Können Therapien helfen, dass Strukturniveau einer Person an zu heben?

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5 Antworten

Psychoanalytische Psychotherapien sind seit jeher darauf ausgerichtet, wobei die Struktur- und Entwicklungsförderung aufgrund der Komplexität der Psyche nicht allein oder ausschließlich im Fokus standen und stehen. 

In Deutschland wurde dann innerhalb der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (ein nur in Deutschland bestehendes und international viel kritisiertes psychoanalytisch abgeleitetes Therapieverfahren) eine Therapie entwickelt (bzw. bekannte Ansätze herausgelöst und zusammengefasst), in der nur diese (mit einer Abkehr vom Konflikt- zu einem Defizitmodell der Psyche) fokussiert wurde. Die anfängliche Euphorie konnte insges. nicht mit der Realität in Einklang gebracht werden.

Hintergrund ist (wieder in einem deutschen Alleingang) ein Versuch, psychoanalytisch orientierte Diagnostik nach Maßgaben der Evidenzbasierten Medizin zu operationalisieren, u.a. um Studien zu erleichtern. Daher ist dies in den Bereich der Arbeitsgruppe um die OPD zu verorten (einer in Deutschland mächtigen Gruppe, die bis in den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie hineinreicht).

Ein Vorwurf war, dass es sich um einen unzulässigen Vereinfachungsprozess handelt, der sich mit der komplexen psychischen Realität der Patienten nicht deckt. Man merkt, dass die Entwickler nahezu allesamt aus dem universitär-stationären Bereich (mit entsprechenden Kürzungen der Aufenthaltsdauer, auf die irgendwie reagiert werden muss/te) kommen, die wenig Erfahrungen mit ambulanter Langzeitarbeit haben.

Dies wurde und wird daher kritisch gesehen. Außerdem stieß dies im ambulanten Bereich an Verstöße gegen die Psychotherapie-Richtlinie, es kam dann auch bei solchen nur strukturfokussierten Behandlungsplänen zu häufigen Ablehnungen der Anträge durch die Gutachter. 

Auch sonst gab es viel Kritik, so dass ein rein strukturfokussiertes Vorgehen zwar im stationären Bereich eingesetzt wird (mit der Empfehlung einer ambulanten Weiterbehandlung), während bei ambulanten Langzeittherapien wieder eine Mischung aus Konflikt- und Struktur beachtet wird (was die Erlebensrealität der Menschen auch eher abbildet).

Meine persönliche Kritik ist, dass im stationären Bereich Menschen um Hilfe suchen, die sich in schweren Erkrankungsphasen befinden, die oftmals unter einem Einbruch einer ansonsten normalen Struktur leiden. Die OPD kann in den Interviews aber nur den aktuellen Zustand erfassen. 

Bessert sich das Leiden (egal durch welche Maßnahmen, und sei es auch nur durch das Umfeld in der Klinik), kehren sie auf ihr eigentliches Strukturniveau zurück. Dies dann als in kurzer Zeit erzielte Strukturveränderung und entsprechenden Erfolg zu bewerten, ist m.M. unzulässig. 

Außerdem sind die Menschen i.d.R. nach Entlassung ja wieder mit ihren Konflikt-Auslösern im Alltag konfrontiert, ohne dass die konfliktbezogenen Themen aufgearbeitet werden konnten (was im stationären Bereich aus zeitlichen Gründen ja nun mal auch nur schwer zu realisieren ist).

Insofern: nicht jede strukturelle Störung ist auch eine, wenn eine solche vorliegt, ist es m.M. nicht ratsam, diese allein und losgelöst (und nur als ein Defizit) zu betrachten, und ja, eine wirkliche Veränderung der Struktur ist möglich, aber eben eingebettet in eine intensive und lange Behandlung.

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Hallo, Zellsoma.

Ja, ich denke, Therapien könnten helfen, den Menschen fortzuentwickeln. Sie können diese Aufgabe jedoch nicht alleine übernehmen. Ein guter Therapeut wird die richtigen Fragen stellen, so dass man sich selbst die Aspekte erarbeitet, auf die es ankommt.

Einen gleiche Aufgabe können gute ehrlich reflektierende Freunde oder auch Eigenreflexion bieten.

Wie so oft: Viele Wege führen nach Rom.

Wichtig ist in meinen Augen, dass es sich um eine eigenbestimmte Arbeit an der eigenen Persönlichkeit handelt. Westliche Religionen fallen damit aus meiner Sicht als Mittel zum Zweck durch das Raster, denn sie versuchen Vorgedachtes möglichst unverändert an den Mann zu bringen.

Persönlichkeitsentwicklung ist jedoch eine ehrliche, dauerhafte Auseinandersetzung mit sich selbst, seinem persönlichen Umfeld und ganz am Ende auch Aspekten der Transzendenz.

Herzliche Grüße

krato333 

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Würde sagen das kommt auf die Therapie drauf an - mit einer "WirsitzenheuteamSeeuferundessenSteine"-Therapie wird man vermutlich nicht so weit kommen wie mit einer Psychoanalythischen Gesprächstherapie

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Das hier ist schon etwas kompliziert. In Indien habe ich gehört, heiraten nur Menschen aus dem gleichen sozialen Umfeld. Also nur Reiche mit Reichen. Kinder von Bauern nur mit Kinder von Bauern. Kinder von Händler nur mit Kinder von Händler. Man bleibt in der Kaste und versteht sich. So ungefähr weiss ich das noch.

Somit sind viele Probleme gleich vom Tisch. Heute bei uns, heiratet man quer durch alle Schichten. Das ist wahrscheinlich der Grund für viele Probleme heute. In jeder Schicht sieht man die Welt mit anderen Augen. Darum wird sich jeder anders verhalten.

Mit Reden allein kommt man hier kaum weiter. Eine Drittperson wäre hier hilfreich, welche vermitteln könnte. Früher in Grossfamilien, wo verschiedene Generationen zusammen lebten, war vielleicht immer irgendwer um die Ecke, welcher vermitteln konnte. Heute lebt man getrennt von den Eltern und keiner ist da, wenn Unstimmigkeiten auftachen. Zum Psycholgen zu gehen wird teuer, und hilft oft nicht.

Habe ich deine Frage richtig verstanden?

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1 Frage an dich - Was für ein Wikipedia Artikel?
2 Frage - Warum stellst du solch komplizierte Fragen ohne genauere Erläuterung oder Erklärung?

So kann man dir nicht helfen !

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