Könnte mir jemand den Ausdruck "Verselbstständigung der Finanzmärkte" näher erläutern?

3 Antworten

Verselbstständigung ist ein Phänomen, das bei vielen institutionellen Regelungen vorkommt. Die Politik legt Rahmenbedingungen fest und wird dann überrascht, welche Möglichkeiten sich dann ausschöpfen lassen, ohne dass der festgelegte Rahmen überschritten wird. Das hat damit zu tun, dass Politiker bei der Festlegung eines Rahmens sich oft gar nicht vorstellen können, was an Schlupflöchern und Varianten alles möglich ist.

Die Finanzmärkte sind ja im großen und ganzen vor allem Märkte, auf denen Angebots- und Nachfrageunterschiede gemanaged werden. Die sind darauf spezialisiert, Lücken und Gefälle ausfindig zu machen und zu nutzen. Dazu muss man wissen, dass viele der sogenannten Finanzprodukte komplizierte Rechtsgebilde sind mit teils hohem Risiko. Wenn dann die Politik diesen Managern die lange Leine lässt, geht das Risiko gleich in die Milliarden und weil über Quervereinbarungen auch "solide" Finanz- oder Versicherungsinstitute mit drinhängen, wird die Politik erpressbar. Wenn man sich anschaut, welche Akteure der letzten Finanzkrise von der Politik zur Rechenschaft gezogen wurden, dann findet man wenig.

Warum ist die Politik so milde und nachsichtig mit diesen Risikojongleuren? Weil sie sie brauchen! Denn dafür, dass mehr Geld im Weltumlauf ist als Güterwert, ist ein Versagen der Politiker weltweit. Wo man hinschaut, werden massive Schulden gemacht. Das hin- und herzuschieben, die Schuldenpakete der Politik zu managen, ist eine wichtige Aufgabe der Finanzmärkte. Nur sind diese Werte in derartige Höhen geschossen, dass sich doch viele Abgeordnete auch im Bundestag keine Vorstellung mehr machen können, was sie tun, wenn sie wieder mal 140 Milliarden, und 700 Milliarden, und 1.500 Milliarden absegnen. Sie geben der Finanzbranche, die sie brauchen, unwissentlich die Macht, über ihre Politik mitzuentscheiden. Dazu kommt dann, dass etliche Politiker hintenherum mit Akteuren der Finanzbranche gemeinsame Sache machen (siehe jetzt Zypern oder die Schiebereien in Griechenland oder Italien). Und wir bezahlen. Die geraden und die krummen Dinger.

Hier mal ein Beispiel - von wegen alle in Europa bringen ihre Finanzen in Ordnung:

"Erst im Mai erreichten die Staatsschulden (von Italien) ein Rekordhoch von 2,0747 Billionen Euro . Eine weitere Milliarde kommt außerdem zum Finanzloch hinzu, wenn tatsächlich die Mehrwertsteuererhöhung auch noch verhindert werden sollte. Ganz zu schweigen von den sozialen Stützungsmaßnahmen** im Umfang von 1,4 Milliarden Euro**, die Lettas Regierung angekündigt haben." Alles Geld, das Italien nicht hat, das wir finanzieren sollen.

Hier der ganze Beitrag:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/29/italien-schafft-monti-steuer-ab-neues-4-milliarden-euro-loch/

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Das bedeutet, dass sich (meistens kleinere Betriebe) selbstsändig machen. Also das sie quasi unabhängig sind. Dies kann durchaus die Globalisierung als Ursache sein.

Die Finanzmärkte, also plump gesagt die Börse ist nicht mehr unter Kontrolle. Sie folgt nicht mehr irgendwelchen Gesetzen sondern macht sich selbstständig.

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