Können Kreditschulden tatsächlich stark sinken?

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4 Antworten

Theoretisch schon, aber nicht innerhalb so kurzer Zeit und nicht in diesem Ausmaß. Denn mit steigender Inflation steigen theoretisch auch die Gehälter stärker an, Tarifverhandlungen gibt es aber nur einmal im Jahr und ich hab noch nie gehört, dass jemand 20 % mehr bekommt (außer Zahnarzt).

Fiego 06.02.2015, 08:55

Dann sind Sie entweder extrem Jung, oder haben noch nie auch nur ansatzweise etwas von der deutschen Geschichte erfahren.

Während der Hyperinflation 1923 in Deutschland Betrug die Inflation 1.000.000.000% ! Hat man etwas zu Beginn des Jahres 1923 für eine Mark kaufen können, hat es am Ende des Jahres 100.000.000 Mark gekostet! Wären hier nicht zeitgleich die Löhne sofort gestiegen, hätte sich selbst der reichste Deutsche nicht viel Brot leisten können ;-)

Klar, in der jüngeren Geschichte gibt es keinen Fall in der ein Arbeitnehmer eine extreme Steigerung des Gehalts erhalten hat, aber auch nur deshalb, weil die Inflation auf einem ganz anderen Niveau ist.

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In Wirklichkeit ist es natürlich so, dass die Kreditschulden bei Inflation weniger Wert werden, also die Nominalen Schulden werden weniger Wert.

Der Haken dran ist, dass du Zins und Tilgung nominal bezahlen musst. Das bedeutet für dich, dass deine Aufwendungen für den Kredit nominal gleich bleiben.

Du hast einen Vorteil, wenn bie dieser Inflation dein Lohn jedes Jahr um einige Prozent steigt. Dann hast du im Verhältnis zu deinem Verdienst weniger geldlichen Aufwand im Verhältnis zum Gesamtlohn, Zins und Tilgung zu bedienen.

Dieser "Vorteil" wird aber auf der anderen Seite wieder relativiert durch die Erhöhung der Preise für den Lebensunterhalt, seien es Lebensmittel, Miete oder Spritpreise, die ja auch vom Einkommen bedient werden müssen.

Es hängt also alles daran, ob dein Einkommen in der Inflation genügend steigt, um sowohl den Kredit als auch den Lebensunterhalt zu "verbilligen". Wozu also dann Inflation?

Ich meine mich auch zu erinnern, dass bei der letzten Inflation zwar die Ersparnisse nichts mehr Wert waren, aber die Schulden bei der Währungsreform nicht erlassen wurden. Genaueres müsste man nachschauen.

Nein, du hast natürlich Recht, im Prinzip "entschuldet" man sich dann.

Unterscheiden musst du hier "Real" und "Nominal": Nominal hat man natürlich weiterhin 50.000€, real kann man sich für diese Geldmenge bei einer starken Inflation allerdings weniger leisten. Genau so werden auch die Schulden real weniger - die 50.000€ sind nominal gleich, haben aber einen anderen realen Gegenwert.

Läuft übrigens bei Staatsverschuldung so: Wenn ein Staat stark verschuldet ist, kann er durch Geld- und Fiskalpolitische Maßnahmen die Inflation in die höhe treiben (schau dir mal das IS-LM-AD-AS Modell an, wenn es dich interessiert), sodass es zu einem steigenden Preisniveau, also einer Inflation kommt. Somit wertet die Währung ab.

Funktioniert bei Griechenland übrigens nicht, da sie sich in einer Währungsunion befinden ;)

Die Schulden sinken ja nicht als absoluter Betrag. Aber wenn die Inflation immens steigt, sinkt die Kaufkraft der Währung und der gleiche Kreitbetrag entspricht dann z.B. 200000€. Die Rückzahlung ist nur einfacher.

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