Könnte man die "Reorganisierte Kirche Jesu Christ der Heiligen der Letzten Tage" überhaupt noch als Mormonen bezeichnen??

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Reorganisierten, oder heute besser Mitglieder der Gemeinschaft Christi genannt, lehnen den Begriff "Mormonen" für sich selber ab. In diesem Sinne sollte man sie auch nicht Mormonen nennen, wenn sie das schon selber nicht wollen.

Die Frage ist aber: Sind sie überhaupt Mormonen ? Andere, gemässigtere Mormonen als diejenigen aus Salt Lake City ? Was sind überhaupt Mormonen, kann man diesen Begriff für alle Gruppierungen verwenden, die sich auf Joseph Smith beziehen und das Buch Mormon als Heilige Schrift anerkennen ? Da ich selber Verwandtschaft in der Gemeinschaft Christi habe und intensiv mit deren Mitgliedern philosophiert habe traue ich mir eine Antwort zu.

Früher wurde der Begriff "Mormonen" tatsächlich für alle Kirchen und Gruppen verwendet, welche ihren Ursprung bei Joseph Smith hatten und das Buch Mormon als Heilige Schrift anerkannten. Das ist aber genauso falsch, wie wenn man früher alle Asiaten als "Chinesen" bezeichnet hat.

Es führte auch zu grossen Verwirrungen, denn die die Reorganisierten wollten unter keinen Umständen Mormonen genannt werden, da sie immer wieder mit den echten Mormonen aus Salt Lake City verwechselt wurden, was für sie der blanke Horror ist. Gleichzeitig wurden in der Zeitung auch die Polygamisten als "Mormonen" bezeichnet, was die Kirche in Salt Lake City sehr stresste, da man sich von den Polygamisten zu recht stark unterscheiden möchte.

So begann die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage den Ausdruck "Mormonen" für sich selber zu pachten. Sollten die Mitglieder früher den Ausdruck "Mormonen" vermeiden, wird er heute aktiv als Identitätsbeschreibung verwendet, verstehen doch die meisten Leute unter einem "Mormonen" ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Salt Lake City. Oftmals wird in diesen Tagen auch der Begriff "Mormonen" in Klammern hinter dem offiziellen Titel angeführt, damit der Leser die Unterscheidung machen kann und sofort weiss, von was die Rede ist.

So hat es sich mit der Zeit eingebürgert, dass ausschliesslich die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage mit Zentrum in Salt Lake City als Mormonen bezeichnet werden. Die Polygamisten werden als Polygamisten und allenfalls als mormonische Splittergruppe bezeichnet, genauso wie alle anderen Splittergruppen der Kirche. Es ist deshalb auch falsch, wenn man von einer "mormonischen Hauptkirche" und "Nebenkirchen" spricht, da es aus theologischer Sicht immer nur eine wahre Kirche geben kann und somit Haupt- oder Nebenkirchen ausgeschlossen sind. Die einzelnen Kirchen und Gruppierungen haben untereinander auch nichts miteinander zu tun und im Normalfall nicht einmal Kontakt zueinander.

Auf Mormonen wirken die Mitglieder der Gemeinschaft Christi sehr evangelisch, was auch nicht verwundert, arbeiten sie doch mit evangelischen Kirchen zusammen und sind in der Ökumene aktiv. Für evangelische oder katholische Christen wirken die Mitglieder der Gemeinschaft Christi wohl ziemlich mormonisch, was diese selber aber nicht sein wollen. Je nach Betrachtungsweise ändert sich der Eindruck, da sie selber irgendwo in der Mitte stehen. Das macht es für die Gemeinschaft Christi sehr schwierig, neue Mitglieder zu finden und einzubinden.

Das Buch Mormon wird nicht mehr als Heilige Schrift anerkannt, sondern als wertvolle Lehrquelle oder als Zeugnis einer Schrift aus dem 19. Jahrhundert. Der Gottesdienst zielt vorallem auf die Bibel und vor ein paar Jahren gab es eine Abstimmung in der Weltkonferenz, ob man das Buch Mormon nicht ganz abschaffen sollte. Es ist für Mormonen sonderbar zu sehen, dass gewisse Lehrinhalte in anderer Form in dieser Kirche bestehen, wie zum Beispiel das Melchisedekische Priestertum oder der Patriarchalische Segen.

Viele Splittergruppen der Kirche sind mittlerweile eingegangen, da sie von einem Mitgliederschwund betroffen waren oder die Protagonisten ausgestorben sind. Auch die Gemeinschaft Christi hat mit der Veränderung von Lehrinhalten und Praktiken viele Mitglieder verloren und leidet und chronischem Geldmangel.

Im Buch Mormon wird gelehrt, dass durch Kleines Grosses geschehen kann.. Genau das ist aus der Sicht der Mormonen nach dem Tod von Joseph Smith passiert: Eine Gruppe von Mormonen hatte sich nicht dem Treck von Brigham Young angeschlossen sondern wählte einen anderen Weg: Sie warteten und wählten Joseph Smith III als ihren neuen Führer. Dieser machte kleine Korrekturen in der Lehre - heute sind es riesige Unterschiede !

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Hier eine Aufstellung aus Wikipedia über die gegenwärtigen Splittergruppen der Kirche :

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_denominations_in_the_Latter_Day_Saint_movement

Hier noch eine interessante Aufstellung der Gemeinschaft Christi für Mormonen, die an einem Besuch in dieser Gemeinschaft interessiert sind. Für gestandene Mormonen wirkt diese Webseite allerdings eher abschreckend als einladend :

http://latter-dayseekers.org

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung
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In der Tat, Mormonen, die keine Mormonen sein wollen und auch nichts mit den Mormonen zu tun haben wollen, sollte man nicht als Mormonen titulieren, zumal wenn sie das Buch Mormon so weit abgehalftert haben, daß es eigentlich nur noch einem Ehrenvorsitzenden ähnlich wäre.

Das in der Mitte stehen wundert mich etwas, denn es könnte auch zu einem Wachstum führen, da man dann zwar Mormone wäre aber auch wiederum kein Mormone wäre.

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@NechoIII

Das mit der Mitte hat meiner Meinung nach historische Gründe. Die Kirche basiert auf der Church of Christ, welche durch Joseph Smith jun. im Jahre 1830 gegründet wurden inklusive aller vorhandenen Strukturen, welche natürlich heute noch vorhanden sind.

Wenn ich als protestantischer Christ eine Gemeinde suche und auf die Gemeinschaft Christi treffe werde ich wohl skeptisch, wenn ich über Joseph Smith und das Buch Mormon höre. Historisch gesehen ist die Gemeinschaft Christi auch nicht protestantisch, weil sie sich auf die Wiederherstellung der Urkirche beruft und nicht auf die Reformation. Protestanten werden vermutlich damit ein Problem haben und für die Gemeinschaft Christi wird es wohl schwierig sein, diese Einwände stichhaltig zu widerlegen.

Für ehemalige Mormonen ist es auch keine Alternative, weil entweder zuviel verändert wurde oder ganz einfach noch zu viel Mormonismus darin enthalten ist. Je nachdem unter welchen Umständen jemand die Kirche verlassen hat wird er das so oder so sehen.

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@bobby68

Joseph Schmitt II hat meines Erachtens eigentlich nur den Katholizismus neu erfunden (vgl. die Neuapostolen).

Das scheinen allerdings echte Hemmschuhe insbesondere für einen abtrünnigen Bergmormonen zu sein.

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Es gibt ca 70 Gemeinschaften ( Vor allen in den USA) die sich als Mormonen bezeichnen.
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist die grösste davon und wird als die offizielle Mormonenkirche genannt.

Ob sich alle an Buch Mormon orientieren weiß ich nicht genau.
Die Absplitterungen damals begründeten sich auch teils von den damaligen Führern der Kirche.
Zum anderen halten einige noch am Buch Mormon in Sachen Vielehe. Sie akzeptieren nicht die Aufhebung um 1890 die sich auf Gehorsam zu den Landesgesetzen gestützt hat.
Die Tempelrituale spielen auch eine Rolle für einige Absplitterungen.
Die Reorganisierte Kirche ist wohl die grösste Absplitterung die auch in Deutschland ihren Bestand hatte.

Aber im Internet kannst du fast alles nachlesen.

Wenn das Buch Mormon eine Rolle spielt, sind es Mormonen.

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Nur welche Rolle spielte dann das Buch Mormon bei ihnen?

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@NechoIII

Sie sehen es als heiliges Buch an und glauben den Mist, den Joseph Smith erfunden hat.

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@NechoIII

Das Buch Mormon ist tatsächlich amüsant, bzw die Tatsache dass es Leute gibt, die den Unsinn glauben.

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