Kleinkind (2 1/4) schlägt, beißt und spuckt

9 Antworten

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Vorab zur Beruhigung: Das Verhalten ist normal. Es ist nicht gegen euch gerichtet, sondern Ausdruck der Tatsache, dass das Kind gerade beginnt zu begreifen, dass die Welt nicht so funktioniert, wie es sich dies vorstellt.

Kleine Kinder sind der festen Überzeugung, dass alles um sie herum nur existiert und funktioniert, weil sie es so wollen. Das ist keine Überheblichkeit, sondern schlicht fehlende Lebenserfahrung. Je mehr die Kinder mit ihrer Umwelt interagieren, desto öfter machen sie nun die Erfahrung, dass ihr Weltbild anscheinend nicht mehr stimmt.

Das frustriert, macht wütend und enttäuscht. Mit diesen Emotionen kann ein Kind in diesem Alter zunächst nur mit sehr begrenzten Mitteln umgehen: Mit Schreien und körperlichen Aktionen.

Indem es schlägt, kratzt, beißt, spuckt, macht es aber gleichzeitig neue Erfahrungen. Es entdeckt, dass die Menschen auf dieses Verhalten reagieren und probiert in der Folge aus, ob diese Reaktionen immer die gleichen sind. So wie Kleinkinder immer und immer wieder einen Gegenstand auf den Boden fallen lassen können (und dabei lernen, wie Schwerkraft funktioniert), wiederholen sie auch immer und immer wieder bestimmte Verhaltensweisen.

Was tun? Ruhig und konsequent eine "Null-Toleranz-Haltung" zeigen. Wenn das Kind übergriffig wird, mit einem klaren (nicht lauten, aber ernsten) "NEIN" antworten. Das Kind dabei kurz(!) festhalten und für das "NEIN" Blickkontakt herstellen. Handelt es sich um ein Spiel, wird dieses unterbrochen. Reagiert das Kind mit erneuter Frustration, folgt wieder ein klares "NEIN". Dem kann man eine kurze(!) Erklärung hinzufügen, etwa: "Ich möchte nicht, dass du mich schlägst".

Es empfiehlt sich, dem Kind eine alternative Handlung anzubieten. Nach dem "NEIN" könnte das Angebot kommen, zusammen die Spielsachen aufzuräumen oder - wenn das Kind sehr außer sich ist - das Angebot, in den Arm genommen zu werden.

Man belohnt das Kind dabei nicht für Fehlverhalten, das hat man ja bereits korrigiert und tut es sofort wieder, falls das Kind wieder schlägt oder spuckt. Man signalisiert ihm aber, dass es immer noch geliebt wird, auch wenn manches Verhalten nicht erwünscht ist. Das ist viel erfolgreicher, als zuviel Druck aufzubauen oder wortreich zu erklären.

Wo bitte ist das normal?! Das Verhalten des Kindes ist ungeheuerlich, das von Erwachsenen die es dazu kommen lassen allerdings auch.

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@Goodnight

Und doch, es ist das natürlichste der Welt. Aber wir wollen ja nicht unsachlich werden...

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@Goodnight

Sich ein wenig mit Entwicklungspsychologie beschäftigen, könnte helfen :).

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Ganz Ehrlich--- ne richtig geile Antwort. Super!! Gebe dir in allen Punkten recht. Auch die Erziehungsmethode; so handhaben wir das-

wir haben aber keine Angst das es nicht normal ist, wie du schreibst- sie lernt die Welt, sich und die Reaktionen auf ihre Aktionen kennen. Der erste Schritt in Richtung Autonomie...

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das kind scheint damit eine reaktion zu erzielen, die es haben will. was ist die konsequenz?? das geschlagen wird ist nicht zu dulden, schließlich schlagt ihr sie ja auch nicht. wenn sie immer mit eigenem kleinen wagen einkauft, dann müsst ihr eben zeigen, was sie reinpacken darf und wenn schluss ist, ist schluss und das sagt ihr an. wenn es zu theater kommt wird eben nein gesagt und wenn sie zum schlagen ausholt ihre hand festhalten und nein sagen. wenn das nicht klappt nehmt ihr sie nicht mehr mit rein oder sie muss im wagen sitzen. jedenfalls das verhalten nicht ignorieren.

Ehrlich gesagt finde ich es furchtbar, dass sich heute niemand mehr zu reagieren traut. In welcher Art und Weise auch immer, eine Kind muss eine authentische (!) Reaktion spüren. Denn nur so kann es lernen, wie man im Leben mit Frust und Unmut umgehen kann. Und wenn ich mein Kind nicht darauf vorbereit, wer macht es dann? Und nie mehr wird ein Kind - mit soviel Liebe - auch wenn ich laut schimpfe erzogen, wie von einer Mutter, die ihrem Kind etwas mitgeben will. Und eine authentische Reaktion umfasst für mich nicht bewusst und leise NEIN zu sagen. Ein Kind kann und muss sogar spüren, wenn sein Verhalten zu weit geht, denn wie soll es sonst die Welt begreifen? Da kann es auch nicht schaden, wenn es mal erschrickt. Deshalb kann ich das danach immer integrieren, mein Kind in den Arm nehmen und ihm sagen, dass ich es von Herzen liebe aber dieses Verhalten nicht okay ist. Denn es möchte auch nicht, dass ich es anspucke.

Es ist doch meine verdammte Verantwortung als Eltern nicht nur Kuschelpädagogik zu betreiben, gerade WEIL(!) ich meine Kinder von Herzen liebe und nicht möchte, dass sie später ausgegrenzt werden, weil sie sich nicht in der Gesellschaft zurechtfinden.

Meine Kinder sind sicher nicht eingeschüchert, aber sie wissen ganz deutlich, was ich mir nicht bieten lasse und das hat mit Respekt zu tun. Vor mir als Mutter, ebenso wie vor jedem anderen Menschen, denn Anspucken finde ich eine absolut abschätziges und erniedrigendes Verhalten. Deshalb würde ich mir meine Kinder sehr wohl zur Brust nehmen, wenn die sich einfallen lassen andere anzuspucken oder auf den Boden bei jemandem spucken.

Und wenn ich so einen Blödsinn höre, dass jemand nicht einmal mit seinem Hund so umgeht, dann möchte ich doch zu bedenken geben, dass ich sehr viele Hundebesitzer klarer und strenger mit ihren Hunden reden höre, als es viele Eltern mit ihren "lieben Neins und höre doch jetzt bitte auf" tun.

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