könnt ihr mir einen Wanderschuh empfehlen?

7 Antworten

Nein das kann keiner, ohne deinen Fuß zu kennen. Gute Marken gibt es genug, aber jede Marke hat andere Leisten und sitzt deswegen anders. Es gibt daher keine andere Alternative, als anzuprobieren. Geschäfte wie Globetrotter sind dein Freund.

Deshalb fangen wir mal mit dem "nicht zu schwer" an: Zwar gibt es Studien, dass du ca. 4-6 mal so viel Gewicht auf dem Rücken tragen kannst, wie du am Fuß trägst (also für 100g die du am Fuß einsparst, kannst du ca. 400-600g mehr in den Rucksack stecken), aber wenn der leichtere Schuh drückt und scheuert (das passt sich auch nur bedingt oder garnicht mehr an beim Tragen, in der Regel sind die so wie sie sind) und der teurere perfekt auf deinen Fuß passt, nimm den teureren.

"Bedingt steigeisenfest" findest du anhand der Kategorien raus. Steigeisen gehen, je nach Bauform, erst mal mit allen Stiefeln. Nur Halbschuhe sind erst mal komplett raus. Wie gut das geht, und welche Steigeisen man nehmen kann, hängt von der Kategorie des Stiefels ab. Je höher die Kategorie, umso härter die Sohle, in der Regel auch mit einem höheren Eigengewicht verbunden. Zwischenkategorien wie AB und BC zeigen Mitteldinger an, Steigeisenaufnahmen gibt es aber erst ab echten C.

  • Kategorie A und B: Recht weiche Sohle (bei A halt noch weicher, bei B schon was fester). Geschnürte Steigeisen sind möglich (werden ja eh nur um den Fuß gebunden), die Sohle gibt aber so stark nach, dass das Steigeisen ständig rausrutschen kann beim Klettern oder wenn es in einer Eisfläche hängenbleibt und beim Klettern gibt sie so stark nach, dass du kaum Halt findest.
  • Kategorie C ist das, was man "bedingt steigeisenfest" nennt. Eigentlich die absolute Allzweckwaffe für alles irgendwie geeignet. Die Sohle ist schon enorm fest, was fürs Wandern aber immer noch okay ist, das Gewicht ist schon etwas grenzwertig aber immer noch okay (hier gibt es aber größere Unterschiede zwischen den Herstellern), Geröllschutz und Kletterzone (griffigerer Sohlenteil an der Fußspitze) sind optimiert für normales Felsklettern und eine Steigeisenaufnahme hinten erlaubt die Nutzung von halbautomatischen Steigeisen (hinten geclipt, vorne geschnürt). Durch die feste Sohle gibt der Schuh nur noch so wenig nach, dass ein Abrutschen des Steigeisens sehr unwahrscheinlich gibt.
  • Kategorie D sind voll steigeisenfest und haben Clipaufnahmen für Steigeisen vorne und hinten. Sie gelten als voll steigeisenfest, aber aufgrund der extrem harten Sohle und des hohen Eigengewichtes macht Wandern damit garkeinen Spaß. Das ist nur was für Hardcore-Gletscherwanderer und Eiskletterer, die keine Minute mehr ohne Steigeisen unterwegs sind.

So wie es klingt, suchst du einen Kategorie C Stiefel. Wenn dein Focus deutlich mehr auf Wandern liegt vielleicht einen BC (hat aber dann schon keine Clipaufnahme hinten) oder wenn du viel Wandern gehst und einmal im Jahr mit einer Gruppe drytoolen/eisklettern wobei du eh nur Toprope kletterst vielleicht einen B. Für Klettersteige reichen B, Gerüchte, die manche Verkäufer verbreiten, wer ohne C-Stiefel in einem österreichischen Klettersteig stürzt und gebogen werden muss, müsste seine Rettung selbst bezahlen, stimmen einfach nicht (entweder bist du DAV-Mitglied und deine Bergung ist über sie versichert oder du bist es nicht und zahlst eh selbst). Sobald du größere Gletschertouren planst oder regelmäßig eisklettern/drytoolen gehst, führt aber kein Weg an C vorbei.

Kategorie C Stiefel sind übrigens meist nicht mehr aus Leder sondern aus einem atmungsaktiven Synthetik-Material mit Goretex-Membran. Damit kannst du durch die tiefsten Pfützen waten, über die übelsten Eisflächen klettern und sogar im Sommer wandern, dein Fuß bleibt trocken, Schweiß geht raus, Wasser bleibt draußen. Saubermachen ist auch kein Thema, imprägnier die Schuhe mit einer Funktionsstoff-Nano-Imprägnierung, dann reicht es, ab und zu mal den nach der Wanderung getrockneten Matsch abzubürsten. Wenn es irgendwann garnicht mehr geht, bekommt man die Schuhe unter fließend Wasser wieder blitzeblank und kann sie danach neu imprägnieren (mit alten Zeitungen ausstopfen - du wirst übrigens sehen, auch nach der Reinigung unter der Dusche sind sie noch trocken - unter fließend Wasser abspülen und bürsten und noch nass wieder imprägnieren). Das ist eigentlich schon pflegeleichter als jedes Leder, das man regelmäßig fetten muss, damit es nicht trocken wird und genauso atmungsaktiv wenn nicht atmungsaktiver. Nur meist mit recht grellen Farben, Leder schaut schon edler aus, das stimmt wohl. Achte aber auch bei Leder auf eine Goretex-Membran, das ist wichtiger als das Obermaterial selbst.

Was den Hersteller angeht, viele sagen, nur italienische Schuhe wären gut. Aber Scarpa und La Sportiva haben sehr schmale Leisten, die passen nicht jedem. Die Deutschen (Hanwag, Lowa, Meindl) sind genauso gut verarbeitet, passen dir aber unter Umständen besser. Fuß- und Schuhform vergliechen, dann einfach anprobieren, nur so kann man das rausfinden.

aber wenn der leichtere Schuh drückt und scheuert (das passt sich auch nur bedingt oder garnicht mehr an beim Tragen, in der Regel sind die so wie sie sind) und der teurere perfekt auf deinen Fuß passt, nimm den teureren.

Sorry, hier haben sich Reste von Müdigkeit eingeschlichen ;-) Wenn der leichtere Schuh nicht passt, nimm nicht den teureren ;-) Macht keinen Sinn.

Wollte natürlich sagen, wenn der leichtere Schuh nicht vernünftig sitzt, ist es sinniger, den schwereren zu nehmen, der dafür gut sitzt.

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Was den Hersteller angeht, viele sagen, nur italienische Schuhe wären gut. Aber Scarpa und La Sportiva haben sehr schmale Leisten, die passen nicht jedem.

Scarpa hab ich scho öfters ghobt und die san ma imma nach a paar monate deppert gange....aber des hem dia a imma wieda auf garantie umtauscht ....

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Das klingt für mich so, als wolltest du wissen, welches der für dich beste Wanderschuh ist und ihn dann im Netz bestellen. Entschuldige, aber damit wirst du sehr wahrscheinlich daneben greifen. Der alte Weg ist da immer noch der beste. Geh in ein entsprechend gut ausgestattetes Fachgeschäft, lass dich dort beraten und probiere, probiere, probiere.

Solltest du das sowieso schon vorgehabt haben, so lautet mein Tip: erstmal ordentliche Funktionssocken mitnehmen bzw. dort kaufen. Und dann möglichst Schuhe von Schustern (d.h. beispielsweise Lowa, Meindl, Hanwag) in die enger Wahl ziehen, kritischer bin ich da bei Schuhen von Herstellern, die im eigentlichen Sinne keine Schuhhersteller sondern eher Schneider sind oder gar alles unter ihrem Label vermarkten. Manchmal kommen zu mir ins Geschäft auch Kunden mit einem Testheft und wollen dann den Testsieger unbedingt haben, weil der ja so gut abgeschnitten hat. Aber was nützt denn bitte der beste Schuh, wenn er an deine Füße nun gerade gar nicht gut passt??? Erfahrenes Fachpersonal kann hier oft noch den entscheidenden Hinweis geben.

möglichst Schuhe von Schustern (d.h. beispielsweise Lowa, Meindl, Hanwag)

Die Zeiten sind seit mindestens 40 Jahren vorbei in denen die Schuhe der Gebrüder Wagner oder der Fam. Meindl von Schustern fabriziert wurden .....

Aber richtig: Fachverkauf lohnt bei Wanderschuhen..... aber dann auch gut ausgebildetes und informiertes....

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@luxuryretreat

Das kann man gelten lassen, wenn man "Schuster" als abwertend für "Schuhmacher" empfindet. Ansonsten findet dort noch richtiges Handwerk statt. Ich war mal bei Meindl in der Produktion, die haben da u.a. Maschinen aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damit wird nach wie vor "geschustert".

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@luxuryretreat

Und bei Lowa war ich jetzt auch in der Produktion. Dort findet richtiges Handwerk statt. Mit Schürze, Hammer und Zwickzange. Und das in Deutschland!!!!

Bilder gern auf Anfrage.

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Viele Antworten zur Theorie des Stiefelkaufs hast du jetzt erhalten, deshalb ein Praxistipp von mir. Ich verwende den La Sportiva Trango Alp Gtx. Der trifft so ziemlich genau das, was du beschrieben hast:

  • leicht
  • bedingt steigeisenfest
  • Leder

Leider ist der ein Auslaufmodell und nicht mehr häufig zu bekommen. Aber mit dem Trango S Evo gäbe es eine aktuellere Alternative, die du dir ansehen könntest. Ich verwende den La Sportiva seit ein paar Jahren für Hochtouren unterhalb 4.000 Meter, also alles in den Ostalpen. Für Westalpen oder Wintertouren ist er mir zu gering isoliert (was bei dem Gewicht klar ist).

Der Steifel ist wie bereits erwähnt etwas schmaler geschnitten. Dafür sitzt er top am Fuß und vermittelt beim Klettern viel Gefühl für den Fels. Er ist steigeisenfest aber noch so flexibel, dass er auch auf Wanderungen bequem zum Einsatz kommt.

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