Klaviernoten lesen?

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4 Antworten

Hallo AniAnnelo

Ganz so "ohne Übung" spielen die Leute natürlich nicht so einfach vom Blatt. Da gibt es gewisse Voraussetzungen.

Erstmal musst du zügig Noten lesen können, wie einen geschriebenen Text. Das lernt man am Besten, wenn man konsequent 3 Wochen lang täglich 3x das gesamte Notensystem jeweils 2 x selber zeichnet, die Noten reinschreibt, dabei laut mitspricht (oder singt).  

Also wirklich ganz von Anfang an, die Linien ( 2 x 5) und die Hilfslinien mit Namen der Noten mitsprechen. Den Bassschlüssel und den Violinschlüssel einzeichnen. Dann die Noten der gesamten Klaviatur eintragen und mitsprechen. Wenn du c-Dur ganz locker kannst auf die weiteren Tonleiter wechseln. Zuerst 1 # bis 6# und später alle b-Tonleiter.

In den 3 Wochen keine Pause machen! Sonst funktioniert die Einprägung ins Langzeitgedächtnis nicht und du würdest einen Grossteil wieder vergessen. Deshalb nicht damit anfangen, wenn du in die Ferien gehst oder sonstige Unterbrechungen voraus siehst.

Zum Zweiten musst du mit beiden Händen die Fingersätze aller 12 Tonleiter in Dur und in Moll trainieren. Wenn du es rauf und runter  laufen lässt, wissen deine Finger schon im Voraus genau, welchen Ton sie anschlagen werden.

Zum Dritten trainierst du die Akkorde aller Tonarten in allen Variationen. z.B. F-Dur, F-Moll vom Dreiklang, 4, 5, 6 ... bis maj7..... als Arpeggien und in allen  Umkehrungen.

Zum Schluss lernst du die verschiedenen Taktmodelle und Musikstile perfekt anhand von mehreren Beispielen. Egal ob Pop, Walzer, Tango, Jazz, Rock, .... Miles Davis, Glenn Miller, Bach, Mozart, Richard Strauss... diverse Verzierungen, Triolen, Betonungen  usw.

So hast Du schon ein Konzept und den Rhythmus im Kopf und in den Fingern, wenn du den Namen des Komponisten oder die Notenblätter ansiehst. Ja, ... und nun schaust du die neuen Noten wie bekannte Stücke an, suchst den Ausgangspunkt und brauchst nicht mehr viel Aufwand beim Noten lesen.

Man kann das auch umgekehrt üben, indem man eine Melodie in alle Richtungen umbaut und übt. Z. B. alle meine Entchen...

Viel Spass und Erfolg

lg mary

 

Woooow vielen Dank für diese sehr hilfreiche und ausführliche Antwort :) genau so habe ich mir meine Antwort gewünscht :)

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Beim vom Blatt spielen am Klavier lese ich beide Notenzeilen gleichzeitig. Aber nicht Note für Note, sondern in Akkordbildern. So im Sinne von "F im Bass und dazu ein Quartsexakkord in der rechten Hand". Das reicht für vierstimmige Sätze aus.

Schwieriger wird's bei polyphonen Sachen oder Jazz-Akkorden mit einer Flut von Vorzeichen. Das ist dann Übungssache.

Auch mehr als zwei Notenzeilen gleichzeitig zu lesen ist möglich - Profis können sogar aus einer Orchesterpartitur mit verschiedenen Notenschlüsseln in Echtzeit einen Klavierauszug im Kopf generieren und spielen.

ok und wie funktioniert das?:) würde sehr gerne mehr darüber wissen weil ich momentan nur note für note lesen ^^' also du liest in akkordbildern? also ich weis das man akkorde in vielen variationen Spielen kann wie z.B. bei C: c-d-g, d-g-c, c-g-c... aber wie kann ich das dann auf das spielen übertragen?

ja das glaub ich ^^ wenn es zu viele vorzeichen werden brauch ich manchmal echt lange ^^ ich hab auch mal versucht das fantasie impromptu von chopine zu spielen und hab da auch gemerkt as es wirklich schwer ist polyphone in stücken zu spiele^^ so als tonleiterübung ist es relativ leicht :) 

da deswegen möchte ich das können. also ich will es nicht so gut wie die profies können aber ich will es irgendwann so gut können das ich nicht mehr den ganzen tag an einem Stück sitzen muss. ich hab das leider nie richtig gelernt weil mein unterricht damals nicht gut genur war. ich war eben noch zu jung um es zu merken...

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@AniAnnelo

Das ist der Punkt, an dem man sich mit Harmonielehre beschäftigen muss. Hintergrund ist, dass die Töne nicht einzeln für sich stehen, sondern zusammen klingen. Da bekommt ein c-d-g plötzlich eine eigene Identität und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass in einem Dur-Stück entweder ein c-e-g oder ein h-d-g folgt.

Wie beim Lesen lernen: Solange man Wörter nur Buchstabe für Buchstabe (in der Musik: Note für Note) liest, geht es nur schleppend. Entwickelt man ein Gespür für Silben (Intervalle) und Wörter (Harmonien) geht es deutlich schneller.

Lies Dich einfach mal in die Thematik Akkordlehre/Harmonielehre ein. Das ist teilweise sehr abstrakt, wie chemische Formeln, aber vertieft das musikalische Verständnis ungemein.

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@zalto

oh so hab ich das noch gar nicht gesehen:) vielen dank für deine Hilfe! ich werde mich gleich mal ran setzten.

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Das ist alles Übungssache. Irgendwann kannst du die Tasten blind spielen, weil du weißt, wo sie liegen. Dann kannst du dich voll auf die Noten konzentrieren. Aber das dauert eine ganze Weile, bis du das kannst. Bei mir hat es auch eine Weile gedauert, bis ich das mit der Koordination (Blick zu den Noten, Blick zu den Tasten) hinbekommen habe. Also, bleibe dran - du schaffst das!

Es ist wichtig, dass du nicht gleichzeitig beide Notenschlüssel lernst. Fang zuerst mal mit dem Violinschlüssel an (was du mit der "rechten Hand" meinst). Und erst, wenn du ihn wirklich gut lesen kannst, kommt der Bassschlüssel (was du mit der "linken Hand" meinst).

Der Trick dabei ist folgender:

Die weißen Töne auf der Tastatur sind ja: C, D, E, F, G, A, H, C`

Nun ist es so, dass die Töne zwischen beiden Schlüsseln um zwei Töne versetzt sind. Das heißt, wenn du im Violinschlüssel ein E hast, ist der gleiche Ton (anhand der gleichen Stellung in den Notenlinien) im Bass-Schlüssel ein G. (Violinschlüssel = F wäre Bassschlüssel = A usw.).

Ich hoffe, du wirst aus meiner Erklärung schlau. ;-) Wenn nicht, kannst du gerne noch mal bei mir nachfragen.

Ich denke einfach üben. Tipp: erst rechte Hand, dann linke Hand, dann zusammen. Irgentwann ist es immer einfacher und man schaut gleichzeitig auf beide Zeilen irgentwie ;)

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