Körperverletzung mit Kieferbruch

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6 Antworten

Hallo NOAHSCUM,

also zum rechtlichen.

Ich gehe mal davon aus, dass der Kiefer Deines Kontrahenten wirklich gebrochen ist und der dieses auch ärztlich belegen kann. Das Du den Schlag ausgeführt hast, gibst Du ja selber zu.

Insofern die Polizei Kenntnis (z.B. durch Strafantrag des Geschädigten) erhält beginnt gegen Dich ein Ermittlungsverfahren wegen:


§ 223 StGB Körperverletzung

(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.


§ 230 StGB Strafantrag

(1) Die vorsätzliche Körperverletzung nach § 223 und die fahrlässige Körperverletzung nach § 229 werden nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält. Stirbt die verletzte Person, so geht bei vorsätzlicher Körperverletzung das Antragsrecht nach § 77 Abs. 2 auf die Angehörigen über.

(2) Ist die Tat gegen einen Amtsträger, einen für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteten oder einen Soldaten der Bundeswehr während der Ausübung seines Dienstes oder in Beziehung auf seinen Dienst begangen, so wird sie auch auf Antrag des Dienstvorgesetzten verfolgt. Dasselbe gilt für Träger von Ämtern der Kirchen und anderen Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts.


Ob Du für das Strafverfahren einen Rechtsanwalt nimmst musst Du selber wissen. Die Kosten hierfür übernimmt jedenfalls keine Rechtschutzversicherung, da diese bei vorsätzlich begangenen Straftaten (Vorsätzlich in dem Sinne, das Du ihn ja nicht ausversehlich geschlagen hast, dabei unerheblich welche Folgen der Schlag hatte) nicht eintritt.

Der Ablauf des Strafverfahrens sieht jetzt wie folgt aus:

  1. Die Polizei fertigt eine Strafanzeige in der Du als Beschuldigter geführt wirst. In diesen Moment wirst Du auch elektronisch im polizeilichen System erfasst.

  2. Dir wird als Beschuldigter die Möglichkeit gegeben Dich zur Sache zu äußern. Du bekommst dazu eine Vorladung der Polizei zu der Vernehmung. Bist Du noch Jugendlicher dürfen Deine Eltern anwesend sein. Dieser Vorladung musst Du übrigens keine Folge leisten. Nur hast Du bei der Vernehmung die Möglichkeit Dinge richtig zu stellen, die Tat abzustreiten oder zuzugeben und Du kannst auch Rechtfertigungsgründe angeben.

  3. Falls Zeugen oder Geschädigte vorhanden sind, erhalten diese ebenfalls eine Vernehmung um als Zeuge eine Aussage machen zu können. Aber genau wie Du als Beschuldigter der Vorladung der Polizei keine Folge leisten musst, müssen dieses auch die Zeugen / Geschädigten nicht tun.

  4. Die Polizei sammelt weitere Beweise. Das können z.B. Fotos, Videos, Zeichnungen, beschädigte Sachen, Tatwerkszeuge, Diebesgut sein.

  5. Wenn alle Vernehmungen abgeschlossen sind und alle Beweise zusammengetragen wurden sind, wird die Akte an die Staatsanwaltschaft gesendet.

  6. Die Staatsanwaltschaft liest sich die Akte durch und entscheidet dann ob sie das Verfahren gegen Dich einstellt oder ob sie eine Hauptverhandlung gegen Dich ansetzt.

Bist Du noch Jugendlicher gilt folgendes:

Bei Jugendlichen ist darf gem. § 79 des Jugendgerichtsgesetzes kein Strafbefehl verhängt werden, sonder die Gerichtsverhandlung ist zwingend vorgeschrieben. Das Bedeutet, wenn die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Dich nicht einstellt, wird es eine Gerichtsverhandlung geben.

  1. Die Gerichtsverhandlung findet, insofern Du noch Jugendlicher bist) ohne Zuschauer statt. Du als Beschuldigter, wie auch die geladen Zeugen haben aber die Pflicht der Verhandlung beizuwohnen. Die Verhandlung läuft wie folgt ab.
  1. Du als Beschuldigter wirst noch einmal vernommen und hast jetzt die Möglichkeit Angaben zur Sache zu machen und die Tat zu rechtfertigen. Du kannst aber auch zu der Sache schweigen. Keiner kann und wird Dich zur Aussage zwingen.
  1. Die Zeugen werden noch einmal vernommen. Im Gegensatz zu Dir müssen diese aber aussage, außen sie haben ein Zeugnisverweigerungsrecht, was z.B. der Fall ist, wenn sie mit Dir verwand sind.
  1. ggf. sind auch die Polizisten geladen, die zum Tatzeitpunkt vor Ort waren oder die Dich vernommen haben
  1. Sind Beweise vorhanden, werden diese vom Richter auch noch einmal in Augenschein genommen.

Zum Abschluss der Verhandlung spricht dann der Richter das Urteil.

Bist Du noch Jugendlicher kannst Du grundsätzlich gem. § 5 des Jugendgerichtsgesetzes nur zu Erziehungsmaßregeln, die in der Regel in Form von Sozialstunden in einer sozialen Einrichtung wie z.B. Altenheimen abgeleistet werden, verurteilt werden. Haftstrafe oder Geldstrafen sind nicht vorgesehen. Die Straftat eines Jugendlichen wird mit Zuchtmitteln oder mit Jugendstrafe geahndet, wenn Erziehungsmaßregeln nicht ausreichen.

Im nächsten Thread schreibe ich Dir noch was zum Thema weitere Ansprüche von dem Geschädigten:

Was Strafrechtlich auf Dich zukommen kann, habe ich Dir ja geschrieben, aber es gibt auch noch die zivilrechtliche Seite.

Der Typ den Du geschlagen hast, kann auch noch zivilrechtlich Ansprüche geltend machen wie z.B.

  • Schmerzensgeld
  • Behandlungskosten
  • Verdienstausfall
  • Spezielle Nahrungsmittel und was sonst noch so an anfällt, damit er essen und Trinken mit einem gebrochenen Kiefer zu sich nehmen kann
  • Fahrtkosten zum Arzt

Ob hier die in Anspruchnahme eines Rechtsanwaltes was bringt ist fraglich und zudem mit nicht ganz unerheblichen Kosten verbunden, die wie gesagt Deine Rechtschutzversicherung nicht übernimmt, da es sich bei der tat um ein Vorsatzdelikt handelt.

Der Rechtsanwalt kann im Strafverfahren im Gegensatz zu Dir Akteneinsicht nehmen und evtl. besser formulieren, aber das war es auch schon.

Meine persönliche Meinung ist, dass man einen Rechtsanwalt nur bei unklarer Rechtslage braucht und bei schweren Straftaten, die von Rechtswegen schon die Einbeziehung eines Rechtsanwaltes zwingend vorschreibt.

Die Fakten selbst kannst Du bei der Polizeilichen Vernehmung auch ohne Rechtsanwalt angeben.

Schöne Grüße
TheGrow

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Das würde nur von einer Versicherung bezahlt, wenn es sich um eine fahrlässige Tat gehandelt hat. Bei Vorsatz zahlst du!

Du solltest aufjedenfall einen Anwalt hinzuziehen. Dieser wird dann einen Antrag an deine Rechtsschutz schicken das diese die kosten übernimmt. Wenn du sagst das dass so nicht gewesen sein kann und du so feste nicht zu geschlagen hast dann steht erstmal aussage gegen aussage. allerdings wird das ''opfer'' ja zum arzt gegangen sein dann sieht es für dich nicht so gut aus. Viel glück

Einen Anwalt brauchst Du auf jeden Fall. Bei der Rechtsschutzversicherung kommt es darauf an was es für eine Versicherung ist. Entweder in dem Vertrag nachlesen oder anrufen und nach fragen.

Was hat deine Rechtschutzversicherung damit zu tun? Eher noch Haftpflicht. Ein Anwalt wäre nicht schlecht.

Bei vorsätzlich begangen Straftaten, wie z.B. Körperverletzung zahlt weder die Rechtsschutzversicherung, noch die Haftpflichtversicherung.

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@TheGrow

Gute Ausführungen. Zudem ergibt sich aus den "Richtlinien für das Straf-und Bußgeldverfahren (RiStOV), dass das öffentliche Interesse bejaht wird und der Strafantrag (bei einfacher KV notwendig) überflüssig wird. So liegt das öff. Interesse dann vor, wenn der Rechtsfrieden über den Kreis des Betroffenen hinaus gestört ist und die Verfolgung der Sache im Interesse der Allgemeinheit steht. Sicherlich kann das unterstellt werden, wenn ein Schläger anderen die Knochen bricht.

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