlecht wirtschaftenden in diesem Umfang stützt, ihnen also ein kostenlose Versicherung gibt, das sie alle Gewinne behalten dürfen aber Verluste vom Steuerzahler beglichen werden, führt eher dazu das die nächsten Geschäfte noch risikoreicher sind. Ich kann mir nicht vorstellen das das auf Dauer gut geht.

zum Teil 2: Ich halte Politiker nicht für dumm sondern betrachte sie eben als Menschen mit ihren typischen Schwächen. Küngelei und Egoismus sind tief in uns drin (natürlich nicht immer gleich ausgeprägt). Das eigentlich schlimme ist, das die Wähler, diejenigen die uns schon zigmal belogen haben immer wieder wählen. Nur durch Abwahl wird man eine ehrlichere Politik erzwingen können.

zum Teil 3: Evtl mißverstehst du mich, ich bin keineswegs der Meinung das wir keine Ordnungspolitik brauchen, im Gegenteil, gerade im Finanzsektor wäre dies dringends erforderlich. Was mir nur so richtig gegen den Strich geht ist die Verlogenheit der "Eliten" die in "guten" Zeiten meinen alles besser zu können als der Staat, Steuern sind eh nur Neidmotiviert und Leistungsfeindlich etc., sobald aber die Geschäfte den Bach runtergehen plötzlich der Staat die Verluste begleichen soll. Das kann nicht funktionieren, ganz oder gar nicht. Das ist der gleiche Grund warum der keynesianismus nicht funktioniert. Den Teil mit der Ausgabeerhöhung um einen Abschwung zu vermeiden klappt super, der Teil bei dem der Staat dafür Rücklagen in besseren Zeiten schafft wird aber ignoriert. Und dann wundert "man" sich das es nicht funktioniert. Was soll man dazu sagen?

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@LtLTSmash

Ob es auf die Dauer gut geht und wie gut oder schlecht ist nicht das, was ich besprochen haben wollte. Mir geht es um die Trennung von gutem oder schlechtem Wirtschaften und wie das zusammenhängt. Zunächst wurschteln die einzelnen Firmen und Betriebe nicht isoliert vor sich hin und produziere gute oder weniger nützliche Dinge, sondern ihr Produkt muss sich in der Konkurrenz auf dem Markt durchsetzen. Das bedeutet, wenn sich ein Produkt durchsetzt, geht das im Wesentlichen gegen die anderen Produkte aus. Und umgekehrt. So ist die Marktwirtschaft angelegt. Das bezieht sich auch auf die Ökonomien der Staaten. Auch da gibt es Gewinner und automatisch auch Verlierer. Wo aber sollen denn die "gut wirtschaftenden Unternehmen" ihre Produkte absetzen, wenn die unterlegenen Ökonomien bzw. Staaten durch die Niederlage in der Konkurrenz keinen Bedarf oder kein Kapital haben?

Der zweite Punkt im ersten Abschnittschneidet ein Thema an, um das sich die Politiker der EU auch den Kopf zerbrechen: Geht diese Unterstützung gut oder bringt diese uns wirtschaftl. in Schwierigkeiten. Dies ist tatsächlich eine wichtige Frage, wird allerdings in der Regel politisch entschieden. D.h. in diesem Falle, dass Griechenland politisch zur EU gehört und die EU auch stark genug ist, dieses insolvente Land zu halten. Das hat auch den ökonomischen Teilinhalt, dass den Anlegern in Euro versucht wird klarzumachen, dass ihre Investittion in diese Währung eine solide Grundlage hat. Dies hat sich auch bei Zypern gezeigt, wo russische Geldgeber sich zunächst an der finanziellen Unterstützung beteiligten. Auch in der Ukraine gab es lange Jahre zähe Verhandlungen über Handelsabkommen und Finanzhilfen von seiten der EU, und erst als die Russen 15 Mrd. Euro zur Stützung dieses Staates anboten, kam Bewegung in diese Verhandlungen. Und auch weitere Angebote von Geld und politischer Unterstützung (auch Aufhetzunge genannt) für den politischen Wechsel dort.

zu deinem 2. Teil nur kurz: Du fällst ein Urteil über die (Menschen mit ihren typischen Schwächen) und traust ihnen doch zu, nicht so zu sein mit dem Argument andere machen es besser. Damit läge das Problem bei der Korruptheit der Menschen und zu beheben durch die Abwahl dieser und die Wahl von nicht korrupten. Wäre es nicht besser, die gemachte Politik sich genauer anzuschauen und dann den Versuch zu machen, diese zu ändern?

zu 3. Teil: Die Ordnungspolitik bestand lange Zeit darin, dem Kapital viele Möglichkeiten zu geben, Gewinne zu realisieren, um die Ökonomie anzukurbeln oder auf hohem Niveau zu halten. Dies ist doch gerade dem geschuldet, dass es der Wirtschaft gut gehen sollte. Rücklagen zu schaffen wie du es vorschlägst, würde bedeuten, Kapital aus dem Markt zu nehmen und dadurch die Kredite zu verteuern und damit viele unmöglich zu machen. Dass das ohne Kontrollplanung gemacht wurde, ist wohl in dieser Wirtschaftsordnung nichts Neues. So geht es halt im Kapitalismus zu!

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Das Kollektiv sind die anderen, die für seine Grundversorgung (Hartz 4) arbeiten. Er führt durch ausgeben des Hartz-4 Geldes dem Kollektiv das Geld wieder zurück.

Die "anderen" (dein "Kollektiv") arbeiten nicht für die Grundversorgung der Hartz 4 ler, sondern für ihren Arbeitgeber, der Geld mit vorgeschossenem Kapital macht mit dieser Arbeit. Das "Kollektiv", wie du deinen, meinen, unseren Staat nennst, hält diese Produktion am Laufen und dazu gehört eine größere oder kleiner Anzahl von Arbeitslosen und prekären Arbeitsplätzen. Schon vergessen, wa, oder etwa noch gar nicht gewusst?

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Er widerspricht seinen Vorstellungen meines Erachtens nach nicht, da es gegenwärtig Privateigentum gibt und nicht alle Güter gerecht verteilt werden.

Ja, dein Kumpel scheint schlicht und einfach ein Idiot zu sein mit seinen kommunistischen, nicht praktikablen Träumen. - ER selbst ist der beste Beweis dafür und faul ist er dazu auch noch, wenn er sich in die soziale "Hängematte" legen will. Hoffentlich macht ihm jemand "Feuer unter dem Hinterteil".

Da brauchst du dich nicht drüber Sorgen ("Hoffentlich") zu machen. Das macht ihm schon die Realität, da brauchst du niemanden extra. Ohne Geld bekommst du halt nix. Und wenn du dir dann doch was "holst", dann ist alles schon schön eingerichtet von Moral und Polizei, dass das geahndet wird.

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wenn er kohle von einem kapitalistischen staat bezieht (hartz IV oder so), sollte dies zumindest dem anarchismus widersprechen.

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