Können sich Tiere (außer der Mensch) Gedanken über die Zukunft machen?

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9 Antworten

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Angeborene Verhaltensweisen und Nachahmung gegen bewusstes Handeln abzugrenzen, ist meistens sehr schwer, aber auch den meisten als mäßig intelligent geltenden Tieren kann man Lernverhalten und manchmal abstraktes Denken nachweisen.

Hunde und Katzen sind nicht die Intelligenzbestien des Tierreiches, überraschen ihre Halter aber trotzdem oft genug. Nicht nur, dass sie einzelne Ereignisse in Zusammenhang stellen können (der Nachweis der klassischen Konditionierung und später des Placebo-Effekts erfolgte ja an Hunden), bis zu einem gewissen Grad scheinen sie auch planen zu können, wenn es darum geht, an Futter zu kommen (z.B. durch Betteln oder bei Katzen auch oft durch Randalieren) und die Kommunikation zwischen Mensch und Haustier erfolgt auch nicht nur einseitig.

Für ihre Intelligenz bekannt sind hingegen Affen im Allgemeinen und die übrigen Menschenaffen neben dem Menschen im Speziellen, außerdem Rabenvögel, Papageien, Delfine, Elefanten und Tintenfische. Viele Arten dieser Gruppen benutzen Werkzeuge, beweisen beim Spiegeltest, dass sie sich ihrer selbst bewusst sind und lösen komplexe Denkaufgaben, die Abstraktion und Planung voraussetzten, und einige, darunter Menschenaffen und Krähen müssen darauf nicht einmal trainiert werden.

Ein paar Beispiele, die ich besonders spannend finde: Bei einer Gruppe von Makaken in einer Forschungseinrichtung in Wisconsin wurde ein Pärchen beobachtet, dass sich zum Kopulieren vom Rest der Horde abgesetzt hat, weil das Männchen zu tief in der Rangfolge stand, sodass es ihm nicht erlaubt war, sich zu paaren. Das Erstaunliche ist, dass die beiden sich offenbar der Konsequenzen ihres Handelns bewusst waren, denn das Weibchen hinderte das Männchen durch Blicke und Gesten daran, beim Orgasmus laut zu grunzen, offenbar aus Angst, entdeckt zu werden.

Auch bei Krähen sieht es so aus, als könnten sie sich in andere Individuen hineinversetzen. Es wurde beispielsweise beobachtet, wie Krähen ihr Futter versteckten, während sie von anderen Vögeln beobachtet wurden. Sobald das andere Tier aber kurz nicht hinsah, versteckten die Krähen ihr Futter an anderer Stelle und beobachteten dann, wie ihre Konkurrenten vergeblich beim ersten Versteck nach Futter suchten. So eine Verhaltensweise setzt ein großes Maß an Planung und sozialer Intelligenz voraus.

Auch scheinen außer dem Menschen zumindest manche andere Affenarten und Elefanten das Prinzip des Todes erfassen zu können. Wenn Schimpansenmütter ihren verstorbenen Nachwuchs herumtragen und pflegen, bis er vollständig verwest oder Elefanten ihre toten Gruppenmitglieder immer wieder aufsuchen und betasten, lässt sich dass entweder dahingehend deuten, dass sie nicht verstehen, was Tod bedeutet, oder dass sie auf diese Weise Abschied nehmen. Eindeutiger sind da die Beobachtungen an einer Gruppe von vier gefangenen Schimpansen, die mehrere Jahrzehnte zusammenlebten. Als eines der alten Gruppenmitglieder im Sterben lag, wurde es von den übrigen tagelang vermehrt gelaust und gestreichelt, womit sie kurz nach Eintritt des Todes aufhörten. Stattdessen schlief einer der Schimpansen in direkter Nähe zum toten Artgenossen, obwohl er das sonst nie getan hatte. Auch einige Zeit nachdem der Leichnam durch Forscher entfernt wurde, gaben die übrigen Affen sich vermehrt Zuneigung, was man als Tröstungsversuche interpretieren könnte. Eine solche Suche nach Trost bei Artgenossen ist auch von anderen Affenarten bekannt.

Ich denke da ist ein gewisses Level an Selbstbewusstsein und damit verbundene Intelligenz erforderlich.

Möglicherweise die üblichen Verdächtigen wie Affen, Delphine und Co..

Ein Eichhörnchen, dass für den Winter vorsorgt – klingt zwar für uns nach Zukunftsdenken, aber ich denke das ist instinktgesteuert und passiert quasi automatisch.

Es gibt einige Tiere, die sich die nahe Zukunft vorstellen können. Elefanten brechen an einem Ort auf und kommen Wochen später in einer Region an, in der es geregnet hat, wo das Land grün ist. Das wäre nicht möglich, wenn sie keine Vorstellung von der Zukunft hätten. Ob sie jedoch darüber nachdenken, wie ihr Leben in den nächsten 40 Jahren aussieht, kann man sie leider nicht fragen. Möglich wäre es jedoch. Denn warum sollten sich sonst junge Elefantenkühe bereitwillig um die jungen Kälber ihrer Tanten kümmern, wenn sie sich nicht selbst irgendwann in der Rolle einer Mutter sehen würden. Aber das ist Spekulation und keine gesicherte Erkenntnis.

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