können rostige kupfernägel wirklich einen baum zerstören?

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Hallo, ich möchte hier mal ein paar Beiträge präzisieren: Elementares Kupfer ist unter normalen Umständen ein ziemlich korrosionsbeständiges Material. Das heißt, es "rostet" nicht. Okay, es kann natürlich durch Sauerstoff oder Schwefel oder Halogene oxidiert werden (dann bildet sich die so genannte Patina, der Grünspan, den man von älteren Kupferblechdächern vielleicht her kennt). Aber abgesehen von einer mehr oder weniger dicken oberen Schicht bleibt das übrige Kupfer davon unberührt. Es gibt also kein "Durchrosten" wie es bei Eisen üblich ist. Was nun die "Giftigkeit" von Kupfer für Pflanzen angeht, so gibt es in der Tat das Gerücht, dass man mit dem Einschlagen eines Kupfernagels einen Baum zum Absterben bringen kann. Dazu ist einerseits anzumerken, dass Kupfer in geringsten Mengen (ppm-Bereich) sogar lebensnotwendig für Lebewesen ist, weil es Bestandteil von einigen Enzymen ist (z.B. in Enzymen der Energieproduktion, zum Abfangen freier Radikale oder bei der Hormonproduktion). Da es zudem nahezu wasserunlöslich ist, kann es selbst in größeren Mengen nicht direkt gefährlich werden, ist also nicht giftig und kann daher einen Baum auch nicht schädigen. Anders ist das bei Bakterien, bei denen bereits geringe Mengen tödlich wirken. Dazu später mehr. Problematisch ist nun allerdings, wenn es in eine lösliche Form überführt wird. Zwar sind Cu+-Salze auch meist wasserunlöslich, aber es gibt auch Cu2+-Ionen und die sind zumindest für Kleinlebewesen wie Pilze, Bakterien, Algen und Moose sehr giftig. Das kommt daher, dass diese Ionen an Thiolgruppen (-SH) von Proteinen, an Lipide (und damit Zellmembranen) bzw. an DNA oder RNA binden können und diese beeinträchtigen, schädigen oder zerstören. Kleinstlebewesen wie Bakterien gehen daran schnell zugrunde (oligodynamischer Effekt). Die Wirkung auf höhere Pflanzen ist ein verminderter Wuchs der Wurzeln und (bei Rankenpflanzen) der Ranken. Es ist also die Frage, ob der eingeschlagene Kupfernagel im Baum lösliche Ionen bildet oder nicht. Da EVRegensburg von "rostigen" Nägeln schrieb, ist wohl eine salzüberzogene Schicht auf den Nägeln und damit Ionen vorhanden. Dennoch bezweifle ich sehr, dass ein Nagel (oder meinetwegen auch ein paar Nägel) einen ausgewachsenen Baum derart schädigen können, dass er eingeht. Andererseits - und damit komme ich zum Schluss meiner Ausführungen - hört man von vielen Klein- und Hobbygärtnern, dass an Ablaufrohren von Regenrinnen aus Kupfer weder Moose noch andere "Höhere" Pflanzen wachsen oder gedeihen. Es könnte sein, dass das mit einer Störung des Wachstums zu tun hat (was ich für plausibel halte; s.o.), aber einen bereits ausgewachsenen Baum kriegst du so - glaube ich - nicht klein... LG von der Waterkant.

Echt schade, dass der Frager Dir nicht die verdienten Punkte gab! Ich hatte zwar auch Chemie bis zum Abi, habe aber echt viel dazu gelernt durch deinen Eintrag !

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