Können schwierige Familiäre Umstände ADS auslösen oder ist das schon immer da?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Viele erkennen das ADS erst im Erwachsenenalter, weil sie es vorher gut kompensieren konnten. Entweder wie bei Euch, weil man keine Chance hat, z.B. nicht zu lernen/ üben oder Hausaufgaben zu vergessen oder Schulmaterial zu vergessen oder weil man es unbewusst durch Begabung gut ausgleichen konnte (man muss z.B. Rechtschreibung oder Unterrichtsinhalte nicht üben, weil die oft genug wiederholt wurden und man sie sich ohne zu üben merken konnte).

Schau mal in ADS-Foren für Tipps und auch zum besseren Verständnis.Eine der schlimmsten Erfahrungen für betroffene Kinder ist sicher der ständige Vorwurf, sich nicht genug zu kümmern, also Sachen zu vergessen, weil sie nicht wichtig waren oder auch unterschwellig der Vorwurf, dumm zu sein.

Bei ADS passiert es halt sehr leicht, dass man morgens mit der Mama redet oder noch mal ein Lieblingslied hört, und dann den Turnbeutel vergisst. Dass der Lehrer fünfmal sagt, nach der Stunde gehen wir in einen anderen Raum und man als Einziger in den Klassenraum zurückgeht, weil man das über die Pause vergessen hat (so viele andere Eindrücke in der Pause).

 Allg.: Dass man sich etwas fest vornimmt und es dann doch wieder vergisst. Ich weiß nicht, ob ich betroffen bin - habe einige wenige Anzeichen - aber für mich ist es z.B. typisch, dass ich den Schlüssel vergesse oder verlege, wenn ich einen anderen Ablauf als sonst habe. Wenn ich nach dem Heimkommen in ein anderes Zimmer als sonst gehe. 

Wenn ich etwas bestimmtes nicht vergessen darf und dann nur das mitnehme und nicht den Schlüssel. Nachdem das mehrfach passierte, halte ich vor dem Türzuziehen immer inne und überlege, wo der Schlüssel ist, ob ich ihn mithabe. Von daher würde ich Checklisten einüben und zwar über einen längeren Zeitraum, immer wieder: Habe ich alle Hausaufgabe aufgeschrieben? Was für Stunden habe ich heute, was sollte ich mitbringen, z.B. für Sport oder Kunst? Was ist heute besonderes, was muss ich evtl. anders machen als sonst (Geld für den Ausflug mitbringen etc.)?

Auch bei Schulaufgaben: Habe ich alles gelesen, habe ich die Aufgabe verstanden, habe ich an alle Punkte gedacht? Bei ADS kann es m.W. vorkommen, dass man an etwas denkt (Lösung einer Aufgabe) und es vergisst, hinzuschreiben und dann glaubt, die Aufgabe gelöst zu haben. Oder dass man unaufmerksam liest und einem eine Teilfrage entgeht, weil man mit dem Rest der Antwort zu beschäftigt war. 

Sehr beliebt ist m.W. auch das Zeitvergessen. Man muss sich ja im Tun unterbrechen um zu prüfen, wie spät es ist und sich daran erinnern, dass man bspw. um 18 Uhr zu Hause sein muss und jetzt los müsste. Viel schlimmer wird das, wenn man unplanmäßig früher etwas tun muss (heute nach der Schule zum Arzt etc. wird gern vergessen, weil man aus Gewohnheit nach Hause geht). Das ist dann nicht Absicht oder Faulheit, sondern der Betroffene konnte sich wirklich nicht rechtzeitig daran erinnern. Dafür sollte er etwas Verständnis und Hilfen statt Vorwürfe und Schimpfe oder Häme bekommen. Situationen, die jeder Erwachsene kennt, sind bei ADS-Betroffenen einfach viel naheliegender und häufiger: Man geht einkaufen, wollte an etwas bestimmtes unbedingt denken und vergisst gerade das. Man stellt sich etwas vor die Tür, um es mitzunehmen und lässt es dann da, weil man es einfach übersieht, weil es nicht zur Gewohnheit gehört. Man erledigt eine Aufgabe so konzentriert, dass man eine andere Teilaufgabe vergisst oder übersieht. 

Typisch z.B. man räumt ganz konzentriert das Zimmer auf, saugt es auch, vergisst dann aber, den Staubsauger zurück zu stellen. Oder man ist so konzentriert, dass man nur den Schrank aufräumt und gar nicht bemerkt, was noch alles auf dem Schreibtisch liegt und dann stolz sein Ergebnis präsentiert. Typisch ggf. auch: Man weiß nicht, wo man anfangen soll und fühlt sich so überfordert, dass gar nichts mehr geht und man gar nicht anfängt.Dann hilft oft eine Aufgabenliste: Was machen ich zuerst, was danach? Welche Teilschritte gibt es?

Mir hilft es z.B. als Erwachsene immer noch sehr, beim Aufräumen erst mal alles aus einem Bereich in eine Kiste zu legen, und den Bereich zu säubern. "Erst ein Teil an seinen Platz, dann das zweite" klappt nicht, weil optisch noch alles unordentlich ist, besonders, wenn man z.B. ein Schrankfach ganz ausräumt.Sinnvoll ist es, gleichartige Dinge zusamemnzufassen, damit man beim Aufräumen nicht überlegen muss, was wohin kommt, z.B. gibt es dann ein Fach für Abendteuerbücher und eine Schublade für Haargummis, Haarbürsten etc. So dass man nicht bei jedem Teil überlegen muss, wo es hin soll oder jedes Mal alles woanders hin räumt.

Das gilt besonders für Sachen, die man leicht vergessen kann - diese sollten immer am gleichen Platz sein. Ggf. kann man einen "Mitnehmen-Platz" ernennen, an den man abends ALLES stellt, das man nicht vergessen darf.Und eine Aufgabencheckliste auf dem Schreibtisch anbringen (Pinnwand etc.) - dort werden Wochenaufgaben und Hausaufgaben inklusive Teilschritte und Zeiten notiert, und man kann sie abhaken. Da steht dann z.B. "Montag: Mathe, Buch S. 15, Aufgab 1-3. 15 min pro Aufgabe, Rechenschritte ..., nach jeder Aufgabe 5 min Pause, raus gehen, Trampolin" (dann kann man sich wieder besser konzentrieren), und "Montagabend: Turnbeutel packen, vor die Zimmer- oder Wohnungstür stellen, Inhalt: Turnschuhe, Turnhose, T-Shirt" usw.

Pause, Auspowern etc. sind mMn auch wichtig, also wenn man sich nicht mehr konzentrieren kann, mahnt Mama das nicht an, sondern schickt das Kind 5 min aufs Trampolin oder in den Garten, einmal ums Haus laufen oder so.

Wichtig auch, statt "konzentriere dich", was oft zum Verspannen bzw. Muskelanspannen führt, genauer sagen, was das Kind tun soll, und zwar in Einzelschritten und mit verschiedenen Vorschlägen, die verschiedene Aufgaben abdecken, z.B. "Wie heißt die Aufgabe? (lesen), Was sollst du machen? (mit eigenen Worten wiedergeben), Was ist der erste Schritt? (einen Anfang suchen), Was musst du dafür wissen? (Vorwissen abklopfen, nötiges Wissen für die Aufgabe abrufen), Was brauchst du dafür an Regeln?, Was für Hilfsmittel (Lineal, Farbstifte etc.) brauchst du dafür? Wo kannst du nachsehen, wenn du nicht weiterkommst? Was genau weiß du nicht, wenn du nicht weiterkommst? (aufschreiben, prüfen, ob man das irgendwo nachschlagen kann) usw.Also nicht nur "Mache die Aufgabe", sondern konkrete Hilfen und Regeln, wie man sich durch die Aufgabe arbeitet. Ggf. müssen diese anfangs ständig wiederholt werden, bis sie automatisch vom Kind abgerufen werden. Oft bedeutet "ich kann das nicht" nur, "ich weiß gerade nicht, was ich genau machen soll, mir fehlt Vorwissen, mir fehlt eine Übersicht, ich möchte alles auf einmal machen und fühle mich überfordert".

Auch beim Aufräumen kann es z.B. helfen, einen genauen Plan zu machen und im Zimmer aufzuhängen, z.B.

1. Alles vom Boden nehmen und in eine Kiste legen (Boden frei -> Aufgabe erscheint weniger überwältigend).

2. Kiste in 3 andere Kisten leeren: Kleidung, Bücher, Müll. Oder: Spielzeug, Bücher, Müll. Oder: Playmobil, Puppen, Bälle. Alles einer Kategorie zuordnen.

3. Alles an seinen Platz räumen, mit Zuordnung: Bücher ins Bücherregal. Oder später: Abenteuerbücher ins Fach für die Abenteuerbücher. Playmobilmännchen in die Kiste für die Playmobilmännchen. Bälle in die Bällekiste etc.

4. Schauen, was übrig bleibt. Wenn immer etwas übrig bleibt, entweder im Zimmer (auf dem Boden, Bett etc.), überlegen, ob man dort etwas aufstellt, z.B. einen Kasten oder ein Schubfach. Wenn bestimmte Dinge keinen Platz finden, einen dafür schaffen und benennen (Becher für Buntstife, Kästchen für Murmeln, Kästchchen für Gesammeltes aus der Natur etc.).

5. Ein Fach immer frei lassen für alles, was erst mal keinen Platz findet. Wenn das Kind überwältigt ist und nicht weiß, wo etwas hinsoll, kann es das Notfach verwenden, und das erst mal füllen. Zu bestimmten Zeiten (abends, am Wochenende etc.) wird das Notfach dann geleert und man überlegt in Ruhe, wo die Sachen Platz finden).

Bedenke, dass Betroffene oft überwältigt sind und dann nichts mehr machen können. Überwältigung kann entstehen durch optische Unordnung (nach dem Backen ist die Küche voller Schüsseln und Besteckt, also geht man raus, weil man nicht weiß, wo die alle hinkommen und wie man das jemals schaffen soll) oder Überwältigung durch zu viele Aufgaben (Hausaufgaben für Mathe, Deutsch, Sachkunde, Üben für die Klavierstunde, am Mittwoch noch ein Vokabeltest, am Freitag muss Essensgeld mitgebracht werden, am Samstag hat die beste Freundin Geburtstag und man braucht noch ein Geschenk - Hiiiiilllllfe! 

In dem Fall hilft ein gemeinsam erstellter Plan, wann (Tag, Uhrzeit) was (Aufgabe) wie (Teilschritte) genau erledigt werden muss und der Hinweis darauf, dass nicht alles an einem Tag erfolgen muss und was man z.B. Montag erledigen muss und wie viel Freizeit man wann dann noch hat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Um deine Frage zu beantworten solche Umstände können ADS nicht auslösen. Entweder ist es da oder nicht.

Allerdings können die Umstände dafür sorgen, dass die Probleme eher auffallen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Zum einen ist abschließend noch nicht genau geklärt wie die Entstehung abläuft- aktuell geht man aber davon aus, dass sowohl genetische Einflüsse wie auch Umwelteinflüsse Auslöser sein können. Zum anderen ist AD(H)S eh ein Massenphänomen geworden - wobei viele Fachleute die ganze Sache ohnehin kritisch bewerten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Beides. Die Anlage ist gegeben, zum Tragen kommt es aber nicht immer. Durch Umweltfaktoren kann es ausbrechen, muss aber nicht an der Scheidung liegen. Kann ebenso an erhöhten Anforderungen liegen oder sonst was.

Geht's hier um die Schuldfrage?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Diana11111 20.05.2016, 12:12

Ein wenig bestimmt um die Schuldfrage. Ich habe mir viele Vorwürfe gemacht weil ich mich scheiden habe lassen. Ich habe noch zwei ältere Kinder ( waren 16 und 14 jahre) bei der Trennung die kamen aber gut klar damit. Die beiden älteren Kinder hatten nie Probleme in der Schule waren auch nicht auffällig. Ich habe deshalb alles auf die Scheidung geschoben, das mache ich aber schon lange nicht mehr. Habe meine Tochter deshalb auch immer in Watte gepackt weil armes Scheidungskind usw. Aber das ist vorbei ich war eigentlich immer eine konsequente Mutter, bei ihr ließ ich aber viel durchgehen. Aber jetzt setzte ich ihr schon lange wieder ihre Grenzen und in Watte ist sie auch nicht mehr gepackt.

0
Seanna 23.05.2016, 01:19

Grenzen sind nicht nur BEgrenzungen, sie können auch ganz viel Sicherheit geben. Hab das begriffen als ich von Jan Uwe Rogge "Kinder brauchen Grenzen" gelesen habe. Ist günstig zu haben das Buch. vllt hilft es dir. Und ich denke nicht dass ADS durch Scheidung allein ausgelöst werden kann sofern es keine jahrelange Schlammschlacht war.

0

Was möchtest Du wissen?