Kleinunternehmer werden was ist wichtig?

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4 Antworten

Die Fragen, die Du für Deinen Kollegen stellst, sind leider schon sehr bezeichnend. Es sind die Dinge, die kaufmännisch unerfahrenen GründerInnen so als erstes auf den Nägeln brennen.

Man muss die beantworten, weil sonst eine Beschäftigung mit den wirklich wichtigen Themen gar nicht angefangen werden könnte. Leider bleibt es dann auf dem Stand.

Es gibt wenig Versicherungen die in Deutschland verbindlich vorgeschrieben sind. Selbst die Haftpflicht nicht - obwohl Pflicht drin steht. Allerdings gibt es für einzelne Branchen Pflichtversicherungen. Die in der Regel Vermögensschadensversicherungen sind.

Pflicht also nur die Kfz-Haftpflicht und die Krankenversicherung. Aus unterschiedlichsten Gründen würde ich die gesetzliche nicht verlassen. Zwar kann man bei den privaten ganz viele Leistungen streichen und damit auf geringe Leistungen kommen, doch wer sich so eine Versicherung leistet, der kann sich in der Regel keine Erkrankung leisten. Damit dauern die dann aber verdammt lange und kosten mehr Geld, als auf der anderen Seite gespart wurde. Außerdem steigen die Beiträge mit dem Alter. Die Altersrückstellungen der privaten Krankenversicherungen wurden zwar erhöht, allerdings erwarte ich nicht, dass das die Altersarmut verhindert.

1.000 Euro Gewinn als Kleinunternehmer kann dazu führen, dass keine Steuern abgeführt werden müssen. Allerdings ist das eine ganz grobe Schätzung. Doch wie soll man ein Gewerbe mit 1.000 Euro Gewinn betreiben?

Rücklagen für betriebliche Risiken sind objektiv nicht möglich. Rücklagen für das eigene Alter? Fehlanzeige.

Die Kleinunternehmer-Regelung im Umsatzsteuerrecht ist etwas für Hobby-Unternehmer. Häufig wird die Anwendung oder der Verzicht auf diese Regel überhaupt nicht richtig geprüft. Natürlich ist es richtig, dass Kleinunternehmern die die Regelung so in Anspruch nehmen grundsätzlich einen höheren Gewinn haben, als würden sie auf die Steuerbefreiung verzichten.

Doch wie sieht es auf der Seite der Investitionen aus? Kann man sich den Verzicht aus Liquiditätsgründen leisten? Eröffnet die Option (Verzicht auf Steuerbefreiung) nicht vielleicht interessantere Zielgruppen?

Die Beauftragung eines Steuerberaters ist eine Frage der Vernunft. Wer keinen Steuerberater beauftragt, der muss trotzdem sicher stellen alle steuerlichen Vorschriften zu kennen. Mindestens die, die ihn betreffen. Dazu kommt, sich über Änderungen auf dem Laufenden zu halten. Das gilt nicht nur für Gesetzesänderungen. Es geht auch um die Änderungen innerhalb der dazugehörigen Verwaltungsvorschriften und die Rechtsprechung.

Ohne eine entsprechende Ausbildung ist das ja schon einmal zeitintensiv. Dazu kommt natürlich die Literatur. Die möglichen Fehler, die aus Missverständnissen entstehen sind schon heftig. Begriffe wie nachhaltig oder Rücklagen haben einfach eine andere Bedeutung, als man ihnen im allgemeinen Sprachgebrauch gibt. Von der Masse der Steuerpflichtigen hat niemand etwas mit Rücklagen im steuerlichen Sinne zu tun. Aber den Spargroschen haben doch einige, vielleicht kann man sich allein daraus ableiten: Es kann vielleicht sogar eine Steuerhinterziehung werden, wenn man das falsch versteht.

Die gestellten Fragen sind, wie eingangs dargestellt ziemlich unwichtig.

In der Praxis gehen die Gründungen nicht einmal dann ein, wenn für drei Jahre Einkommensteuer gezahlt werden muss. Das ist häufig der Fall, wenn der erste richtige Gewinn kommt. Also Jahr 01 hat jemand einen Gewinn. Gibt die Erklärung natürlich im Folgejahr ab. Schafft es aber erst im letzten Quartal von 02. Durch Feiertage, Rückfragen usw. kommt der Bescheid in 03. Jetzt passiert folgendes: Für 01 will das Finanzamt die Einkommensteuer von 01. Dann werden gleichzeitig Vorauszahlungen für 02 angefordert. Das passiert in der Regel in gleicher Höhe. Und weil im März die Vorauszahlungen für das erste Quartal 03 fällig sind, da kommt man erst einmal in Probleme.

Gib Deinem Kumpel mal den Tip, dass er die Seite der IHK München besucht. Die haben einen richtig geilen Businessplan (Text- und Zahlenteil) als Blanko-Formular auf ihrer Seite stehen.

Da sind dann richtig viele Themen aufgelistet. Die Erfahrung lehrt, dass die meisten gar nicht die Überschriften verstehen. Wie verhält man sich denn, wenn die erwarteten Aufträge nicht kommen? Was hat man für Alternativen parat? Darf man die Alternativen überhaupt rechtlich einsetzen?

Wurde eine Planung richtig und gut gemacht, dann kann man sagen: Ich habe für diese Werbung direkte Kundenkontakte erwartet. Die sollten einen Umsatz von einer bestimmten Höhe mindestens bringen. Jetzt wird dieses in aller Regel unterschritten. Was macht man? Man wiederholt das ganze. Was soll man denn tun?



Dirk-D. Hansmann 19.05.2015, 08:08

Aber wann wäre die Wiederholung korrekt? Wenn man bei der ersten Schaltung nicht darauf geachtet hat, dass die Branchengrößen alle mit Sonderangeboten kamen um sich über die Ferienzeit zu retten. Aber dann wäre schon die Ausgabe für die erste Werbung zum Fenster raus. So etwas muss man vermeiden. Geld hat die dumme Eigenschaft, man sollte es nur einmal ausgeben.

Um also die nötige Tiefe in der Businessplanung zu erreichen, da muss man sich schon Fachwissen und Branchenwissen im Allgemeinen besorgen. Sonst geht es einem wie den etwa 80% der GründerInnen. Man gehört zu den Erfolglosen. Und 80% ist eine deutliche Sprache. Ist man wirklich besser als die 80 von 100? Wie oft war man denn Klassenbester? Und wie viel hat man dafür lernen müssen? Die 20% leben nicht von ihrem Glück. Glückliche Umstände können die 20 von 100 Leuten stärken. Die Gründungsphase vielleicht etwas stärker werden lassen.

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Man stellt am Ende des Jahres eine 4/3-Rechnung auf. Die Ausgaben werden von den Einnahmen abgezogen und ergeben einen Gewinn/Verlust. Als Kleinunternehmer kann er auf die Umsatzsteueranwendung verzichten (§ 19 UStG, Verzichtserklärung an das Finanzamt). Falls er sich für die Umsatzsteuer entscheidet, ist er mindestens fünf Jahre daran gebunden. Er muss die erhaltene Umsatzsteuer als Betriebseinnahmen und die abgeführte Umsatzsteuer (Vorsteuer) als Betreibsausgaben behandeln. Wenn er auf die Anwendung verzichtet, kann er keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Hat er als Kunden viele Unternehmen ist die Anwendung zu empfehlen, da die Unternehmen den Vorsteuerabzug wollen. Bei privaten Kunden kann er auf die Anwendung verzichten, da sie die Umsatzsteuer sparen.

Dein Kollege kann sich auch im Netz über die wichtigsten Dinge informieren, die man als Kleinunternehmer wissen sollte. Hier so ein Beispiel http://www.gruenderlexikon.de/kleinunternehmer Die Frage ist dann, ob er sich dort reinknien möchte (so wahnsinnig kompliziert ist es nicht) oder ob er sich doch lieber vor Ort beraten lassen möchte, weil er dort auch Rückfragen stellen kann (IHK beispielsweise).

Außer Versicherungen und Steuern gibt es auch so Aspekte wie die Umsatzsteuer, die er als Kleinunternehmer nicht ausweisen kann, was bei vielen Firmen nicht sonderlich gut ankommt. Er hat die Wahl, sich gegen die Kleinunternehmerregelung zu entscheiden, bleibt daran aber fünf Jahre gebunden. Je nach geplantem Kundenkreis sollte er solche Dinge gut abwägen.

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Es gibt keinen Zwang, den Jahresabschluss über einen Steuerberater machen zu lassen. Es geht auch ohne.

Aber unternehmerisch tätig werden ohne Steuerberater ist wie ohne Knoblauch durch Transylvanien zu ziehen: Die Legende besagt, dass es einige überlebt hätten. 

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