Könnt ihr bitte zwischen den Zeilen lesen? Mein Zwischenzeugnis ist meines Erachtens nach nicht gut

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"In all ihren Arbeitsbereichen" bedeutet häufig: aber auch kein bisschen mehr

"Zufriedenstellend" entspricht Schulnote 3-4, also: naja...

"Nutzt alle gebotenen Möglichkeiten intensiv usw." kann bedeuten, dass du lieber an Fortbildungen teilnimmst als zu arbeiten

"Hoher Leistungswille und stetige Bereitschaft" bedeuten nur, dass du Dinge VERSUCHST.

"Starkem Arbeitsanfall jederzeit gewachsen" - das sollte selbstverständlich sein und heißt nicht zwangsläufig, dass du gerne mehr tust als unbedingt nötig

"Findet wirksame Lösungsansätze" klingt gut - da steht nur nichts von schnell oder effizient, und "erfolgreich umgesetzt" ist auch das bekannte Glühbirne-Einschrauben mit 4 Mann...

"außerordentlich zufrieden" ist eigentlich schon ein Widerspruch in sich - du erfüllst die Erwartungen (zufrieden) aber mehr? K.A. wie ich das "außerordentlich" in dem Zusammenhang deuten soll...

"Frisches usw. Auftreten" wirft die Frage auf, ob das Auftreten der Leistung entspricht, "frisch" bedeutet u.U. respektlos, und alles, was besonders hervorgehoben wird, kann das genaue Gegenteil bedeuten. Ein "Ansprechpartner" ist jemand, mit dem man über Dinge SPRICHT - das muss aber nicht die Person sein, die auch an der Lösung beteiligt oder gar dafür verantwortlich ist.

Man "dankt" dir für die "Mitarbeit" - will man dich weiter dort haben? Oder wäre man froh, dich gehen zu sehen? Und dass das Zeugnis auf deinen Wunsch erstellt wurde, kann man auch so lesen, dass der Arbeitgeber sich den "Eiertanz" am liebsten erspart hätte...

Ich habe jetzt erst mal ALLES negativ ausgelegt, das muss aber nicht so zutreffen! Viele Personaler kennen die Zwischenzeilen selbst nicht so genau - einfach, weil es eine besch...eidene Art ist, mit Mitarbeitern umzugehen. Weil grundsätzlich nur "positive" Formulierungen benutzt werden dürfen, hat eigentlich alles "Nebenwirkungen".

Am besten, du gehst damit zu einem "Experten" beim Arbeitsamt/ Gewerkschaft und lässt das gegenlesen - die sollten auf dem neuesten Stand sein und können auch mehr dazu sagen, was in "deiner Branche" so üblich wäre. Wenn auch die unzutreffendes/ negatives feststellen, kannst du Widerspruch einlegen und auf einem neuen Zeugnis bestehen...

In der Tat, du hast alles negtiv ausgelegt. Ich wüsste zum Beispiel nicht, was an dem Wort zufrieden schlecht sein soll, vor Allem im Zusammenhang mit "außerordentlich".

Noch ein Beispiel:

<"In all ihren Arbeitsbereichen" bedeutet häufig: aber auch kein bisschen mehr.>

Ja meine Güte, in einem Arbeitszeugnis werden nun mal Arbeitsbereiche beurteilt, und wenn in allen Arbeitsbereichen gute Kenntnisse bescheinigt werden wo soll denn dann noch ein Mangel sein?

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Vielen Dank für die Antwort. Ich habe mein Zwischenzeunis beanstandet. Es wurde neu verfasst und das nach meinen Wünschen. Könntest du das neue Zwischenzeugnis bitte auch "auseinandernehmen" :))

LG

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Arbeitest Du in einer Arztpraxis? Dieses Zeugnis ist wirklich alles andere als gut, eher sehr schlecht. Du solltest Dich im Internet schlau machen, wie ein gutes Zeugnis aussehen sollte, auch vom Stil her. Vielleicht schreibst Du es vor oder machst Dir zumindest Notizen, welche Passagen Du geändert haben möchtest und bittest Deinen Chef, es neu zu schreiben. Mit diesem Zeugnis kannst Du Dich m.E. nicht bewerben. L.G.

Nein, ich arbeite im Empfang einer Windkraftanlagenfirma.

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Arbeitszeugnisse dürfen ja bekanntlich nicht so negativ verfasst werden das dadurch die berufliche weitere Zukunft gefährdet werden kann. Darum hat sich diese Geschichte um angeblich geheime, verschlüsselte Codes etabliert mit denen man negative Eigenschaften positiv verpacken kann.

"zufriedenstellende Weise" würde ich mit gerade mal ausreichend ansetzen, also nicht besonders gut.

Hoher Leistungswillen und Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen heisst für mich: bislang noch keine Verantwortung für irgendwas wirklich inne gehabt. Und wollen heisst auch nicht wirklich tun.

"Außerordentlich zufrieden" usw. ist in Ordnung, besser geht es kaum. Aber frisches, verbindliches Auftreten? Vielleicht auch: burschikos und bestimmend?

Man kann viel in so ein qualifiziertes Arbeitszeugnis hineininterpretieren, das möchte ich hier klarstellen. Eine Bewertung ist praktisch unmöglich, ist dies doch hauptsächlich von dem abhängig der das Zeugnis liest. Auf den ersten Blick ist dies kein schlechtes, aber auch kein überragend gutes Zeugnis. Aber das ist meine Einschätzung, mag sein das andere das anders sehen.

"Arbeitszeugnisse dürfen ja bekanntlich nicht so negativ verfasst werden das dadurch die berufliche weitere Zukunft gefährdet werden kann. Darum hat sich diese Geschichte um angeblich geheime, verschlüsselte Codes etabliert mit denen man negative Eigenschaften positiv verpacken kann."

Das stimmt nicht ganz. Zeugnisse dürfen auch negativ sein, wenn die Leistung negativ war. Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass dadurch die berufliche weitere Zukunft nicht ungerechtfertigt gefährdet wird. Ein einzelnes Wort macht den Unterschied.

Dagegen ist es nicht erlaubt, positiv klingende Formulierungen als "Geheimcode" für negative Aussagen unterzubringen.

§109 der Gewerbeordnung:

(2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

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