Klimaschutz im Liberalismus?

8 Antworten

Ehrlich gesagt mag ich den ganzen -ismus-Kram nicht. Es wird nie soetwas wie einen theoretisch reinen Liberalismus geben. Es gibt Gesellschaften, die Bürgerfreiheiten mehr oder weniger einschränken. Soweit es sich um irgendwie demokratisch organisierte Gesellschaften handelt, wird es davon abhängen, wem die Wahlbürger das Verfügungsrecht über gesellschaftspolitische und ökonomische Entscheidungen geben. Es wird davon abhängen, wie politisch aufmerksam die Wahlbürger sind oder wie leicht sie sich hinters Licht führen lassen. Es gibt kein Gesellschaftssystem, das automatisch den Himmel auf Erden herbeiführt. Immer sitzen an den Schaltstellen Menschen, die um Einfluss und Entscheidungsgewalt ringen und dabei - auch wenn sie anderes erzählen - eigene Interessen und die Interessen ihrer Seilschaft im Auge haben.

Wenn man mal von den zunehmenden Fehlgeleiteten absieht, die auch auf GuteFrage nach einer unbegrenzten Freiheit fragen, ihre Persönlichkeitsdefizite auszuleben, auch wenn es auf Kosten anderer geht, wenn man absieht von den Systemfans, die glauben, irgendein System wäre die Erlösung, dann bleibt, dass wir als Menschen gesellschaftliche Wesen sind, die sich miteinander verträglich organisieren müssen. Ich kenne keinen philosophisch oder ökonomisch ernst zu nehmenden Liberalismus, der den gesellschaftlichen Charakter unseres Daseins in Frage stellt und einen totalen Egoismus predigt. Es geht immer um die Frage: Wieviel Freiheit des Einzelnen und wieviel Bindung an gesellschaftliche Notwendigkeiten. Bei der letzten Frage, wieviel Bindung an gesellschaftliche Notwendigkeit stellt sich die Frage, wieviel Bindung aus eigener Einsicht ist möglich oder wieviel soll eine "weise Instanz" vorschreiben. Diesbezüglich sind z.B. Platon, Rousseau oder die Sozialisten eher für die "weise Instanz".

Da uns die Menschheitsgeschichte noch nie eine "weise Instanz" präsentiert hat, "ideale Menschen" oder Parteien, die sich nur in den Dienst einer Gesellschaft gestellt haben, sind Liberale weniger der Versuchung erlegen, die Lösung gemeinschaftlicher Probleme von einem Oberguru oder einer Superstaatspartei zu erwarten. Das bedeutet nicht, dass auch Liberale unterschiedlicher Meinung sind und darüber streiten, wie gemeinschaftliche Probleme gelöst werden sollen. Der "ideale Weg" ginge über Aufklärung, Bildung und Emanzipation der Individuen. Diesem Ideal der Aufklärung stehen wir inzwischen skeptisch gegenüber, das es von unterschiedlichen Seiten erfolgreiche Bemühungen gibt, genau das zu verhindern. Auch ist die Frage nicht mehr so einfach zu beantworten, ob viele Menschen eher die Freiheit mit allen Unannehmlichkeiten wählen oder doch eher eine bequeme, rundumversorgte Kindergartenmentalität akzeptieren. Im letzten Fall hat emanzipatorischer Liberalismus keine Chance und es regiert kindlicher Egoismus, dem die Nannys immer wieder auf die Finger klopfen müssen. Dann geschieht das, was Kant mit der Aufklärung beendet sehen wollte: Dann sagen wenige Leithammel, wo es lang geht.

Von den Entscheidungen der Menschen hängt ab, wieviel Klimaschutz sie wollen und wieviel und wie das umgesetzt wird. Fairer Wettbewerb bedeutet nicht, dass jeder alles darf. Es bedeutet, dass alle den gleichen Beschränkungen unterliegen. Das ist zugegebenermaßen bei Massengesellschaften unter den Bedingungen der Globalisierung nicht so einfach.

Klimaschutz funktioniert teilweise schon mit "Liberalismus". Unternehmen haben ein Interesse daran, Geld zu sparen und das geht, indem sie den Ressourcenverbrauch reduzieren. Mein Lieblingsbeispiel ist der Röhrenfernseher: Vor 20 Jahren hat man mindestens 10-20 mal so viel Material für die Produktion eines Fernsehers gebraucht. Heute sind die Bildschirme sehr dünn und brauchen weniger Ressourcen.

Wie mein Vorredner schon erwähnt hat, würde ich mich mit dem Coase-Theorem beschäftigen. Grundsätzlich würde es dann darum gehen, dass ein Markt für Klimaschutz geschaffen wird. Das heißt, jemand der die Umwelt verpestet muss etwas an die bezahlen, denen saubere Luft wichtig ist. Von dem Geld könnten Projekte für den Klimaschutz realisiert werden. Etwas ähnliches besteht schon mit den CO2-Zertifikaten der EU.

CO2-Handel ist das Gegenteil von Umweltschutz

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Jene, die ein Interesse am Klimaschutz haben kompensieren diejenigen, die durch ihr Handeln dem Klimaschutz entgegenwirken. So können beide Parteien uneingeschränkt ihren Nutzen maximieren.

Kannst du diesen Schwachsinn auch näher erläutern?

Malabgesehen davn das die Zahlungsberetschaftfür Klimaschutz im Liberalismus gegen Null geht.

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@JBEZorg

Die Zahlungsbereitschaft ist immer abhängig von den Präferenzen der einzelnen Individuen, diese haben aber mit der Wirtschaftsordnung nichts zu tun. Wenn du eine detaillierte Erklärung benötigst google mal nach Coase-Theorem: https://de.wikipedia.org/wiki/Coase-Theorem

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@tryanswer

Das Prolemchen der Liberalen ist, dass sie immer alle Theorien verdrehen. Die Präferenzen der Individuen sind nicht frei und nicht willkürlich verteilt sondern sind nur Produkt der Steuerung. Die Präferenzen der Massen sind gut organisierte und steuerbare Grössen. Der grüne Wahn, den die Liberalen im Westen installiert haben stellt sich aber nun als wirtschaftlich nachteilig heraus.

P.S. Die Bedingungen des Theorems wären aber nicht erfüllt.

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@JBEZorg

Natürlich kann der Mensch sich frei entscheiden, und auch die Präferenzen sind nicht zwangsläufig fremdgesteuert. Richtigf ist aber sicher, daß es vielen Menschen zu anstrengend ist, sich eine eigene Meinung zu bilden und sie lieber der Masse hinterherlaufen.

Der grüne Wahn hat - ganz nebenbei - auch nichts mit Liberalismus zu tun. Er basiert viel mehr auf den naturromantischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts also einer Strömung, welche man durchaus als antiliberal/konservativ bezeichnen konnte. Auch in seiner modernen Ausprägung ähnelt er immer stärker dem Totalitarismus, denn dem Liberalismus.

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