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Hallo Mercubor,

LOL, nein - da würden die meisten Leute wohl eher vermuten, dass Du versuchst, irrationale Ansichten gegen Kritik zu immunisieren...

In der Wissenschaft spielt das Sparsamkeitsprinzip die Rolle eines Vermutungsprinzips - aber NICHT die Rolle eines Absolutheitsprinzips.

Damit ist gemeint, dass es sich immer wieder als falsch herausgestellt hat, zur Erklärung beobachteter Phänomene komplizierte Zusatzannahmen heranzuziehen. Die Natur funktioniert eher nach allgemeingültigeren Grundsätzen. Und genau deshalb ist in aller Regel die allgemeingültigere Erklärung die richtige. Deshalb ist es ein sehr vernünftiges Prinzip, erst dann zu exotischeren Annahmen zu greifen, wenn einfachere Lösungen auszuschließen sind.

Genau das sagt Ockham nämlich: Schließe zuerst das wahrscheinliche, die einfache Erklärung aus, bevor Du zu komplizierten Erklärungen greifst.

Nehmen wir an, wir betreten einen Raum. Am Boden liegt eine Leiche mit mehreren Stichwunden im Rücken. Darüber ein Mann mit einem blutigen Messer in der Hand.
Dann bedeutet die Anwendung von Ockham, dass ZUERST über welche Beweismittel auch immer auszuschließen ist, dass der Mann der Täter ist oder dass eine dritte Person im Raum nach der Tat dem Mann das Messer in die Hand drückte und floh, BEVOR man annimmt, dass Außerirdische durch einen Dimensionstunnel in den Raum drangen, den Mann ermordeten und den Raum auf demselben Weg wieder verließen.

Ockham besagt, dass wir die exotische Möglichkeit der außerirdischen Täter nicht widerlegen müssen, um den Täter verurteilen zu können. Es genügt, wenn es Indizien seiner Täterschaft gibt und gleichzeitig keine Indizien für die Gegenwart Außerirdischer (oder anderer Dritter im Raum).

Nicht anders wenden Naturwissenschaften Ockham auch an. Wir brauchen nicht die Annahme, dass sich die Planeten auf unsichtbaren Sphären bewegen, geschoben von unsichtbaren Engeln und deren kraftvollen Flügelschlägen - wenn wir eine Formel für eine zwischen allen Massen wirkenden anziehenden Kraft haben, die sich in allen uns bekannten Alltagssituationen bewährt. Wir müssen also nicht widerlegen, dass es diese "Planetenschieberengel" gibt, um davon ausgehen zu können, dass die Planeten einfach der Schwerkraft folgen.

Entsprechend müssen wir auch nicht geheimnisvolle, den sich bewährenden Erkenntnissen der Naturwissenschaften widersprechende "Wirkungen" von Homöopathika vermuten, wenn die beobachteten "Erfolge" bestens mit bekannten Effekten wie Placebo, Regression zur Mitte oder natürlicher Genesung zu erklären sind.

Naturphänomene sind allgemeiner Natur. Die Schwerkraft wirkt überall, ist allgegenwärtig. Zusatzannahmen, die NUR zur Aufrechterhaltung einer exotischen Hypothese dienen, die aber nirgends sonst nötig oder beobachtbar sind, sollte man in der Wissenschaft skeptisch gegenüberstehen. Allzu oft haben sie sich als falsch heraus gestellt. Skepsis bedeutet ja nicht, dass man sich nicht überzeugen lassen würde, wenn die Daten eindeutig für das behauptete exotische Phänomen sprechen würden; Skepsis ist lediglich der Hinweis, dass einfachere Erklärungen zuerst auszuschließen sind und gute Daten vorzulegen sind.

Grüße

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Kommentar von Mercubor
05.06.2016, 00:10


Zusatzannahmen, die NUR zur Aufrechterhaltung einer exotischen Hypothese
dienen, die aber nirgends sonst nötig oder beobachtbar sind, sollte man
in der Wissenschaft skeptisch gegenüberstehen. Allzu oft haben sie sich
als falsch heraus gestellt.


Stichwort: Dunkle Materie (eine extrem exotische Annahme ohne den Funken eines Beweises)...

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Kommentar von Jackie251
05.06.2016, 10:51

Ich verstehe dein Beispiel nicht.
Die Theorie eine dritte Person betrat den Raum und Außerirdische seien mittels Dimensionstunnel inm den Raum eingedrungen laufen doch auf das gleiche hinaus.

Nur das die 2. Möglichkeit bereits konkreter ist. So als würde man in der ersten Möglichkeit nicht von einer Person sprechen die den Raum betrat, sondern von einem Spanier sprechen, der sich durch die nördliche Außenwand gebohrt hat.

Des Weiteren hat es nichts mit Ockhams zu tun, zunächst vorhandene Modelle zu nutzen, statt völlig neue Theorien aufzustellen.

Konkret würde man in diesem Fall nicht die einfachere Theorie sondern eben die wahrscheinlichere Theorie zuerst verfolgen. Und es gibt in der Geschichte des Verbrechens nunmal viele bekannte Fälle in dennen der Täter ein Mensch war der vom Tatort floh und nur wenige in denen diese Tat dem extrateristischem Tunnelreisenden zugeschrieben wurde.

Wobei ich sogar soweit gehen. Selbst wenn dann in deinem Beispiel keinerlei Täter gefunden würde, würde man noch immer nicht die Theorie des Außerirdischen aufgreifen - weil man nicht überall frei Denken darf, auch wenn sich die bekannten Modelle als nicht ausreichend herausgestellt haben.
Hier kommt ein reines Ressourcenmanagement zum Einsatz: man nimmt den wahrscheinlichen Lösungsweg an.

Damit ist gemeint, dass es sich immer wieder als falsch herausgestellt hat, zur Erklärung beobachteter Phänomene komplizierte Zusatzannahmen heranzuziehen.

Ja stimmt, während sich einfache Theorien je immer und immer wieder als richtig erweisen.
So ist zum Beispiel das Atom - das ja als kleinstes unteilbares Grundelement erdacht wurde - später in ettliche baugleiche Teile zerlegt wurden, die inzwischen ihrerseits wieder als Zusammensetzung einer handvoll anderer Teilchen vermutet werden.

Wie haben die Weltformel einfach noch nicht. Uns ist bewusst, dass die Weltformel komplexer sein muss, als alle Einzeltheorien die wir nutzen.
Wieso sollte dann eine möglichste einfache Lösung die vermutlich korrekte sein?

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Nein, es ist eine mittelalterliche Methode, die von manchen heute verwendet wird, die sich wenig mit Philosophie auseinandergesetzt haben.

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das kann man durchaus so sagen.
Es hat nichts wissenschaftliches bei Unkenntnis der Wahrheit die "einfachste" Theorie zu wählen.
Vor allem aber ist "einfach" extrem vom eigenem Standpunkt abhängig.

Ist es wirkliche "einfacher" anzunehmen aus toter Materie hätten sich spontan Einzeller gebildet die sich später zu Riesentieren ala Hochaus evolutioniert haben nur um noch später den Menschen hervorzubringen? All das über Milliarden von Jahren den den daraus resultierenden Hürden und Gefahren aus dem All?
Ist es da nicht die einfachere Lösung anzunehmen vor 6000 Jahren kam er Gott und erschuf alles.

Oder das Periodensystem der Elemente.
Heute ist das gefüllt, aber als es entwickelt wurde war es ziemlich löchrig. Auch hier kann man 2 Blickwinkel betrachten.
Das PSE ist die "einfachste" Art die bekannten Elemente nach Ihren Eigenschaften zu sortieren. Aber wegen der vielen Lücken, gab es damals definitiv "einfachere" Theorien die Elemente zu sortieren.

Auch die Idee das die Erde ein Kugel sei, ist offenbar komplexer als die Idee sie sei eine Scheibe...

Ockhams Rasiermesser stellt daher keine wissenschaftliche Logik dar, sondern ist mehr so der selbstgefällige Standpunkt "komplexer als das was ich kann, muss es nicht werden"

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Kommentar von segler1968
04.06.2016, 23:28

Niemand behauptet, dass das ein wissenschaftliches Grundprinzip sei. Es beweist ja nichts. Dennoch ist es vernünftig, erst die einfachen Erklärungsmöglichkeiten zu betrachten, bevor wir uns den mysteriösen zuwenden.

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Sicher ist, dass die Frage, als Aussage formuliert, eine rhetorische Waffe sein kann, in diesem Fall gehen die Skeptikerbewegung.

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Kommentar von Mercubor
05.06.2016, 00:00

Und weiter?  Die sind in ihren Auswüchsen schon genau so radikal wie religiöse Fanatiker, also das was sie eigentlich bekämpfen!

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