Könnten FDP und AfD zu einer neuen Partei fusionieren?

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Könnten FDP und AfD zu einer neuen Partei fusionieren?

Technisch? Ja. Rechtlich? Ja. Praktisch? Wohl kaum. Zwischen beiden Parteien liegen Welten.

Ich meine, so, wie die ursprüngliche Lafontaine-Linkspartei und die PDS Gysis zur "Linken"?

Die Wahlalternative "Arbeit & Soziale Gerechtigkeit" (WASG), die damals mit der Linkspartei.PDS zur Linkspartei fusionierte, schloss sich auf der Basis fast 100%-ig identischer Inhalte und Ziele (zumindest in den Kernthemen) mit der Linkspartei zusammen.

Die AfD und die FDP trennen ungefähr 90-95% ihrer Ziele und Inhalte (und 100% der Kernthemen und Stammwähler, soweit man die Wähler der AfD schon als solche bezeichnen kann). Insofern ist wohl kaum zu erwarten, dass wir eine monothematische "national-liberale" Partei bekommen werden.

Das wäre vielleicht die Rettung der FDP

Das wäre eher der endgültige Tod der FDP, denn sie würde es politisch nicht überleben. Die FDP ist eine Arbeitgeber-Partei. Und nicht wenige der Arbeitgeber sind auf funktionierende Märkte angewiesen. Auch im Ausland. Was sie gar nicht brauchen können, ist eine experimentierfreudige Partei, die mal ein bisschen im Trüben stochern und nationalistische Träume hegen will, wobei sie en passant komplette Absatzmärkte destabilisiert.

Würden sie sich mit der AfD zusammentun, verlören sie auch noch das letzte bisschen Vertrauen, das sie von ihrem treuen Stamm-Klientel bisher immer bekommen haben, ganz egal, wie viel Mist sie immer mal wieder gebaut haben...

Danke für die fachkundige Antwort, die mich überzeugt! Ich hätte die Frage wohl besser im Blick auf FDP und "Freie Wähler" stellen sollen.

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@allgu007

Die Freien Wähler sind - und das im wörtlichen Sinne - viel zu liberal, als dass die FDP sich mit ihnen anfreunden könnte.

Die Bundespartei besteht zu nicht unwesentlichen Teilen aus Berufspolitikern, die in der freien Wirtschaft nicht sonderlich erfolgreich waren (Lindner hat zwei Firmen gegen die Wand gefahren; Döring war mal (und ist wohl bald wieder) Hundeversicherungs-Vertreter; ...). Außerdem ist die "halb-alte Generation" (Westerwelle et. al.) längst nicht tot und wird den seit Jahrzehnten währenden Klüngel nicht so einfach aufgeben, nur weil ein paar Leute das doof finden.

In einer strukturierten Lobby-Partei braucht man aber vor allem "artige Ja-Sager". Und dazu eignen sich die einzeln operierenden Lokal-Verbände der Freien Wähler nicht im Geringsten. ... und das nicht nur, weil sie völlig unterschiedliche Interpretationen ein und desselben Programms anbieten können. :)


Wenn du einen Weg für die FDP suchst, dann sage ich MEINE Vorstellung davon:

  • Die FDP sollte sich auf die Bürger besinnen.
  • Sie sollte Abstand von dümmlicher Demagogie - angefangen bei der gebetsmühlenartigen Behauptung, "... alles andere sei Sozialismus ..." - nehmen.
  • Sie sollte begreifen, dass sie sich entscheiden muss: Lobby-Politik für ein paar Wenige, dafür aber sehr reiche Konzerne und Unternehmer. Oder Lobby-Politik für die vielen Mittelständler. Beides geht nicht. Schon gar nicht gleichzeitig.
  • Sie sollte den Liberalismus-Begriff auch für sich selbst in Anspruch nehmen und nicht ständig anderen Leuten erklären, was für sie selbst anscheinend nicht zu gelten hat.
  • Sie sollte sich selbst an "Leistung muss sich wieder lohnen" messen und messen lassen ... oder die Klappe halten.

Sie sollte vor allem aber die ganze aktuelle Führung und deren Kreise austauschen: Von Lindner bis Westerwelle ist kein einiger glaubwürdiger Liberaler mehr vorhanden. Würden sie Kubicki ganz nach vorn holen und nicht nur zum Alibi-Reformer erklären, würden sie Fricke und Solms nach vorn holen, würden sie ihr gesamtes Programm umkrempeln und vor allem in den Kreisen und Ländern aggressive Arbeitgeber-Lobby-Arbeit betreiben ... nun, dann sähe ich eine gute Chance auf ein 2-stelliges Ergebnis in 4 Jahren...

... insofern warten wir mal ab, was Lindner nun mit der FDP macht. Als gewiefter Taktiker hat er sich ja schon damals ausgezeichnet, als er Rösler ins Feuer schickte und fein im Hintergrund abwartete, bis das Unausweichliche eintrat... Vielleicht taugt er ja als Politiker doch mehr, als als Unternehmer? ;)

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Wie kommst Du darauf ,die AFD sei nationalistisch?Du scheinst einen sehr sehr großzügigen Begriff von "Nationalismus" zu haben. Das bankrotte Griechenland als Absatzmarkt ? Na ja.

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@emsiger

Wie kommst Du darauf ,die AFD sei nationalistisch?

... beispielsweise aufgrund des Programms der Partei?

"Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht." (Wahlprogramm AfD)

Sei versichert: Die gesamte Im- und Exportwirtschaft (mit sehr wenigen Ausnahmen) ist auf den Euro angewiesen, um die Absätze auch in Krisenzeiten halbwegs stabil halten zu können. Und sinkende Absätze bedeuten in direkter Abhängigkeit weniger Arbeitsplätze und sinkende Löhne in Deutschland. Gleiches gälte für aufgrund von Währungsschwankungen verursachte Absatzschwankungen.

Dabei sind die Folgen für die anderen Staaten noch gar nicht einkalkuliert: Würde beispielsweise Griechenland aus dem Euro aussteigen, würde die Drachme bereits am Montag früh (wir haben heute Freitag kurz vor Börsenschluss) implodieren. Wer würde diesem Land noch eine Drachme Kredit geben? Du? Griechenland könnte stante pedes praktisch GAR NICHTS mehr aus dem deutschen Währungsraum importieren. Und das fände beispielsweise die deutsche Automobil-Industrie, an der zahllose gut bezahlte Arbeitsplätze hängen, gar nicht witzig.

(Und falls du glaubst, sie können es derzeit ja auch nicht: Ganz im Gegenteil. ;) Deine Steuergelder wandern zu nicht unerheblichen Teilen über den Umweg "Griechenland-Hilfe" in die Taschen deutscher Unternehmen und Konzerne, damit diese fein weiter exportieren und "die deutschen Arbeitsplätze sichern" können. Damit wäre in der Minute Schluss, in der man den Verbund verlässt.)

Oder das hier:

"Wir fordern eine Neuordnung des Einwanderungsrechts. Deutschland braucht qualifizierte und integrationswillige Zuwanderung."

"Qualifizierte und integrationswillige Zuwanderung"? Woran erkennen wir die Leute?

Daran, dass sie klares, vernünftiges und richtiges Deutsch schreiben können? In dem Fall müssten wir mal eben die Hälfte der Leute auf dieser Plattform "desintegrieren". Oder gibt es sowas wie ein nationalistisches "Geburtsrecht"?

Erkennen wir sie vielleicht daran, dass sie bereit sind, ohne Mullen und Knullen arbeiten zu gehen? Auch schwierig, oder?!

Erkennen wir sie dann eventuell daran, dass sie den Einwanderungstest bestehen? Fein, wie viele Mitgliedsstaaten hat die EU? Na los, antworte! Ohne nachzuschlagen! ;) ... Du weißt es nicht? "Raus!", du hast dich als "nicht integrationswillig" erwiesen, emsiger. ;) Kein Scherz, das ist eine Frage des Integrations-Tests. ... Oder gilt dieser Test etwa "nur für Ausländer"? Haben Deutsche auch hier ein "Geburtsrecht"?

... Du merkst, was so eine einfache Forderung impliziert, nicht wahr?!

Und warum wird sie gestellt? Auch das ist einfach: Man hat Angst. Angst um die Pfründe. Angst, dass irgend so ein Dahergelaufener sich daran gütlich tut, sich den Wanst vollschlägt, es sich besser gehen lässt, als in seiner Heimat.

Das ist Kernelement jedes Nationalismus'... Und das ist Kernforderung der AfD...

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Hmmm... Lafontaine war bei der SPD und ist mitnichten mit der PDS-Die Linke fusioniert sondern einfach beigetreten. Als EInzelperson. Zwei Parteien könnten "fusionieren" - ich bezweifle aber, daß Deine Konstellation auf große Gegenliebe bei den Mitgliedern stößt. Dem Parteienspektrum würde so ein Schritt keinen Gefallen tun und wenn es um Satzungen und Parteienfinanzierung geht, wird es schwierig... Nee, die werden sich anders orientieren!

Lafontaine leitete die WASG im Westen, Gysi die PDS im Osten, zur Fusionierung kam es am 16.6.2007.

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Eher nicht ,die FDP ist Wirtschaftliberal. 

Die AFD sucht noch ihren Platz und wofür sie steht ?

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