Können Psychologen sich selbst therapieren?

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8 Antworten

Klare Antwort - Jein.

Als Therapeut verfügt man über ein umfangreiches Fachwissen. Im Falle einer Depression ist sich also ein Therapeut bewusst, welche Maßnahmen prinzipiell ergriffen werden müssten, um dieser entgegenzuwirken. 

Auch Betroffene, die beispielsweise eine umfangreiche Therapiehistorie haben, können bei Rückfällen wesentlich gekonnter reagieren und auch unter Umständen eine vollständige "Rückentwicklung" verhindern. So lernen Menschen innerhalb einer Verhaltenstherapie, auf was sie achten müssen und wie sie reagieren müssen, um eine Rückfälligkeit zu vermeiden - sie können sich also "selbstständig auffangen" und stabilisieren.

Ein Therapeut hat prinzipiell diese Möglichkeiten auch, allerdings ist die Aussicht auf Erfolg von bestimmten Faktoren abhängig.

Zum einen die Intensität der Symptomatik. Eine Depression kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. So stehen die Chancen eine leichte Depression "selbst zu therapieren" unter gewissen Umständen, also der nötigen Erfahrung, dem Fachwissen et cetera, recht gut - bei einer schweren Depression ist es jedoch so gut wie unmöglich, ganz gleich wie viel Erfahrungswerte man gesammelt hat. An dieser Steller ist Unterstützung unabdingbar. 

Weiterhin ist auch die Art der Erkrankung von Belangen - es gibt schließlich weitaus mehr als nur die Depression. Bei Persönlichkeitsstörungen beispielsweise ist die Unterstützung Dritter ebenfalls unverzichtbar. Der Blick auf sich selbst kann unter Umständen derart verzerrt sein, dass eine "Selbsttherapie" nicht funktionieren kann. Hier ist gerade die Leitung und der Blick von Außen enorm wichtig. Um diesen Punkt noch zu untermauern - bei vielen psychischen Erkrankungen, erkennen die Betroffenen oftmals bestimmte Symptome gar nicht, empfinden ihre Verhaltensweisen beispielsweise als völlig normal und legitim, obwohl sie das nicht sind - eine gestörte Selbstreflexion ist dementsprechend das unüberwindbare Hindernis. 

Letztlich steht und fällt vieles auch mit dem Typ des Menschen. Jemand der "von Hause aus" schon sehr reflektiert ist, sehr sensibel auf psychische und physische Signale von sich selbst hört und sich auch unangenehmen Eingeständnissen wie "Ich bin ebenfalls psychisch erkrankt." machen kann, ohne einen "falschen Stolz" oder ähnliches als Blockade zwischen zuschieben, hat sehr viel bessere Chancen frühzeitig reagieren zu können. Bei psychischen Erkrankungen gilt die selbe Regel, wie auch bei physischen Erkrankungen:

Desto früher man die Erkrankung erkennt, desto besser stehen die Genesungschancen.

Im Bezug auf deine Frage ließe sich das insofern "umdeuten", als das ein Typ, wie ich ihn beschrieb, durch sein frühzeitiges reagieren eine psychische Erkrankung noch in einem "leichten" Stadium erwischen kann - "eigentherapeutische Maßnahmen" könnten in diesem Fall, wie bereits erklärt, wesentlich besser wirken und eventuell sogar eine Depression erfolgreich therapieren. 

Trotz aller Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten und Eventualitäten ist grundsätzlich von einer Selbsttherapie abzuraten. Wenn sich eine psychische Erkrankung abzeichnet, dann ist das aufsuchen von therapeutischer Unterstützung ungemein wichtig und schlussendlich auch der einzig sichere Weg, für eine erfolgreiche Genesung. Das gilt insbesondere bei psychischen Ersterkrankungen.

Kurzum - Unter gewissen Umständen ist eine "Selbsttherapie" möglich und kann auch funktionieren. Jedoch ist es wichtig sich die Unterstützung zu suchen, sofern sich eine Erkrankung einstellt, die über eine "kurze Phase" hinaus geht. 

Liebe Grüße.

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Kommentar von KatzenEngel
20.08.2016, 12:57

Danke, die Antwort ist sehr detailiert und interessant.

Ich hatte gestern in meiner Antwort ein klares "Nein" geschrieben, vor allem deshalb, weil ich eine Psychotherapeutin kannte, die sich vor ein paar Jahren vor den Zug schmiss :/ Ihr Mann war auch Psychotherapeut....Dieses Drama ist für mich bis heute unverständlich, aber ich denke, Suizide sind es grundsätzlich :(

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Wer ein psychisches Problem hat, der hat es meistens deshalb, weil er die Ursache nicht erkennen kann oder sie verkennt. Es bedarf dann eines Dritten, der bei der Problemerkennung hilft.

Psychologen können sich aus diesem Grund meistens nicht selbst heilen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Doch das hindert viele nicht daran, es trotzdem zu versuchen, und es sind auch Fälle bekannt, bei denen aus genau solchen Gründen sogar dieser Beruf gewählt wurde.

Richtig kurios wird es, wenn die Arzt-Patient-Konstellation ausgerechnet so ist, daß der Patient seinem Psychologen hilft, dessen Problemursachen zu erkennen, und sich der Psychologe auch noch dafür bezahlen läßt. Doch zu so etwas kommt es vermutlich nur selten.

In einem Fachbuch habe ich mal gelesen, daß es für Psychiater und Psychotherapeuten Bedingung ist, ihren eigenen Zustand von anderen analysieren zu lassen, damit es später nicht zu Vorfällen wie o. g. kommt.

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Sie unterziehen sich regelmäßigen Tests, um ihre Verfassung zu untersuchen. Sie haben Supervisoren dafür.

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Erfahrungsgemäß muss ich mit "Ja" antworten. Sie können es ... genau wie es Nicht-Psychologen ... also Menschen wie Du und ich es können. Es bedarf jedoch "Lebenserfahrung". Damit meine ich nicht irgendwelches Wissen aus irgendwelchen Büchern. Wissen reicht nicht. Es bedarf der Kenntnis eigener Gefühle ... die mit "gelebten Wissen" (Lebenserfahrungen) als seelisches "Arzneimittel" tätig werden. Ein kleiner Auszug von "EinNarr" (hoffentlich darf ich das so einfach hier einsetzen)

 Letztlich steht und fällt vieles auch mit dem Typ des Menschen. Jemand der "von Hause aus" schon sehr reflektiert ist, sehr sensibel auf psychische und physische Signale von sich selbst hört ...

Das, was "EinNarr" geschrieben hat würde ich sofort unterschreiben. Die Aussage sehe ich erfahrungsgemäß als Grundvoraussetzung zum "selbst therapieren". Es ist die Fähigkeit ... sich selbst ... von "Außen zu betrachten als "Mensch" ... und dann ... ohne "Schminke" (Entschuldigungen für eigene Verhaltensweisen ... die von Außenstehenden schnell als "Krankheit" betitelt werden) sich selbst anzuschauen ... um in Erfahrung zu bringen ... welche "Mechanismen des Lebens" gelebt werden (Körpersprache - eigentliche Sprache - Gedanken - Gefühle) ... bezüglich jener Situationen ... denen ich als Mensch begegnet bin in der Realitätswelt.

Jetzt mag so mancher vielleicht sagen ... das man bei der "Selbstreflektion" (Vergleichbar dem "Sich von Außen betrachten") sich aber "Selbst betrügen" kann. Vollkommen richtig. Wenn Du jedoch den "Selbstbetrug" ... der möglicherweise entsteht (Weglaufen vor dem eigentlichen "Kern") erkennst ... dann hast Du besonders "gute Karten".

Ich habe einmal den Satz gehört (Leider weiß ich nicht mehr, wer das irgendwann einmal gesagt hat):

"Das ganze Leben ist eine Therapie"!

Und wenn wir uns diesen Satz ... diese Aussage ... einmal auf der "symbolischen Zunge" zergehen lassen ... erkennen wir gegeben falls ... das "therapieren" nicht immer mit einer Krankheit in Verbindung gebracht werden kann.

Jede einzelne "Korrektur unseres Lebens" bedarf unseres eigenen erlerntem Verhaltens ... das dann in von uns erzeugten Situationen zu einer möglichen "Korrektur unseres Lebens" führt ... oder führen kann.

Therapie ist meines Erachtens gleichzusetzen mit "Korrektur von Verhaltensweisen" ... mit denen wir unser persönliches "Leben" auskleiden.

Und wenn Psychologen "gelernt haben" (es also gelebt haben) ... Gefühle und Empfindungen in "Analysen" mit zu verwenden ... sieht es aus meinen Lebenserfahrungen heraus sehr gut aus das Menschen allgemein sich selbst "therapieren" können.

Wenn der einzelne Mensch den  "Mechanismus des Lebens" kennen gelernt hat ... wie zum Beispiel ... wie in der Frage hervorgehoben ... eine "Depression" entsteht ... kann er diesem Mechanismus ... der das "fließende Leben eines Menschen" zum "Stehen" (bei starker Depression) bringen kann ... entgegenwirken. Der betreffende Mensch kann diesen "Mechanismus des Lebens" nicht "ausschalten" ... jedoch als "Werkzeug" benutzen ... damit das "betroffene Leben" wieder "schöpferisch freier fließen kann. Klingt vielleicht etwas seltsam ... eine oftmals als Krankheit betitelte Begebenheit des Lebens (hier die Depression) als "Werkzeug" zu benutzen.

Dieses Werkzeug kann jedoch nur benutzt werden ... in der geistigen Position die das "Von außen betrachten" beinhaltet.

Es kann sein, das manches von dem was ich geschrieben habe etwas schwer zu verstehen ist. Ich habe mich bemüht ... die Begebenheit der "Therapie in unserem Leben" einfach darzustellen.

 

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Nein, das geht nicht. Sie können zwar direkt sagen (zu sich selbst), was für ne Diagnose sie haben, aber sie müssen sich nen Psychologen suchen, um es zu therapieren.

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Therapieren wird schwer , aber sie können sich meistens selbst diagnostizieren:)

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wenn sie gespaltene persöhnlichkeiten sind und die persöhnlichkeit  die der psychologe ist nicht die ist, die depressionen hat

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Nein, das können sie nicht.

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