Können schizophrene Menschen wissen, was sie tun?


22.01.2021, 10:46

* ich meine im Nachhinein wissen, dass man einen Schub hatte, oder sich dessen bewusst werden

Und bezüglich der Frage zu Cardillac, wenn ihr eine Krankheit vermutet, welche?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hey,

wenn ich deine Frage richtig verstehe, konnte ich noch keine passende Antwort hier darauf finden.

Mir ist bekannt, dass einige Schizophrene außerhalb eines Schubs reflektieren können, dass sie einen hatten und dass die Denkinhalte wahnhaft waren in dieser Phase. Meiner Erfahrung nach dauert das aber eine Weile und so ein Schub hat noch einige Zeit lang (Wochen bis Monate) Folgen. Ich kenne einen Schizophrenen, der dann aber nur sehr ungern über diese Phasen reden möchte.

In einer solchen Phase selbst habe ich es aber nur selten erlebt, dass Leute den Wahn reflektieren können oder wenn, dann nur kurz.

Ich kenne das Buch nicht, aber das klingt schon sehr nach Schizophrenie. Es gibt auch Stimmenhören, bei dem man sich bewusst ist, dass die Stimmen nur im Kopf sind (die häufigere Variante), aber sie keinerlei befehlende Macht haben - bei Schizophrenie sind sie dagegen mächtiger und können weniger gut als Einbildung erkannt werden. Insofern würde ich auch an Schizophrenie nach deiner Beschreibung denken.

Ich denke das lässt sich nicht pauschal beschreiben. Psychische Erkrankungen sind im Endeffekt enorm vielfältig und damit lässt sich hier keine Allgemeingültige Aussage treffen. Stimmenhören, also Halluzinationen im Allgemeinen sind aber nicht ausschließlich Merkmal der Schizophrenie, insofern ist auch das so ein bisschen Problematisch.

Ein Merkmal der Schizophrenie ist allerdings das Gefühl des Fremdgesteuert seins. Also dass man die Handlung per se durchaus als solche Wahrnimmt aber nicht der Ansicht ist, man selbst würde handeln.
Doch wie gesagt, das ist ein zu weites Feld. Und ich diagnostiziere in der Regel keine Fiktiven Figuren, außer vielleicht im Ausschlussverfahren.

Vielen Dank für die Antwort. Schonmal sehr Aufschlussreich, Google konnte mir da nämlich nicht helfen.

Es hat mich nur einfach interessiert, weil ich die Erklärung, er sei einfach bisschen zu besessen und da steckt in Wahrheit nichts hinter, für den Autor und das Buch fast zu einfach und nicht passend finde :)

0
@Marie2302

Psychische Krankheiten sind immer so eien Sache. E.T.A Hoffman starb 1822. Da ist es relativ unwahrscheinlich, dass er eine Krankheit wirklich detailgetreu beschreibt oder sich an irgendwelchen Beschreibungen orientiert, die es von einer Krankheit gibt, die als psychische Krankheit wirklich anerkannt ist.

Dementsprechend würde ich tatsächlich sagen: Sowas lässt sich nicht gesichert feststellen und diagnostizieren erst recht nicht. Der Mann könnte unzählige psychische Störungen haben... oder gar keine. Oder einzelne Psychosen. Ich würde bei dem was du beschreibst eher in Richtung Paranoia oder sowas gehen, wenn ich ehrlich bin.

Literarische Darstellung von psychischen Krankheiten ist immer eine sehr schwere Sache. Es gibt Leute, die machen das sehr sehr gut und es gibt welche, die schmeißen 5 Krankheiten in einen Topf, rühren alles ein paar mal kräftig um und nennen diesen Brei dann 'Cersei Lannister'. Ich würde niemals versuchen bei George R.R. Martins Figuren irgendwas zu diagnostizieren, weil die Beschreibungen so plakativ und flach sind, dass ich vermutlich einen Komplettschaden davontragen würde.
Ich hab mal bei SerienCersei in einer Diskussion Narzissmus und Borderline-Persönlichkeitsstörung ausgeschlossen. Das reicht mir aber auch.

1
@BeviBaby

Okay, vielen Dank, auch für die ausführliche Antwort. Das ergibt Sinn. Es hat mir nur einfach interessiert gehabt :)

0

manche Sachen werden mir erst später klar, aber dann ist es zu spät, ich war vorletztes Jahr mal wieder in einer Psychiatrie aber was ich noch sagen kann ich hatte schon so viele Medikamente aber keines hat wirklich geholfen, war auch schon eine halbseitige Lähmung durch ein Medikament und jetzt bekomme ich jeden Monat eine depo spritze...

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Das tut mir sehr leid für dich, aber vielen Dank für's teilen dieser Erfahrungen

0

Schizophrenie ist ein sehr schillernder Begriff; früher war der gebräuchlich nur bei psychisch sehr schwer kranken Menschen. Heutzutage wird eine Schizophrenie auch schon mal diagnostiziert, wenn jemand psychisch weitgehend gesund ist, und nur ein bestimmtes Wahnsystem hat.

Wenn er tagsüber noch arbeiten gehen, so passt das eigentlich nicht zum Begriff der Schizophrenie, weil diese Leute sind, so krank, dass sie nicht mehr arbeiten gehen können. Es handelt sich dann dabei diagnostisch um eine paranoide psychose; diese Menschen können weitgehend unauffällig sein und nur ein bestimmtes Wahnsystem entwickeln bzw. Stimmen hören. Aber wie gesagt, bei solch leichteren Fällen wird heutzutage auch schon mal eine Schizophrnie diagnostiziert.

Hallo, eine gute Freundin von mir erinnert sich auch an vieles nicht. Was ihr Angst macht. Sie ist wochenlang durch Berlin gezogen, und weiss vieles nicht mehr. Hat sie harte Drogen genommen? Keine Erinnerung. Leider wurde damals kein Drogenscan gemacht. Und ihre Wohnung hat sie auch teilweise zerlegt, viele persönliche Unterlagen weggeworfen.

Was möchtest Du wissen?