Können die Professoren an der Uni objektiv sein?

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9 Antworten

Der Versuch sich seiner subjektiven Wahrnehmung bewußt zu werden und dementsprechend gegen zu steuern um objektiv zu sein ist eine der Sachen die man im Studium lernt. Deswegen gibt man sich nicht seinem Bachgefühl hin, sondern betriebt Statistik und hat Kollegen die im peer-review die Fakten die man meint gefunden zu haben hinterfragen.

Die seltenen, richtig großen Umwälzungen werden meistens so lange ausgelacht bis die alten Professoren in Rente sind und neue Übernehmen, die mit der Idee im Studium konfrontiert wurden und es für sinnvoll halten...

Man kann als normaler Mensch nicht ständig alles hinterfragen. Wenn Du an neuen Methoden arbeitest, z.B. was tolles aus Kohlenstoff herzustellen, verläßt Du dich darauf, das Kohlenstoff 4 Atombindungen eingehen kann. Wenn was nicht hin kommt, gehst Du nen Schritt zurück und überprüfst.

Man braucht es nicht hinterfragen, wenn es einem Sinn zu machen scheint und man drauf aufbauen kann. Aber natürlich darf und kann man es hinterfragen und sollte das - spätestens, wenn die Theorie keinen Sinn macht bei aktueller Faktenlage.


Vielleicht sehe ich das zu sehr durch die Brille des Naturwissenschaftlers, aber das sollte doch in allen Fächern die sich "...Wissenschaft" nennen so laufen? Das ist eine Grundvoraussetzung.

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Ansichten sind vom Weltbild abhängig bzw. von den Bedingungen, denen ein Weltbild unterliegt. Das bedeutet, daß ein anderes Weltblid, welches stimmig aufgebaut ist, für eine gleiche Sache andere ebenfalls stimmige Ergebnisse hervorbringen kann.

Weiterhin steht die Frage im Raum, wer wohl diejenigen sind, die darüber entscheiden, wer einen akademischen Titel erhält oder eine Professur, und woher der Nachwuchs aufgrund wessen Bewertung in die akademischen Reihen aufgenommen wird oder nicht.

Dadurch bekommen Bewertungen an den Unis (trotz ihrer nachvollziehbaren Notwendigkeit) bereits den Beigeschmack der Selbstbeweihräucherung.

Einen weiteren unangenehmen Beigeschmack bekommen wissenschaftliche Fachbereich durch ihr geschichtliches Erbe. Da gibt es kaum Bereiche, in denen nicht ehemals als fundiertes Wissen anerkannte Lehrmeinungen irgendwann als der größte Unsinn entlarvt wurde.

Zwar ist es auch eine wesentliche Aufgabe der Wissenschaft, Fehler zu erkennen und zu beheben, doch eine tatsächlich zu allen Zeiten und auch jetzt weit verbreitete Arroganz in die Richtung, nunmehr die "Wahrheit" erkannt zu haben, erinnert in gewisser Weise doch recht stark auch an die Selbstrechtfertigungsversuche so mancher skurriler Sekten.

Die Mathematik scheint da eine rühmliche Ausnahme zu machen. Doch was ist Mathematik im praktischen Alltag der Wissenschaft?

Sie ist u. a. auch ein beliebig verwendbares Werkzeug, um Theorien als "mathematisch nachgewiesen" darzustellen. Doch der gleiche Verwendungszweck ist auch in der Astrologie sehr beliebt, und auch Religionen bemühen hier und da die Mathematik, um Unlogisches oder Irrales als vermeintliche Wissenschaftlichkeit darzustellen.

Fazit: Objektivität ist (zumindest recht weitgehend) die Bezeichnung dafür, Subjektivität so gekonnt in Argumente zu verpacken, daß sie nicht mehr als schlichte Meinungskundgebung erkannt wird.

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Das hängt vom Fachgebiet ab.

In den streng wissenschaftlichen Fächern (Medizin, Technik, Naturwissenschaften etc.) kann man objektiv lehren und benoten.

In den Diskussionswissenschaften, die Erkenntnisgewinn aus Diskussionen erzielen, ist das nicht so. Da fließt immer die Meinung, Ansicht und der politische Mainstream mit ein, sowohl in der Vermittlung als auch in der Benotung.

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Natürlich ist jeder Mensch subjektiv, auch Wissenschaftler. Aber was die Wissenschaft eben vom Rest der Welt unterscheidet ist das Streben nach Objektivität. Das ist ein stetiger Kampf, der nie aufhört. Wahrheit gilt nur so lange, bis das Gegenteil bewiesen wurde. Aber in der Zwischenzeit ist es bekannte Wahrheit, also gesichert, nicht widerlegt.

Natürlich hat jede Studienrichtung ihre eigenen Sichten. Und die Politikwissenschaft produziert keine harten Fakten, sondern Theorien und Modelle, die durchaus auch erprobt und so gesichert sein können.

Alles zu hinterfragen, wirklich alles, und zwar aus Prinzip, ist nicht nur unfassbar viel unnötige Arbeit, sondern klingt auch so, als würde man denken niemand kann irgendetwas besser wissen als man selber.

Bevor man das Rad also neu erfinden will, sollte man auch zum lernen bereit sein. Das heißt eben, akzeptieren, dass es Leute gibt, die von manche Dingen momentan mehr verstehen als man selbst.

Wenn man wirklich durchblickt, dann kann man anfangen, produktiv zu bezweifeln und zu hinterfragen, weil man nicht alles hinterfragt, sondern wirklich genau das, wo man begründete Schwächen sieht... Also ein objektiver, sachlicher Blick, kein vages persönliches Gefühl. Und dann kann auch was dabei rauskommen.

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Deine Einstellung scheint mir genau die richtige zu sein.

Tatsache ist nur: Da Wissenschaftler (Professoren etwa) sich i.A. besonders ausführlich und lange mit einem bestimmten Wissensbereich beschäftigt haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass richtig ist, was sie uns sagen, besonders hoch. Zu Gewissheit aber darf sie uns niemals werden.

Note: Die wichtigste Ursache dafür, dass es während des Mittelalters weit weniger wissenschaftlichen Fortschritt gab als noch vorher bei den Griechen, war mit Sicherheit, dass im Mittelalter der Grundsatz galt "Sind Meister und Geselle unterschiedlicher Meinung, wird immer richtig sein, was der Meister glaubt und verkündet". Diese Einstellung war fatal und hat Fortschritt oft lange verhindert.

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Wenn du Politikwissenschaft studierst wirst du doch auch sicher zumindest einen Grundlagenkurs in Statistik und Methoden der empirischen Sozialforschung besucht haben. Dabei sollte dir beigebracht werden, wie Forschung im Bereich der Sozialwissenschaften durchgeführt wird.

Wenn du jetzt etwas in einem Buch liest, oder einen Artikel in einer Fachzeitschrift dann wende dieses Wissen an. Nein du musst nich blund akzeptieren was da steht. Denke kritisch nach ob die Daten richtig analysiert wurden, ob die Schlussfolgerung richtig ist, ob der Erhebungsprozess wirklich repräsentative Daten hervorbringen kann usw.

Nur wenn du dir aktiv darüber im klaren bist, welche Reichweite wissenschaftliche Erkenntnisse haben kannst du sie auch bewerten. Grundsätzlich sind schließlich alle Theorien in jeder Wissenschaft nur das, Theorien. Sie werden empirisch untersucht und so auf Ihre Funktionalität überprüft. Das gilt für Physik oder Chemie genauso wie für die Politikwissenschaft.

Klar ist es in den Naturwissenschaften einfacher Objektivität zu bewahren, dennoch ist das auch in den Sozialwissenschaften möglich. Standardisierte, hochentwickelte Survey Methoden die auf mathematischen Gesetzen basieren können Theorien grundsätzlich untersuchen, wenn sie richtig eingesetzt werden.

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niemas, da sie nur ihr kleines spezialgebiet bearbeiten und von da aus auf etwas allgemeines schließen!

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An deutschen Hochschulen gibt es keine Objektivität, vor allem was politische und historische Themen angeht, es ist immer irgendwelche Wertung dabei, ich habe bis jetzt nur eine Dozentin erlebt, die z.B. über die aktuelle Situation der deutschen Parteienlandschaft (wisst schon was bzw. wen ich meine) sprach und zwar zu Hundert Prozent objektiv. Haben sich einige Jungsozis nicht so dolle drüber gefreut. Das war aber wirklich eine Ausnahme, die meisten anderen müssen, wie wir Russen sagen, überall ihre 5 Kopeken reinstecken.

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Kommentar von BRO32
11.11.2016, 00:09

Und noch was als Beispiel, ist zwar nicht zu Hundert Prozent passend, aber geht schon in die Richtung. An meiner deutschen Hochschule saß ich in einer Vorlesung, wo die Dozentin eine Sitzung gleich damit begonnen hatte, für Flüchtlinge zu werben a la "Refugees welcome", die ganzen Hilfsaktionen usw., obwohl es nichts mit dem Thema des Unterrichtes zu tun hatte und ihre Ansichten vielleicht von der Mehrheit, aber nicht unbedingt von allen geteilt wurden. Dann bin ich für einige Zeit an einer Hochschule eines Landes aus dem ehemaligen Ostblock gewesen und ein Dozent erzählte uns, wie verrückt doch die Deutschen sind, die durch die Umvolkung sich und ihr Land vernichten und wie herrlich es ist, dass die nie eine Frau Merkel an die Macht lassen werden und ihr Land ihrem Volk gehören soll und wird. Hatte auch nichts mit dem Unterricht zu tun. In diesem Fall wurde die Meinung wohl auch von der Mehrheit geteilt, aber eben wieder nicht von allen (vermutlich). Beides subjektiv, beides gehört nicht an eine Bildungseinrichtung.

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Ja, das sind sie.

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