Klausuren sollten anonymisiert geschrieben werden!

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Eine gänzlich andere Idee wäre, gar keine Klausur zu schreiben. Überprüfungen sind immer dann notwendig, wenn es um fremdbestimmten Wissenserwerb geht; also wenn das was Du lernst, nicht Deinem Bedürfnis entspringt, sondern der Aufforderung eines Anderen. Also wenn jemand eine Erwartung an Dich hat. "Indem ich mir ein Bild davon mache, wer der Andere werden soll, habe ich ihn schon zu meinem Opfer gemacht." Sagt der Schriftsteller und Architekt Max Frisch.

Vermutlich ist das aber nicht das was Du hören wolltest. Deshalb habe ich noch eine gänzliche andere Idee, die gar nicht von mir ist und schon einige Jahre an einer Schule in Berlin praktiziert wird. Dort wird auch fremdbestimmt gelernt, aber auf eine völlig andere Art, als die meisten Schüler es von ihrer Schule kennen. Dort schreibt jeder Schüler "seinen" Test, wenn er so weit ist. Er meldet sich beim Lehrer zum Test an. Und zwar dann wenn er glaubt den Stoff verstanden zu haben. Für die Lehrer gibt es gar keinen Grund, die Schüler "bei ihren Unfähigkeiten, Unzulänglichkeiten, bei ihren Schwächen, Mängeln und Fehlern zu behaften", wie Frau Prof. Gronemeyer, eine Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin, es formuliert. Abgesehen davon gibt es keine Noten.

In dieser Schule lernen die Schüler auch nicht alle zur selben Zeit das Gleiche. Sie gehen in so genannte Lernbüros und suchen sich aus einem Pool von Aufgaben diejenige raus, die sie gerade jetzt machen wollen. Hier ein kurzes Video:

www.youtube.com/watch?v=liukx6_S2gg

In dieser Schule finden ständig Infoveranstaltungen über deren Konzept statt. Wenn Du also wirklich in einem Landesschülerparlament sprechen möchtest, würde es sich vielleicht lohnen, weitere Informationen einzuholen.

Hier noch einige Stimmen von Schülern dieser Schule.

Gruß Matti

www.youtube.com/watch?v=5DVyYYzS-xY

Bei Aufsätzen mag das so sein. Aber in Mathe?

Es gibt immer noch die Möglichkeit des Korrekturlesenens wenn man sich ungerecht benotet fühlt ( ich kenne das Gefühl).

Bei Nummern wäre die Möglichkeit des Betruges hoch. Zumindest müsste auf dem Nummernzelttel dann noch der Name stehen. Aufbewahrt werden sie in einer Verplompten Dose.

Ganz ehrlich... Weder im Abi, noch in der Berufsschule oder im Studium habe ich je erlebt, dass Sympathie soviel ausmacht. Vielleicht wenn es um 1-2 Pünktchen geht, aber auch Wohlwollen ändert nichts an Richtig und Falsch.

Ich fände es übertrieben allen Lehren unfaires Benoten zu unterstellen. Die Mündliche Mitarbeit kann man immerhin nicht auch annonym machen.

Dann hast Du grosses Glück, solche Erfahrungen nicht gemacht zu haben... Wir hatten damals in der Klasse einige Schüler nichtdeutscher Herkunft gehabt, die zwar mit Akzent, aber grammatikalisch richtig gesprochen haben, schriftlich waren sie besser als die meisten von uns. Und keiner dieser Schüler hatte bei dieser Lehrerin (Fachbereichsleiterin übrigens) eine Chance auf eine Note höher als eine 3!!! gehabt - sie sehe es nicht ein, dass Ausländer bessere Noten im Deutsch haben könnten als die Deutschen. Die Beschwerden beim Schulleiter haben nichts gebracht, ganz im Gegenteil. Diejenigen, die Kurse wechseln durften, haben es getan, die Anderen haben die Schule gewechselt oder gleich nach der 12. gegangen... Obwohl die meisten von Ihnen Abi im einser bis max. 2,5 Bereich locker hingelegt hätten...

"Ich fände es übertrieben allen Lehren unfaires Benoten zu unterstellen." - objektiv sind leider die Wenigsten... "mag ich" oder "mag ich nicht" immer eine Rolle...ob es bewusst ist oder nicht, ist ne andere Frage ;)

LG

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@LaetitiaV

Nach 40 Jahren Dienst am Gymnasium kann ich die Überlegungen von LaetitiaV nur unterstützen !

In jedem Fach (!) benoten Lehrer subjektiv. Das haben übrigens zahllose entsprechende Studien ergeben !

Deshalb propagierten Wissenschafts-Pädagogen wie Ingenkamp & Co. bereits in den 70ern standardisierte Tests, um ein Höchstmaß an Objektivität zu erreichen.

(Auch ich kann mich von subjektiver Benotung nicht frei sprechen !)

pk

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Anonym zu schreiben wäre ein großer Aufwandt und falls jemand krank ist , wenn die Arbeit geschrieben wird, geht das Konzept auch nicht mehr auf. Ich denke, dass es besser wäre, wenn ihr einen Zweitkorrektor hättet, am besten einen Lehrer, der bei euch sonst nicht oder nur wenig unterrichtet.

PS: Der Lehrer muss im Voraus einen 'Erwartungshorizont' erstellen, nach dem er bewertet, dieser muss den Schülern dann auch vorgelegt werden, sodass Sympathie-Bewertungen ausgeschlossen werden können.

Oh nein !!! Ganz und gar nicht !!!

Dieser "Erwartungshorizont" ist lediglich ein Pseudo-Alibi (u.a.) für scheinbare (!) Objektivität !

Der "Erwartungshorizont" ist kaugummihaft dehnbar und lässt dem Lehrer GENAUSO VIEL SPIELRAUM für Sympathie und Antipathie, als gäbe es ihn nicht !!

pk

PS: Die Idee des anonymen (nicht "anonymisierten") Schreibens finde ich sehr gut, finde aber auch keine zu praktizierende Möglichkeit seiner Realisierung.

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da die lehrer ja mit der zeit auch eure handschriften kennen werden, ist es wahrscheinlich nur richtig anonym wenn man es am computer schreiben könnte.

In der Uni wird manchmal jedem Studenten eine Nummer zugeordnet unter der die Klausur abgegeben wird, die Ergebnisse werden unter dieser Nummer ausgehängt. Jeder Student kennt nur seine eigene Nummer. Die Liste mit den Zuordnungen hat der Fachbereich. An der Schule wäre es vielleicht sinnvoll die Liste an eine unabhängige dritte Person zu geben z.B. einem Lehrer der euch nicht unterrichtet und die Ergegnisse müsste man ja auch nicht aushängen sondern könnte die Klausuren nach der Korrektur ja wieder zuordnen und einfach austeilen =)

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