Können sich Christen noch Christen nennen, wenn sie für die Todesstrafe sind?

19 Antworten

Hallo fraanzuui,

wenn Du pauschal und generell gegen die Todesstrafe bist, solltest Du nicht gerade die Bibel als Argumentationshilfe verwenden. Und zwar weder das AT noch das NT.

Sieh mal, die nächsten drei Verse sind aus 1. Mose (HFA):


2,16 Dann schärfte er ihm ein: "Von allen Bäumen im Garten darfst du essen, 17 nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen lässt. Sobald du davon isst, musst du sterben!"“

„3,17 Zu Adam sagte er: "Deiner Frau zuliebe hast du mein Verbot missachtet... 19 Du wirst dir dein Brot mit Schweiß verdienen müssen, bis du stirbst. Dann wirst du zum Erdboden zurückkehren, von dem ich dich genommen habe. Denn du bist Staub von der Erde, und zu Staub musst du wieder werden!" “

„9,5 Niemand darf einen anderen Menschen ermorden! Wer dies tut - ob Mensch oder Tier -, muss mit dem Tod dafür büßen. Ich selbst werde ihn zur Rechenschaft ziehen. 6 Wer einen Menschen tötet, darf selbst nicht am Leben bleiben; er soll hingerichtet werden. “

Unter dem mosaischen Gesetz, das Du ja zitiert hast, war für folgende Verbrechen die Todesstrafe vorgeschrieben: 1. Gotteslästerung (3Mo 24:14, 16, 23); 2. Anbetung irgendeines anderen Gottes als Jehova, jede Form des Götzendienstes (3Mo 20:2; 5Mo 13:6, 10, 13-15; 17:2-7; 4Mo 25:1-9); 3. Zauberei, Spiritismus (2Mo 22:18; 3Mo 20:27); 4. falsches Prophezeien (5Mo 13:5; 18:20); 5. Brechen des Sabbats (4Mo 15:32-36; 2Mo 31:14; 35:2); 6. Mord (4Mo 35:30, 31); 7. Ehebruch (3Mo 20:10; 5Mo 22:22); 8. wenn eine Frau fälschlicherweise behauptete, zur Zeit der Eheschließung eine Jungfrau gewesen zu sein (5Mo 22:21); 9. Geschlechtsbeziehungen mit einem verlobten Mädchen (5Mo 22:23-27); 10. Blutschande (3Mo 18:6-17, 29; 20:11, 12, 14); 11. Homosexualität (3Mo 18:22; 20:13); 12. Sodomie (3Mo 18:23; 20:15, 16); 13. Menschenraub (2Mo 21:16; 5Mo 24:7); 14. Schlagen oder Beschimpfen eines Elternteils (2Mo 21:15, 17); 15. falsches Zeugnis ablegen in einem Fall, in dem die Strafe für den Angeklagten der Tod wäre (5Mo 19:16-21); 16. wenn sich ein Unbefugter der Stiftshütte näherte (4Mo 17:13; 18:7).

Jetzt einige Verse aus dem NT; sie zeigen, dass Gottes Standpunkt sich nicht verändert hat.

„Joh 3,36 (ELB) Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. “

„Lk 19,26 Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. 27 Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir! “

„Mt 25,46 Auf diese also wartet die ewige Strafe. Die anderen aber, die den Willen Gottes getan haben, empfangen das ewige Leben.« “

„R6,23 Denn der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod; aber das Geschenk, das Gott uns in seiner Gnade macht, ist das ewige Leben in Jesus Christus, unserem Herrn.“

„Röm 13,4 (GNB) Denn die staatliche Macht steht im Dienst Gottes, um dich zum Tun des Guten anzuspornen. Wenn du aber Böses tust, musst du dich vor ihr fürchten. Ihre Vertreter tragen nicht umsonst das Schwert. Sie stehen im Dienst Gottes und vollstrecken sein Urteil an denen, die Böses tun. 5 Darum müsst ihr euch der Staatsgewalt unterordnen, nicht nur aus Furcht vor dem Gericht Gottes, sondern auch, weil euer Gewissen euch dazu anhält. 6 Deshalb zahlt ihr ja auch Steuern. Denn die Staatsbeamten handeln als Beamte Gottes“

„Heb 10,27 Wir müssen dann ein schreckliches Gericht fürchten; denn wie ein Feuer wird Gottes Zorn alle vernichten, die sich gegen ihn auflehnen. 28 Wer gegen das Gesetz Moses verstößt, wird ohne Mitleid getötet, wenn seine Schuld durch zwei oder drei Zeugenaussagen festgestellt ist. 29 Um wie viel schlimmer wird dann bestraft werden, wer den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Bundes, das ihn rein und heilig gemacht hat, wie eine gewöhnliche Sache abtut und den Geist beleidigt, dem er die Gnade verdankt! 30 Wir kennen doch den, der gesagt hat: »Ich werde Vergeltung üben und sie für alle Bosheit hart bestrafen.« Es heißt an derselben Stelle auch:5 »Der Herr wird seinem Volk das Urteil sprechen.« 31 Dem lebendigen Gott in die Hände zu fallen ist schrecklich!6 “

„ Off 19,11 Dann sah ich den Himmel weit geöffnet. Und ich sah ein weißes Pferd, auf dem saß einer, der heißt der Treue und Wahrhaftige. Er urteilt und kämpft gerecht. 12 Seine Augen waren wie Flammen und auf dem Kopf trug er viele Kronen. Ein Name stand auf ihm geschrieben, den nur er selbst kennt. 13 Sein Mantel war blutgetränkt, und sein Name ist »Das Wort Gottes«. 14 Die Heere des Himmels folgten ihm. Alle ritten auf weißen Pferden und waren in reines weißes Leinen gekleidet. 15 Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert, mit dem er die Völker besiegen sollte. Er wird sie mit eisernem Zepter regieren und sie zertreten, wie man die Trauben in der Weinpresse zertritt. So vollstreckt er den glühenden Zorn Gottes, des Herrschers der ganzen Welt. 16 Auf seinem Mantel und auf seinem Schenkel stand sein Name: »König der Könige und Herr der Herren«. 17 Dann sah ich einen Engel, der stand in der Sonne. Er rief allen Vögeln, die hoch am Himmel flogen, mit lauter Stimme zu: »Kommt, versammelt euch für Gottes großes Festmahl! 18 Kommt und fresst das Fleisch von Königen, Heerführern und Kriegern! Fresst das Fleisch der Pferde und ihrer Reiter, das Fleisch von allen Menschen, von Sklaven und Freien, von Hohen und Niedrigen!« 19 Dann sah ich das Tier zusammen mit den Königen der Erde.5 Ihre Heere waren angetreten, um gegen den Reiter und sein Heer zu kämpfen. 20 Das Tier wurde gefangen genommen und auch der falsche Prophet, der unter den Augen des Tieres die Wunder getan hatte. Durch diese Wunder hatte er alle verführt, die das Zeichen des Tieres angenommen und das Standbild des Tieres angebetet hatten. Das Tier und der falsche Prophet wurden bei lebendigem Leib in einen See von brennendem Schwefel geworfen. 21 Alle Übrigen wurden durch das Schwert vernichtet, das aus dem Mund dessen kommt, der auf dem Pferd reitet. Alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch. “

„13 Auch das Meer gab seine Toten heraus, und der Tod und die Totenwelt gaben ihre Toten heraus. Alle empfingen das Urteil, das ihren Taten entsprach. 14 Der Tod und die Totenwelt wurden in den See von Feuer geworfen. Dieser See von Feuer ist der zweite, der endgültige Tod. 15 Alle, deren Namen nicht im Buch des Lebens standen, wurden in den See von Feuer geworfen. “

Die Todesstrafe wird wohl weiterhin kontrovers diskutiert werden.

Wer jedoch die Bibel als Richtschur nimmt, sollte dem Gott, der Leben gibt, auch dann Recht geben, wenn er das Leben nimmt. Ein Christ ist weder aufgerufen, für die Todesstrafe durch heutige menschliche Gerichte zu werben, noch die "staatliche Macht" zu kritisieren, die gegen Mörder dieses Urteil verhängt.

Grüße, kdd

hi fraanzuui - wörtlich heisst es nicht "du sollst nicht töten", sondern "du sollst nicht morden (totschlagen)".

Die 10 gebote sind Teil der jüdischen religion und ihrer über 600 Vorschriften. Das Christentum ehrt zwar die 10 Gebote, quasi als Kompass, aber das Evangelium befreit vom Gesetz und fordert die innere Einstellung.

Das Gesetz in der Torah hat zb die Steinigung als Todestrafe verlangt. Jesus hat nicht gesagt, die Steinigung an sich ist falsch, er hat, ziemlich listig find ich, gesagt: wer von euch ohne Sünde ist der werfe den ersten Stein.

Damit ist ja quasi die Todestrafe unmöglich, weils keinen Henker gibt der ohne Sünde ist.

Aber hat immer in der Geschichte vom Christentum Leute gegeben, die haben mit n alten testament die Todesstrafe verlangt oder gerechtfertigt. Ob das aber christlich ist, wer kann das schon sagen?

Jesus meinte damit, dass man sich nicht so sehr in die Angelegenheiten der Anderen einmischen sollte, sondern sich erst mal um seine eigenen Fehler kümmern sollte! Gemäß auch dem alten (nichtchristilichen) Sprichwort: "Ein Jeder kehr vor seiner Tür; da hat er Dreck genug davür!". In "Jesus'" Fall hätte es in dieser Situation ja sein können, dass da Kinderschänder und Mörder diese Frau, die gesteinigt werden sollte, dann auch von z.B. diesen gesteinigt worden wäre! Man soll sich - in solchen Fällen - daher auf keinen Fall "zum Richter über Andere aufschwingen".

Jesus hat damit nicht gesagt, dass die Frau grundsätzlich nicht gesteinigt werden sollte! - Er hat nur hintergründig gefragt, ob man nicht besser Milde walten sollte (schließlich lässt man i.d.R. ja auch gegenüber sich selbst, bei den eigenen Verfehlungen, ja Milde walten, oder?).

Jesus hat meines Wissens nie pauschal die Todesstrafe verurteilt, bzw. diese gefordert, abzuschaffen. (er hat sich ohnehin ja nicht zu sehr in die "weltlichen Belange" "eingemischt" ("Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist"!).

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@Keyboardfan

Jesus hat damit nicht gesagt, dass die Frau grundsätzlich nicht gesteinigt werden sollte! -

Doch genau das hat er sehr wohl ,die Szene mit der Frau ist nur ein winziger Teil seiner Lehre ..scheint dir entgangen zu sein .

Frage mich woher du diese krude  "Theologie" hast ? 

Vermutlich aus dem Barnabas fake "Evangelum " der Muslime ?

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Das hat er wirklich gut gesagt mit der Aussage: "wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!". - Damit hat er zumindest diejenigen "Sünder" zur "inneren Einkehr" aufgerufen, die vllt. wirklich selbst Dreck am Stecken hatten, aber meinen, sie könnten noch "auf dicke Hose machen"!  Richtet sich also wohl vo rallem an Diejenigen, die "selbst nicht ganz koscher" sind! Ist indirekt auch eine Aussage gegen die Selbstjustiz!  Also bitte saubere Prozesse! (aber zu Jesus Zeit war ja eine gewisse "Selbstjustiz" - in der Art eines "Gewohnheitsrechts" wohl "normal").

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'Du sollst nicht töten' stammt aus den Zehn Geboten. Diese sind neben den Psaltern eine der wenigen Stellen aus dem Alten Testament die allermeisten Christen in Europa noch kennen.

Die Zehn Gebote sind allerdings ein Teil der Fünf Bücher Mose und diese enthalten diverse Todesstrafen. Gemeint ist in den Zehn Geboten lediglich das eigenmächtige, illegale Töten; nicht das Töten an sich. Letzeres ist den Fünf Büchern Mose zufolge teilweise sogar Pflicht.

Freilich hat das Christentum aber immer einen recht flexiblen Umgang mit den Normen des 'Alten Testaments' gehabt und dessen Inhalt heute fast völlig aufgegeben. Es werden lediglich einige Lieder und Geschichten zur Erbauung gelesen oder gesungen oder eben die Zehn Gebote hin und wieder einmal, allerdings völlig ohne Kontext, angebracht.

Der Kontext des AT zum NT in der Christlichen Theologie, scheint eher dir ganz unbekannt zu sein ..

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Hallo fraanzuui,

vorab schon mal: ja, das können sie. Das Alte Testament, samt den 10 Geboten, ist Teil der Bibel und somit auch Teil des christlichen Glaubens.


Das Alte Testament kann allerdings nicht ohne das Neue Testament. Im Alten Testament wurde die Todesstrafe praktiziert. Menschen, die
zu dieser Zeit, oft wissentlich entgegen dem Willen Gottes getan hatten, wurden zum Tod verurteilt und hingerichtet.


Im Neuen Testament wird der Tod Jesus am Kreuz berichtet, mit dem Jesus die Schuld der Welt auf sich genommen hat. So ist jede Schuld vergeben, wenn man nur aufrichtig darum bittet und ein Vergeltung, also auch die Todesstrafe (Auge um Auge, Zahn um Zahn) ist nicht mehr notwendig. 


So gelten die 10 Gebote natürlich noch immer, allerdings darf man sie nicht getrennt vom Neuen Testament sehen.

Ich, als Christ, bin entschiedener Gegner der Todesstrafe. Sie ist einfach grausam und, wenn man in bedenkt, dass jedem Menschen vergeben werden kann, wie es im Neuen Testament geschrieben steht, mit der Bibel nicht vereinbar. Man sollte, meiner Meinung nach, jedem Menschen die Chance geben sich zu ändern.


Hinzu kommen die Umstände, denen die Verurteilten ausgesetzt sind. In den USA warten Verurteilte teilweise Jahrezehnte, bis das Urteil vollstreckt wird. Manche sterben schon vorher in Haft. Oft wendet sich die Familie von ihnen ab und wollen mit ihnen nichts mehr zutun haben. Auch das hat nichts mit der Liebe Gottes zutun, die man, im besten Fall, an andere Menschen weitergeben sollte.


Aber auch wenn ein Mensch die Todesstrafe befürwortet, ist er trotzdem noch Christ. Meiner Ansicht nach ist auch die Todesstrafe Sünde und durch nichts zu rechtfertigen. Aber, wie beschrieben: zu Gott kann jeder kommen und um Vergebung bitten. Das gilt ausnahmslos für jeden, der aufrichtig um Vergebung bittet.

Der weltweit bekannte amerikanische Pastor Billy Graham ist Befürworter der Todesstrafe. Ich, und ich denke auch die Mehrheit der Christen, würden ihn als Christ bezeichnen.


Wenn die Lehre, bzw. Interpretation des Christentums tatsächlich PAUSCHAL gegen die Todesstrafe gerichtet ist, dann verstößt das meiner Meinung nach gegen den "Gesunden Menschenverstand", weshalb ich in dieser Hinsicht doch sehr überrascht wäre, und dabei keine Sympathien für das Christentum hätte! Denn es gibt nun mal leider auf dieser Erde immer noch zu viele "Menschen"; die abartigste Verbrechen begehen, oft nur, um ein kurzzeitiges persönliches Vergnügen zu haben, und die sich aus dem "Auge Gottes" einen feuchten Kehricht machen, und auch Gott nicht zu fürchten meinen zu brauchen! Du weißt, von welchen Typen ich spreche, oder? (sieh Dir dazu sonst mal Sendungen im TV an, wie "Autopsie Mystery" - dann weißt, Du, was , bzw. wen ich meine!). Und mit solchen "Kreaturen" sollte meiner Meinung nach - mit Billigung des weitaus größten Teiles der Bevölkerung - auch entsprechend "kurzer Prozess" gemacht werden! Warum sollte man bei derartigen unverbesserlichen Typen, die schon viel Leid und Leben beendet haben, noch Gnade angewandt werden? - Haben solche Leute das etwa verdient, die das bei vollem Bewusstsein und vorsätzlich getan haben?!

Klar sind auch viele ("konservative") Christen gegen die Todesstrafe! Steht ja auch klar in der Bibel, dass man den Namen des Herrn - bei Strafe - nicht beleidigen soll; dass man nicht morden (nicht pauschal töten!) soll, usw. - Das sind ja für viele Christen "Kapitalverbrechen".

Allerdings sollte man es mit dem Töten nicht übertreiben - auch gerade mit Blick auf das Wirken von JC!

Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Jemand, der so viel Gesunden Menschenverstand besaß wie Jesus Christus (und dessen Lehren daher auch den einfachsten Menschen sofort "einleuchteten"), grundsätzlich pauschal gegen die TS war! - In "begründeten (extremen) Einzelfällen" hätte er bestimmt nicht gegen die TS argumentiert. - Er hätte wahrscheinlich ähnlich wie ein moderner Richter in einem modernen Rechtsstaat gehandelt. - Er war halt seiner Zeit weit voraus! (und wurde daher nicht vom damals herrschenden (religiösen) "Establishment" verstanden, bzw. als "Bedrohung" aufgefasst).


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WARUM ist dieser Billy Graham FÜR die Todesstrafe?

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Dieses 'Töten' bezieht sich auf das geplante hinterlistige Töten. Das Töten im Krieg und als Vollstreckung der Todesstrafe ist damit nicht gemeint. Aus diesem Grunde findet man in manchen Bibelübersetzungen hier auch: 'Du sollst nicht morden'. Das trifft das Gemeinte etwas exakter. Somit kann man hierüber durchaus unterschiedlicher Überzeugung sein.

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